25. Juni 2017

Der NLLV lud ins Cinecitta ein zum Kinofilm: „Ich. Du. Inklusion“

Von: Sonja Hieronymus-Metzger und Cathinca Greschner

Am 30. Mai trafen sich interessierte und betroffene Lehrkräfte im Cinecitta zu der Veranstaltung, welche die Abteilung Berufswissenschaften organisierte.

In einer 90-minütigen Vorstellung gaben die Macher der Langzeitdokumentation Einblicke in das Thema Inklusion. Durch die realistische Darstellung wurden verschiedene Sichtweisen beleuchtet: die Seite der Eltern, die sich ihr inklusives Kind auf einer Regelschule wünschen, die betroffenen Kinder, welche sich mal mehr und mal weniger integriert fühlen, die Mitschüler, die sich um die inklusiven Kinder kümmern und auch ab und an nervlich an ihre Grenzen stoßen. Zu guter Letzt die Lehrkräfte, in deren Regelklassen ein oder mehrere inklusive Kinder beschult werden sollen.

„Frau Hess, die will sich um alle kümmern, aber die kann das gar nicht schaffen.“ Diese offene Feststellung eines Mädchens aus dem Film trifft den Nagel auf den Kopf. Durch diesen Film wird erstmalig der breiten Öffentlichkeit gezeigt, was für ein immenser Kraftakt es für Lehrkräfte ist, jeden Tag 22 Kindern gerecht werden zu müssen, darunter sieben mit Förderbedarf, eines davon auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen.

Die Klassenlehrerin war die meiste Zeit allein in der Klasse – ohne Sonderpädagogin. Das ist einfach nicht zu leisten, und das hat für einige Kinder dramatische Folgen. Ein Junge muss zum Beispiel morgens Tabletten schlucken, die ihn sehr stressig machen und ein zweiter soll medikamentös eingestellt werden, obwohl er einfach einen Erwachsenen braucht, der neben ihm sitzt.

Völlig verzweifelt war ein Junge der Regelklasse, als Frau Hess schließlich bekannt gibt, dass sie nun die Schule verlassen wird. Wer kümmert sich nun um sein inklusives Nachbarskind? Dieser Junge hatte sich immens viel Verantwortung aufgeladen, weil er sah, dass ein Lehrer alleine einfach zu wenig ist in einer inklusiven Klasse.

Im Anschluss an den Film war noch die Möglichkeit zum Austausch geboten.

Hier lesen Sie einen kleinen Einblick in den Gedankenaustausch der Kinobesucher: 

 

Wie kann es sein, dass es Fälle gibt, in denen ein Kind in der Regelklasse inklusiv beschult werden soll, nur weil dies die Eltern wünschen, jedoch die Erzieher, Lehrer, Schulpsychologen und der Kinderarzt sich dagegen aussprechen?

Lehrkräfte, die an Schulen, ohne Profil Inklusion unterrichten, sollen nebenher- ohne eine Möglichkeit der Einarbeitung - Experte für die verschiedenen Formen von Inklusion sein. Und wenn sich die Schule bereit erklärt ein Kind inklusiv zu beschulen, dann muss vorher mit dem gesamten Kollegium geplant werden, welche Lehrkräfte sich um das Kind kümmern werden. Diese Lehrkräfte müssen einverstanden sein und nicht von gestern auf heute die Nachricht erhalten: hier ist ihr neuer Schüler, er ist geistig behindert, aber sie schaffen das schon.

Wie soll Inklusion und Differenzierung qualitativ hochwertig funktionieren, wenn in einem Klassenzimmer in der Regel 24-30 Kinder sitzen und nur von einem Lehrer unterrichtet werden?

In vielen Klassen sitzen inzwischen mehrere Kinder, die eigentlich in die Rubrik „Inklusion“ fallen. Da die Eltern jedoch eine Testung ablehnen, laufen sie an den Schulhäusern mit und die Lehrkraft erhält noch weniger Unterstützungsmöglichkeiten.

Zur Lehrerentlastung trägt dies sicher nicht bei. Gerne sind wir für alle Kinder da, holen sie von ihrem Lernstand ab und begleiten und unterstützen sie auf ihrem Weg die Welt zu erforschen und zu lernen. Dazu bedarf es funktionierende und vielfältige Unterstützungssysteme, kleinere Lerngruppen und  qualifizierte Fortbildungen. Ein Vater hätte es in dem Film nicht besser formulieren können: Schließlich fahren wir ja auch nicht nur mit 10 l Sprit nach Köln.


Sonja Hieronymus-Metzger und Cathinca Greschner

Alle Bilder finden Sie hier.



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