Was muss sich an der Mittelschule verbessern? In Arbeitsgruppen diskutierten Lehrkräfte bei der BLLV-Mittelschulwerkstatt, welche politischen Forderungen sie aufstellen sollen.

Aufbrechen: Mittelschule neu denken!

30 Lehrkräfte haben sich bei der BLLV-Mittelschulwerkstatt auf den Weg gemacht.   Das gemeinsame Ziel: Eine wirklich gute Mittelschule zu machen. Und bloß nicht jammern.

 

Von Simone Fleischmann*

 

Auch wenn es viele Gründe gäbe zu jammern. Denn die Rahmenbedingungen an den Mittelschulen sind extrem belastend für Schüler, Eltern und Lehrer. Jeder einzelne der 30 Kolleginnen und Kollegen, die aus allen Bezirksverbänden des BLLV nach Beilngries gekommen waren, hätte ein Lied darüber singen können. Die Zusammensetzung der Schülerschaft ist ausgesprochen heterogen. Die Bandbreite reicht vom zurückgekehrten Realschüler über Förderschüler und Kinder mit Migrationshintergrund bis hin zu schwer traumatisierten Kriegsflüchtlingen.  Personalmangel und fehlende fachliche Unterstützung erschweren die Arbeit zusätzlich.

 

Doch einfach nur Jammern: das ist nicht gefragt! Vielmehr ging es allen darum, konkrete Lösungen für die Probleme an den Mittelschulen zu erarbeiten, nach vorne zu schauen und für Verbesserungen zu kämpfen.  Ziel des eintägigen Workshops „Aufbrechen: Mittelschule neu denken“ war es, politische Forderungen für die Mittelschule von Morgen und eine Strategie des BLLV für deren Durchsetzung zu erarbeiten.

 

Missstände publik machen

Damit die Mittelschule ein attraktives Angebot bleibt, muss sich vieles ändern. Der Öffentlichkeit und der Politik müssen die Missstände vor Augen geführt werden, denn die Rahmenbedingungen müssen sich deutlich verbessern: Nötig ist mehr Personal, mehr fachliche Unterstützung.

 

Eines wurde im Verlauf des Workshops schnell klar: Mittelschullehrer brennen für ihre Schule. Sie wollen sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen stellen, weil ihnen ihre Schüler am Herzen liegen. Und sie wollen zusammen mit dem BLLV dafür kämpfen.  Die Workshop-Teilnehmer sind dazu fest entschlossen: Sie brachten sich mit Leidenschaft und Engagement ein, schilderten plastisch ihren Schulalltag. Sie wissen genau, was es braucht, um Mittelschule „gut“ zu leben (siehe "Teilnehmerstimmen" unten).

 

Die Strategie: Öffentlichkeit mobilisieren

Den Schlüssel zu Verbesserungen haben Öffentlichkeit und Politik in der Hand. Die Strategie muss deshalb lauten: Nicht jammern und die Mittelschule schlecht reden, sondern die prima Arbeit, die an den Mittelschulen geleistet wird, öffentlichkeitswirksam darstellen und so die Politik zu Veränderungen bewegen. Wer diese Schulart haben will, muss dafür sorgen, dass sie die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür hat: das ist die Aufgabe der Politik!

 

Die Veranstaltung in Beilngries war nur der Auftakt.  Nun gilt es, die aufgestellten Forderungen in politische Positionen umzusetzen und die Strategie weiter zu konkretisieren. Alle Teilnehmer wollen an dem Thema weiter dran bleiben und nicht locker lassen!

 

Ein ausführlicher Bericht zum Workshop folgt in der Ausgabe 4 der Bayerischen Schule, die im Juli erscheint.

 

 

Die Mittelschulwerkstatt haben organisiert und moderiert: *Simone Fleischmann (Leiterin der BLLV-Abteilung Berufswissenschaft), Dr. Fritz Schäffer (Leiter der BLLV-Abteilung Schul- und Bildungspolitik, Birgit Dittmer-Glaubig (Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft im MLLV) und Florian Fischer (stellvertretender Landesgeschäftsführer des BLLV).


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Teilnehmerstimmen:

„Eltern haben normalerweise Macht. Die Lobby der Eltern der Mittelschule hat – im Gegensatz zur Lobby der Eltern am Gymnasium – keine Chancen.“

 

„Ich bin nicht Mittelschullehrerin geworden, um die Mittelschule zu erhalten, sondern um Kinder zu fördern.“

 

„Das KM und die Politiker kriegen keine Realität zu sehen .Jeder Schulleiter will seine Schule so gut wie möglich präsentieren. Es ist Aufgabe des BLLV, da zu handeln.“

 

„Ich habe 20 in meiner Übergangsklasse. Die Kinder kommen ohne ein Wort Deutsch.“

 

„Wir brauchen mehr Zeit für unsere Aufgaben!“

 

„Wir haben 46 Mobile Reserven im Landkreis, davon 39 Langzeiteinsätze oder selbst krank. Effektiv haben wir also nur 7. Uns werden viele Rückkehre rzugeteilt (aus Oberbayern), die schwanger sind. Die fallen dann weg.“

 

„Eine befreundete Psychologin sagte mir: Mensch was du alles machst, müsste eigentlich ich als Psychologin machen. Aber ich wäre überfordert!‘“

 

„Jahrelang haben wir Musicals gespielt. Das können wir nicht mehr machen, weil wir keine Stunden mehr haben. Da verliert die Schule an Profil .Manches was wir dennoch machen, ist gar nicht legal.“

 

„Jeder Kollege leistet in der Woche 3 bis 4 Überstunden, nur um Unterrichtsausfallzu vermeiden. Das sind echt unzumutbare Zustände. Dann heißt es: Seid froh, dass der Standort erhalten bleibt. “

 

„Es gibt Situationen im Schulalltag ,die kann ich weder als Mensch noch als Christin noch als Demokratin aushalten. Die Antwort ist immer die gleiche: Schau, dass du wieder zu Kräften kommst, Mädchen.“

 

„Wir müssen so mutig sein, die Situation so ehrlich zu beschreiben, weil wir uns sonst selbst ins Fleisch schneiden.“

 

 

Veranstaltungsdokumentation:

» Mittelschulwerkstatt 13. Mai 2014

 

 


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