Schulentwicklung braucht starke Schulleitungen
BLLV- Landesausschuss verabschiedet Resolution / Präsident Wenzel fordert mehr Freiheit und Zeit für Schulmanagement sowie solide Qualifizierung für Schulleitungen
München - In einer Resolution fordert der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) für Schulleiterinnen und -leiter mehr Eigenverantwortung, mehr Entscheidungskompetenz, mehr Zeit für Schulmanagement und Schulentwicklungsprozesse. Die Resolution wurde am Wochenende von rund 80 Experten des BLLV- Landesausschusses einstimmig verabschiedet. „Die dafür nötigen Ressourcen müssen umgehend zur Verfügung gestellt werden“, forderte BLLV- Präsident Klaus Wenzel. „Die Arbeitsbedingungen stimmen schon lange nicht mehr, viele Schulleiter/innen sind überlastet und können daher wichtige Prozesse der Schulentwicklung nur schleppend oder gar nicht in Gang bringen“, kritisierte er. „Schulentwicklung kann nur gelingen, wenn Schulleiter/innen beste Voraussetzungen für die komplexe Aufgabe vorfinden. Sie müssen in die Lage versetzt werden, aktiv den Bildungsraum Schule gestalten zu können.“ Dazu müsste die Schulpolitik dezentrale Steuerungsformen zulassen, Schulleitungen mehr Freiheiten an die Hand geben und sie vor allem von überflüssigen Aufgaben befreien. Um Schulleitungen professionell auszubilden, hält der BLLV vorbereitende und begleitende Qualifizierungsmaßnahmen auf höchstem Niveau für unerlässlich.
Der Arbeitsmarkt ändert sich schneller und grundlegender als je zuvor, wobei der Bedarf an gering qualifizierten Berufen stark abgenommen hat. Berufsqualifikationen unterliegen ständigem Wandel. Eine langfristige Lebens- und Karriereplanung ist kaum noch möglich. „Bildung gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung - das bleibt für die Schulen und ihre Leitungen nicht ohne Folgen“, heißt es in der Resolution. Heute stünden Schulen im Fokus von Politik, Wirtschaft, Medien und Eltern wie nie zuvor. Dadurch seien auch Schulleiter/innen und Lehrer/innen ins Blickfeld gesellschaftlicher Beobachtung geraten.
„Eine zentrale Steuerung des Megasystems Schule ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr möglich.“ Deshalb müssten dezentrale Steuerungsformen entwickelt werden. „Im Mittelpunkt steht nicht mehr die einzelne Schulart, sondern das inhaltliche Profil einer Schule und damit verbundene Abschlüsse.“ Moderne Schulentwicklung müsse daher inhaltliche, organisatorische und finanzielle Entscheidungskompetenzen vom Schulamt, der Regierung und dem Kultusministerium auf die Einzelschule verlagern. Der Schulleitung komme dabei die Aufgabe zu, die Qualität der Einzelschule zu sichern. Sie werde so zum Kern der Schulgestaltung und übernehme hohe Verantwortung. „Ohne Stärkung der Schulleitung ist dieser Prozess nicht möglich“, betonte Wenzel. „Weil Schulleitung in Zukunft noch viel mehr als bisher die Verantwortung für die Gestaltung und Entwicklung der Einzelschule tragen wird, muss sie als eigenständiger, auf dem Lehrerberuf basierender Beruf definiert und mit einem eigenen Professionsverständnis und der dazu gehörenden Qualifizierung ausgestattet werden.“
Der schulische Alltag sieht derzeit jedoch anders aus: „Schulleiter/innen an Grund- und Hauptschulen müssen neben ihrer hohen Unterrichtsverpflichtung umfangreiche pädagogische, organisatorische und dienstrechtliche Aufgaben erfüllen“, ist in der Resolution zu lesen. „Hinzu kommen zeitraubende Verwaltungstätigkeiten und zahlreiche schulpolitische Reformen, ohne entsprechende Zeit- und Finanzressourcen. Diese tägliche psychische und physische Belastung verhindert nachhaltiges Zusatzengagement für Schulentwicklung. Frustration und Resignation haben erheblich zugenommen. Es ist nicht überraschend, dass die Zahl der Bewerbungen für Schulleiterstellen zurückgeht.“ Hinzu komme, dass ihr Ansehen durch die hohe Kontrolldichte und Reglementierung durch übergeordnete Behörden unterlaufen werde. Viele Entscheidungen könnten erst durch Rückversicherung durch vorgesetzte Behörden gefällt werden.
Ansprüche und Qualifikationsprofil sind zwar hoch - ein Berufsleitbild bzw. Anstrengungen zur Professionalisierung der Schulleitungen gibt es aber nicht. Der BLLV fordert daher, dass die Universitäten in Zusammenarbeit mir der Akademie in Dillingen und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) ein anspruchsvolles und berufsfeldorientiertes Aus- und Weiterbildungskonzept für Schulleitungspersonal erstellen. Damit Schulleiterinnen und -leiter einzelne Schulen tatsächlich gestalten können und aktiv Schulentwicklungsprozesse voranbringen können, hält der BLLV außerdem eine Neudefinition des Berufsprofils für dringend erforderlich, wobei:
- die Arbeitszeit neu zu definieren ist. Unabhängig von der Größe und Einzelproblematik der Schule muss eine Leitungszeit von mindestens zwei Stunden pro Unterrichtsvormittag zur Verfügung gestellt werden. Schulleiter/innen sind von der Klassenführung zu entbinden;
- sie Entlastung bei der Erledigung von Verwaltungsaufgaben brauchen. Das Personal der Verwaltungsangestellten ist entsprechend aufzustocken, zu qualifizieren und zu bezahlen;
- ein Berufsbild mit genauer Tätigkeitsbeschreibung erstellt werden muss. Ein landesweites Netzwerk kann Möglichkeiten für Austausch und Unterstützung schaffen;
- die hohe Kontrolldichte und Reglementierung durch übergeordnete Behörden abgebaut und Schul- sowie Unterrichtsentwicklung als Aufgabe des gesamten Teams einer Schule verstanden werden muss. Der Teamgedanke muss in allen drei Phasen der Lehrerbildung verankert werden;
- Status und Besoldung entsprechend anzuheben sind - Schulleiterinnen und -leiter übernehmen Führungsaufgaben. Die nötigen Zusatzqualifikationen, das Durchlaufen eines anspruchsvolleren Bewerbungs- und Auswahlverfahren sowie die höhere Führungsverantwortung müssen sich auch im Status reflektieren.
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