BLLV fordert Rettungsschirm für Unterfrankens Grund- und Mittelschulen
Von: Peter NossolWürzburg. "Die Lage ist dramatisch. Wir brauchen in Unterfranken sofort 100 zusätzliche Lehrer als Rettungsschirm für die Grund- und Mittelschulen." Mit diesen Worten kritisierte der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) die mangelhafte Versorgung der Schulen mit den notwendigen Lehrerstunden für das kommende Schuljahr 2012/13.
Stattdessen ordnete das Kultusministerium nun an, dass von den für das kommende Schuljahr einzustellenden unterfränkischen Bewerbern 90 Prozent (113) ihren Dienst in Oberbayern und Mittelfranken anzutreten haben. Dabei werde keinerlei Rücksicht auf familiäre oder soziale Hintergründe gelegt. "Verheiratete mit bis zu vier Kindern aus ihrem sozialen Umfeld zu reißen und innerhalb weniger Wochen irgendwo in Mittelfranken neu zu verorten ist ein familienpolitischer Skandal erster Ordnung", stellte Bleß fest. Er forderte die Abgeordneten des Bayerischen Landtages auf, diesem Treiben des Kultusministeriums umgehend Einhalt zu gebieten.
Die jetzt laufenden Planungen durch die Schulbehörden seien ohnehin geprägt durch eine völlig unzureichende Lehrerversorgung. In vielen Schulamtsbezirken seien Schulräte und Schulleiter gezwungen, durch diverse Notmaßnahmen eine halbwegs tragbare Unterrichtsversorgung sicherzustellen. So würden aus der Not heraus den Grundschulen in mindestens 70 Fällen Jahrgangsgemischte Klassen als Sparmaßnahme verordnet, notwendige Gruppenbildungen im Fachunterricht müssten überall unterbleiben, zusätzliche Lehrerstunden für Differenzierungsmaßnahmen zur individuellen Förderung der Schüler würden auf das absolute Mindestmaß reduziert, Arbeitsgemeinschaften in musischen Fächern könnten an den meisten Schulen gar nicht mehr angeboten werden.
"Hintergrund der Misere ist die völlig falsche Annahme durch Staatsregierung und Kultusministerium, dass der Schülerrückgang auch einen gleichzeitigen Rückgang im Lehrerstundenbedarf bedeutet. "Wenn das Kultusministerium weiterhin an seiner sturen Praxis festhält, der Regierung von Unterfranken die Lehrerstunden nach prognostizierter Schülerzahl zuzuweisen, wird bei seit Jahren permanent rückläufigen Schülerzahlen die Lage immer problematischer", erläutert Bleß. Daher fordert der BLLV, dass zusätzliche Kriterien bei der Zuteilung der Lehrer an die Regierungsbezirke einfließen.
In vielen Schulamtsbezirken gäbe es überdurchschnittlich viele kleine Grundschulen, die nach erklärtem Willen der Staatsregierung erhalten werden sollen. Um dies zu ermöglichen, seien aber zusätzliche Lehrer erforderlich. Genauso sei es bei den kleineren Mittelschulen, die nur bei vermehrter Lehrerzuweisung erhalten werden könnten."Wir brauchen daher für Unterfranken ein Sonderprogramm. Es darf nicht weiter sein, dass dieser Erhalt kleiner Schulen durch den Verlust an Schulqualität an allen anderen Schulen erkauft werden muss. Schüler und Lehrer haben ein Anrecht auf eine adäquate Unterrichtsversorgung. Wer dies ignoriert beschädigt massiv die Zukunft unserer Gesellschaft", so Bleß abschließend.

