Kernabitur schafft keine Bildungsgerechtigkeit
BLLV: Konzept löst Probleme nicht

Was sagt das Abitur über die tatsächliche Hochschulreife eines Absolventen aus? Wohl nicht allzuviel, folgt man dem Aktionsrat Bildung, der deshalb bundesweit einheitliche Zusatzprüfungen fordert. Foto: Gerd Altmann/pixelio.de
Abiturienten sollen künftig doppelt geprüft werden, geht es nach dem Aktionsrat Bildung. Das Gremium schlägt die Einführung zusätzlicher, bundesweit einheitlicher Tests vor. Der BLLV lehnt den Vorschlag ab, da er das Problem der Bildungsungerechtigkeit nicht löst.
Die Bildungsexperten des Aktionsrats schlagen für alle Länder gleiche Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch vor. Dieses sogenannte Kernabitur solle eine einheitliche hohe Qualität des Abiturs sicherstellen, sagte der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Dieter Lenzen, bei der Vorstellung des Konzepts in München. Es sieht vor, dass die Schüler zusätzlich zu den eigentlichen Prüfungen in Deutsch, Mathe und Englisch einen jeweils 90 Minuten dauernden schriftlichen Text ablegen. Der Aktionsrat Bildung verfolgt mit dem Kernabitur die Einführung vergleichbarer Bildungstandards in Deutschland.
Doppelter Prüfungsstress für Abiturienten
„Das Problem der Bildungsungerechtigkeit in Deutschland und insbesondere in Bayern wird damit nicht gelöst“, kommentierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel den Vorschlag in einer ersten Reaktion. „Es ist richtig, dass die Abiturverfahren in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Zentral gestellte Prüfungen können deshalb sinnvoll sein.“ Außer Acht lasse der Aktionsrat Bildung aber, dass die Probleme bereits viel früher einsetzten, denn der Zugang zum Gymnasium bleibe vielen benachteiligten Kindern verwehrt. „Mit einem bundesweiten Kernabitur werden daher die tatsächlichen Probleme nicht gelöst.“
Wenzel befürchtet zudem eine massive Zusatz-Belastung für die Absolventen. „Wenn Abiturienten künftig in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch gleich zweimal geprüft werden sollen, verdoppelt dies auch den Stress - und davon gibt es an den Gymnasien bereits genug.“ Aus diesem Grund stößt das Konzept des Kernabiturs auch bei Elternverbänden wie der Bayerischen Elternvereinigung und bei der Politik auf Widerstand. Sämtliche Fraktionen des Landtags haben sich gegen seine Einführung ausgesprochen.
Weiterführende Links:
- Das Konzept des Kernabiturs
- "Grundprobleme werden nicht gelöst": Pressemitteilung des BLLV vom 19.10.2011
- Vollständiges Gutachten des Aktionsrats Bildung
- Pressemitteilung der Bayerischen Elternvereinigung vom 19.10.2011






