23. Juli 2017

... UND RAUS BIST DU! Inklusion, Integration, Investition

Von: Sandra Schäfer

Integration

So manches Mal ist es schon eine Herausforderung, die Widersprüche unseres Seins zu verstehen. So wird in den Medien diskutiert, ob Hilfsorganisationen, die in Seenot geratene Flüchtlinge retten, nicht eher Taxifahrer sind, auf lokaler Ebene werden integrationswillige Flüchtlinge aus der Schule abgeholt, dafür dann die ausführenden Organe angeprangert, die gesetzlichen Vorgaben jedoch nicht sofort gesehen. Schüler aus der Schule zur Abschiebung abzutransportieren – wer von uns kann das tragen und wollen? Wir Lehrerinnen und Lehrer bemühen uns in allen Schularten, in allen Lebensbereichen engagiert um Integrationsprozesse, die Schutz und vor allen Dingen Planungssicherheit bei jungen Flüchtlingen benötigen. Wenn diesen jungen Menschen Perspektiven systematisch entzogen werden, ist das kontraproduktiv.

Der NLLV fordert: Die Staatsregierung muss dringend Spezifierungen im Integrationsgesetz vornehmen! Flüchtlinge in Ausbildung oder Schule müssen ihren Bildungsweg beenden dürfen.


Inklusion

Inklusion kommt groß ins Kino. Im Film „Ich. Du. Inklusion.“ – Großartig aufgezeigt wird hier die Schulpraxis.

Aufgebracht kommt man aus diesem Film, in dem engagierte Lehrkräfte und Eltern nur eines erreichen wollen: Bestmögliche Nutzung der Bildungschancen. Aber auch die Defizite werden nicht verschwiegen: Fehlende Stunden, fehlende Ausstattung, fehlende Mobile Reserven, oft fehlende sonderpädagogische Kompetenz ... die Liste ist lang.

Wenn unsere Gesellschaft Inklusion möchte, warum gelingt es dann nicht, ausreichend Mittel und Personal bereit zu stellen?

Der Film zeigt auch, wie gut Bayern beraten ist, keineswegs an die Abschaffung der Förderzentren zu denken. Die ausgezeichnete Versorgung von Schülern an Förderzentren ist eine Errungenschaft, die es zu halten gilt. Das spricht nicht gegen Inklusion. Inklusion und Erhalt der Förderzentren darf man nicht gegeneinander ausspielen, wobei gilt, dass In- klusion nur gelingen kann, wenn im jeweiligen Einzelfall die sonderpädagogische Kompetenz in das Regelschulwesen eingebracht werden kann. Inklusion zum Nulltarif ist bestenfalls Sozialromantik, aber keineswegs Bildung und Erziehung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.


Investition

Dem Ruf nach Investition an Schulen folgte bekanntlich das bayerische Bildungspaket. Fakten:

Viele Bereiche wurden bedacht, die Umsetzung schrittweise vorgesehen.

Zur Auswirkung der Inklusion werden 2019 und 2020 jeweils zusätzliche 100 Stellen geschaffen. Die Mobile Reserve an Grund- und Mittelschulen wird 2018 um 50 Stellen erhöht. Auch die Förderschulen werden in dieser Höhe bedacht in 2018, 2019 und 2020 mit je 100 Stellen. Auf unsere Forderungen nach Verbesserungen im Bereich der Verwaltung wurde reagiert: Zusätzliche 150 Stellen für Verwaltungsangestellte über alle Schularten verteilt werden bereitgestellt. Dem dringenden Ruf nach Entlastung der Schulleitungen wird mit 150 zusätzlichen Stellen geantwortet, der sich im Bereich Leitungszeit (Anrechnungsstunden) nieder schlagen wird. (Alle Schularten außer Gymnasium).

Diese Maßnahmen schließen längst nicht alle offenen Wunden, sind jedoch ein Anfang, dem weitere Taten folgen müssen.

Ebenfalls weiterinvestiert wird im Bereich der Beförderungen. Seit Beginn der Dienstrechtsreform ist dies ein Anstieg auf über 25.000 Beförderungen!

Wie angekündigt wird es zum 1. August 2017 eine weitere Beförderungsrunde für Lehrkräfte an Grund-, Mittel- und Förderschulen geben.

Insgesamt werden ca. 1.000 Kolleginnen und Kollegen an GS/MS und FS befördert werden können.
Damit steigt die Zahl der Beförderungen an GS/MS/FS seit Beginn der Dienstrechtsreform auf über 25.000.
Zusätzlich konnten im Rahmen des Staatshaushalts folgende Verbesserungen ausgehandelt werden: 10 Beförderungen von Beratungsrektoren als Schulpsychologen nach A 14, fünf Hebungen von Schulräten A 14+AZ nach A 15, zwei Hebungen von Regierungsschulräten von A 14+AZ nach A 15

Auch für die Beförderungsrunde 2018 wurde verhandelt. Über die einzelnen Maßnahmen wird Anfang 2018 entschieden.

Für Nürnberg rechnen wir im kommenden Schuljahr mit einer etwa vergleichbaren Schülerzahl zum Vorjahr. Dringend nachjustiert werden muss bei der Versorgung durch Mobile Reserven und bei der Vertretung im Schwangerschaftsfall.

Eine Problematik ist noch nicht gelöst. Unterrichtszeit an der Schule und Betreuungszeit im Hort.
Das Problem schlägt nun auch bei der Elternschaft auf, da durch das Jugendamt der Stadt im zweiten Schritt nun auch das Buchungsverhalten der Eltern beeinflusst wird. Wenn mehrheitlich auf das Konzept der Betreuung durch Hort gebaut wird, dann müssen hier die Kolleginnen und Kollegen an Schulen und in den Horten vor Ort unterstützt werden. Mauern zwischen Zuständigkeitsbereichen bringen massive Nachteile für unsere Schüler!

Investiert wird auch in einen Universitätsstandort Nürnberg, so der Wille der bayerischen Staatsregierung. Der NLLV begrüßt dies ausdrücklich. Während bereits der Name der neuen Universität Nürnberg diskutiert wird, ist die vorhandene Stätte der Lehrerbildung im 50. Jahr ihres Bestehens immer noch eine Dauerbaustelle. Die Baumaßnahmen an der Regensburger Straße 160 dienen allerdings nur den geforderten baurechtlichen Bestimmungen, wie z. B. Feuerschutz, sie bringen aber kaum Raumgewinn.

Die seit Jahrzehnten diskutierte Standortfrage, Erlangen oder Nürnberg oder bilokal, sollte in Zusammenhang mit der neuen Universität Nürnberg endgültig beantwortet werden.


Inklusion, Integration, Investition ...
und raus bist du!

Raus bist du nur dann, wenn du aufgibst, dich für Verbesserungen im Bildungswesen einzusetzen. Einzelkämpfer und Ideologen sind hier chancenlos. Seit nahezu 200 Jahren kämpft der NLLV erfolgreich für eine bessere Bildung und bessere Arbeitsbedingungen in Nürnberg. Sie, liebe Leser wissen dies und tun dies mit uns.
Daher danke ich gerade vor der Sommerpause allen Mitgliedern unseres Nürnberger Lehrer- und Lehrerinnenverbands ganz besonders für ihren Anteil am Gelingen unserer gemeinsamen Anstrengungen aber auch für Ihren Zuspruch und Ihr Vertrauen.

Seien Sie gewiss, wir sind wie immer „Stark an Ihrer Seite!“
Genießen Sie die Sommerzeit, gute Erholung wünscht Ihnen Ihre

Sandra Schäfer


Dateien:
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