17. September 2010

Schulsozialarbeit muss selbstverständlich werden

BLLV-Präsident Wenzel  fordert anlässlich des Weltkindertages mehr Schulsozialarbeit / „Trotz gewaltiger Herausforderungen sind Schulen schlecht ausgestattet“

München - „Schulsozialarbeit darf nicht nur in sog. Brennpunktschulen zum Einsatz kommen, sie muss an allen Schulen selbstverständlich werden, auch und vor allem an Grundschulen“, forderte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, anlässlich des Weltkindertages am 20. September. Er steht unter dem Motto „Respekt für Kinder“. Gerade in Bayern, einem Land, in dem Bildungserfolg extrem abhängig ist von der Herkunft und den familiären Umständen eines Kindes, müsse Schulsozialarbeit flächendeckend und schulartübergreifend eingeführt werden. „Wir müssen verhindern, dass noch mehr Kinder durch das soziale Netz fallen und deswegen in der Schule scheitern“, erklärte Wenzel. Auch in Bayern ist der Alltag vieler Kinder geprägt von Armut, Verwahrlosung, Gewalt oder Sucht. Verhaltensauffälligkeiten Heranwachsender nehmen zu. „Diese Kinder brauchen Menschen, die sich um sie kümmern und die sie auffangen. “An den Schulen geschehe viel Positives, aber auch engagierte Lehrer stoßen an Grenzen. Sie brauchen weitere professionell ausgebildete Fachkräfte an ihrer Seite.“

Es sei beschämend, dass ein Weltkindertag Respekt für Kinder einfordern müsse, sagte der BLLV -Präsident. Zum Respekt vor Kindern gehöre auch das Recht auf bestmögliche Bildung. „Dieses Recht wird in Bayern, einem Bundesland, in dem die Bildungsungerechtigkeit am größten ist, jeden Tag aufs Neue unterlaufen“, kritisierte Wenzel. Es entstehe sogar der Eindruck, die Staatsregierung nehme es billigend in Kauf, dass sozial schlecht gestellte Kinder und Migrantenkinder Bildungsverlierer bleiben. Denn: „Wer Kinder nach der vierten Klasse verteilt, verteilt überwiegend nach sozialen Verhältnissen.“

Hinzu komme, dass Schulen trotz gewaltiger Herausforderungen nicht bestmöglich ausgestattet werden - das Gegenteil sei der Fall: „Es fehlt überall Personal, es gibt zu wenig kleine Klassen und Gruppen, zu wenig Ganztagsangbote und auch immer noch zu wenig Schulsozialarbeit. „Der Handlungsdruck ist gerade in diesem Bereich immens, denn immer mehr Kinder sind auf professionelle Unterstützung angewiesen“, sagte Wenzel.

Die Defizite der Kinder sind unterschiedlich. Pädagogen haben es u. a. mit mangelnder Sprach- und Lesekompetenz, mit sinkender Lernbereitschaft, schwierigem Sozialverhalten, erhöhtem Medienkonsum, gestiegener Aggressionsbereitschaft, oder Suchtproblemen zu tun. „Immer mehr Schüler brauchen immer öfter gezielte Maßnahmen, die ihnen helfen“, erklärte Wenzel. Aus Sicht des BLLV muss daher an allen Schulen Schulsozialarbeit angeboten werden, wobei die  Ausstattung der Schulen von der Finanzkraft der jeweiligen Kommunen, Städte und Landkreise unabhängig und das Personal bestmöglich ausgebildet sein muss. Der Schwerpunkt der Arbeit sollte in der Prävention liegen, die Dienst- und Fachaufsicht in allen schulischen Fragen bei den Schulleitungen liegen.

„Wir fordern Maßnahmen wie Sozialkompetenztrainings, Bewerbungstrainings, Kriseninterventionsgespräche, Anti-Aggressionstrainings, Aufklärungsgespräche, Suchtprävention oder einfach nur ein offenes Ohr, wenn es Probleme im Elternhaus gibt“, so der BLLV -Präsident. „Schulsozialarbeit muss ein fester, integrierter und selbstverständlicher Bestandteil jeder Schule werden. Sie sollte daher nicht länger Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) sein, sondern echte Schulsozialarbeit. Die damit einhergehenden finanziellen und dienstrechtlichen Folgen sind dem BLLV bewusst und gewollt“, betonte Wenzel.

Schulsozialarbeit sollte u. a. folgende Aufgabenfelder umfassen:

  • Beratung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern
  • Unterstützung bei beruflicher Integration z.B. durch Qualifizierungshilfen
  • Freizeit- und gruppenpädagogische Angebote wie Sport, Medien -pädagogik, Musik und Spiel, Ferienangebote
  • Angebote sozialen Lernens sowie Angebote sozialer, kultureller und politischer Bildung
  • Elternarbeit
  • Vernetzung und Kooperation
  • Kooperation mit Schulleitern und Lehrerkollegien.

Das BLLV -Positionspapier „Was Schüler brauchen: Von der JaS zur Schulsozialarbeit“ wurde vor wenigen Tagen als Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet. Das Positionspapier wurde im Juli 2010 einstimmig vom Landesvorstand des BLLV beschlossen.


Dateien:
20100917.pdf41 K

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