11. April 2012

Angst und Konkurrenzkampf statt Wertebildung

Wissenschaftler moniert mangelnde Demokratiebildung

Schulen sollen zu Demokratie erziehen. Aber dort herrsche zu viel Angst und Konkurrenz. Die Schule verstärke so Vorurteile, sagt der Erziehungswissenschaftler Peter Fauser. Er bemängelt, Demokratie werde an Schulen zu wenig gelebt.

 

"Wir brauchen viel mehr Schulen, die konkret daran arbeiten, dass Demokratie vom abstrakten Unterrichtsstoff und vom Gremien-Leerlauf zum gelebten Alltag und von der Sonntagspredigt zur Werktagspraxis wird", betonte Fauser ggenüber der Nachrichtenagentur dpa. Dabei fehle es weder am Wissen noch an Konzepten, aber an Ressourcen wie Lehrerstunden, Geld und Programmen für eine langfristige Arbeit für Demokratieerziehung.

 

"Demokratiepädagogische Programme fristen in Deutschland ein kümmerliches Dasein", sagte Fauser der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Es gibt zwar viele Wettbewerbe und Einzelaktivitäten, aber kein von Bund und Ländern gemeinsam finanziertes Programm zur Demokratieerziehung. Das müsste Chefsache sein." Diese Aufgabe sollte beim Bundespräsidialamt angesiedelt werden, sagte der Pädagoge von der Universität Jena. 

 

Bislang seien "Demokratie", "Rechtsextremismus" oder "Rassismus" oft nur Unterrichtsstoffe. "Um Demokratie zu lernen, brauchen wir aber die Erfahrung praktischen Handelns mit anderen, die Erfahrung, Kompromisse zu schließen oder Schwache oder Minderheiten zu schützen." Diese Erfahrung müssten Schulen vermitteln. "Gute Schulen wissen, wie das geht", sagte Fauser. 

 

Druck und Konkurrenzkampf befördern Angst und Vorurteile 

Schulen hätten zwar den Auftrag, zur Demokratie zu erziehen und die Menschenrechte zu achten. "Das steht in jedem Schulgesetz", sagte Fauser. "Aber auch in der Schule herrscht zu viel Angst, zu viel Konkurrenz. Sie setzt zu ungebrochen und teilweise verstärkend herkunftsbedingte Unterschiede und Vorurteile fort, sie bietet zu wenig Gelegenheit zum gemeinsamen Handeln", kritisierte er. Kinder und Jugendliche benötigten aber schützende Zugehörigkeit und Anerkennung. Mangele es daran, entstehe Angst.

 

"Gewalt ist immer eine Folge unbewältigter Angst." Manche suchten Zugehörigkeit um jeden Preis. "Wir wissen aus der Forschung, dass Jugendliche rechtsextremen Gruppierungen besonders dann gleichsam verfallen, wenn sie dort gemeinsam mit anderen, oft unter Alkoholeinfluss, gewalttätig gegen Dritte geworden sind und dafür Anerkennung erlagen können." dpa