27. März 2017

Förderung hochbegabter Kinder

Petition des Forum Bildungspolitik - einstimmiger Beschluss vom 27.03.2017

 

Jedes Kind hat nach Auffassung des Forum Bildungspolitik in einer inklusiven Schule Anspruch auf die optimale Förderung seiner jeweiligen individuellen Begabung. Dies gilt auch für die Förderung sehr gut bis hochbegabter Kinder.

 

Das Forum Bildungspolitik in Bayern spricht sich für eine gezielte Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Hochbegabung aus. Dies dient in erster Linie dem Wohl der betroffenen Kinder, ist aber auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht vernünftig.

 

Um eine pädagogisch sinnvolle Form der Begabtenförderung zu gewährleisten, müssen folgende Forderungen erfüllt werden:

 

  1. Zur Erkennung und Förderung der hochbegabten Kinder müssen multiprofessionelle Teams (Lehrerinnen und Lehrer, Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer, Schul- psychologinnen und Schulpsychologen) zusammenarbeiten. Den Schulpsychologin- nen und Schulpsychologen kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, da sie über entsprechende Kompetenzen zur Diagnostik und Beratung verfügen und auch entsprechende Förderempfehlungen geben können. Ebenso können sie ihr Fachwissen zu diesem Thema in Fortbildungsveranstaltungen anbieten.

  2. Die Förderung von Hochbegabung darf nicht beschränkt werden auf die klassischen schulischen Hauptfächer, sondern muss auch andere Bereiche einer umfassenden Bildung wie Kunst, Musik, Sport oder Gesellschaftswissenschaften mit einbeziehen.

  3. Lehrerinnen und Lehrer müssen für das Thema Hochbegabung in der Aus- und Fortbildung sensibilisiert werden. Sie sollten in den Kompetenzbereichen Identifikation von Hochbegabung und Umgang mit heterogenen Begabungsstrukturen gestärkt werden.

  4. Diese Arbeit ist sehr zeitaufwendig. Um nach den aktuellen wissenschaftlichen Standards qualitativ anspruchsvoll arbeiten zu können, ist es notwendig, Lehrerinnen und Lehrern und Beratungsfachkräften zusätzliche Anrechnungsstunden zu gewähren.

  5. Die Grundlagenforschung für Diagnostik und Förderung von Hochbegabung ist weiter zu verstärken.

  6. Begabtenförderung darf nicht auf ein einziges Modell begrenzt werden. Die Einrichtung von speziellen Hochbegabtenklassen an acht verschiedenen Gymnasien in ganz Bayern erfasst lediglich weniger als 10 % der infrage kommenden Schülerinnen und Schüler. Deshalb ist es zwingend notwendig, flächendeckende Angebote für die Förderung Hochbegabter an Regelschulen zu eröffnen. Die bestehenden Standorte der Begabtenklassen können hierfür zu Kompetenzzentren zur Unterstützung der Förderangebote an den anderen Schulen der Region ausgebaut werden.

  7. Die Förderung von Hochbegabung darf nicht erst in der Sekundarstufe beginnen, sondern muss spätestens in der Grundschule einsetzen.

  8. Eine Verkürzung der Lernzeit für Schülerinnen und Schüler mit Hochbegabung muss eingebettet werden in eine Schule, die das Lernen im eigenen Takt ermöglicht, z. B durch ein modularisiertes Angebot oder wie es derzeit bereits in den Jahrgangsstufen 1 und 2 der flexiblen Grundschule möglich ist.

  9. Das additive Angebot außerhalb des Regelunterrichts für Kinder mit Hochbegabung muss breiter, transparenter und niedrigschwelliger werden.

  10. Bisher fand eine gezielte Förderung von Kindern mit Hochbegabung meist auf Initiative der Eltern statt. Allerdings ist es Aufgabe von Schule, Hochbegabung zu identifizieren und die entsprechende Förderung zu initiieren. Deshalb muss ein flächendeckendes Angebot multiprofessioneller Beratung für Eltern und Schulen aufgebaut werden.

  11. In der Lehrerbildung müssen die Kompetenzbereiche Diagnostik und Umgang mit Heterogenität erheblich gestärkt werden.

 

Mehr Infos dazu

Pressemitteilung des Forum Bildungspolitik in Bayern v. 14.6.17

Pressemitteilung des Kultusministeriums vom 14.6.17

 

 


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