Moderationstechniken

Sei es die Sitzung im Verband, der Elternabend oder eine Lehrerfortbildung – immer wieder kommt man in die „Verlegenheit“, an Stelle der gewohnten Schülerschaft Erwachsene oder gar Kollegen zum Publikum zu haben. Auch in diesen Fällen schafft gute Vorbereitung Sicherheit, wie das Perspektivteam nun weiß. Simone Fleischmann, Leiterin der Abteilung Berufswissenschaften im BLLV, stellte im PT-Frühjahrsseminar vor, wie man Sitzungen und Veranstaltungen erfolgreich leiten und moderieren kann.

Bereits die Vorstellungsrunde zeigte sich als wichtiger Baustein zur Zielsetzung des Seminars. Auf einem Papierstreifen, der in drei Felder unterteilt war, sollten die Teilnehmer mit jeweils einem Bild zu folgenden Themen Stellung beziehen:

 

1. … wenn ich an heute Vormittag denke

 

2. Mein Lieblingsbuch / - film

 

3. Das kann ich als Moderator gut

 

 

Jeweils zwei Teilnehmer erklärten dann einander ihre Bilder und tauschten sie aus. So stellte man im Verlauf der Übung wechselnden Gesprächspartner immer wieder einen anderen Kollegen vor. In diesem Fall konnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: die Teilnehmer lernten sich kennen und erhielten eine neue Möglichkeit für ihr eigenes Repertoire.

 

Dann zeigte Fleischmann gleich auf, welche Schritte bei der Planung einer Veranstaltung grundsätzlich wichtig sind:  

 

1.    Auftragsklärung: Zur Auftragsklärung ist es wichtig, beim Auftraggeber alles abzufragen, was von Bedeutung sein kann, angefangen von den Zielen, über den Teilnehmerkreis, den zeitlichen Rahmen und den Veranstaltungsort bis hin zum Honorar. Essentiell ist auch die Frage, um welches Format es sich handelt. So kann es sich um die Moderation einer Konferenz, eines Elternabends, eine regionale oder schulinterne Fortbildung, einen Vortrag, eine Personalversammlung oder eine Podiumsdiskussion handeln.

 

2.    Die Vorbereitung: Die Vorbereitung unterliegt dem individuellen Arbeitsstil des Referenten. Dennoch muss sich jeder im Vorfeld darüber im Klaren sein, welche Medien benötigt werden, wie technischer Bedarf und Ausstattung sind, ob Tische notwendig sind und wenn ja, wie sie aufgestellt werden müssen und den Bedarf an den Auftraggeber rückmelden.

 

3.    Die Durchführung: Bei der Durchführung steht der Moderator im Mittelpunkt. In einem kreativen Gruppenauftrag stellten die Teilnehmer dar, wie ein Moderator idealerweise aussehen sollte. Dabei wurden in ein vorgezeichnetes Gesicht Details gezeichnet, wie zum Beispiel der richtige Riecher, das Strahlen in den Augen stellvertretend für die gesamte Ausstrahlung oder besonders sensible Ohren für die leiseren Töne. In der Realität kann aber keiner alles haben oder die Wünsche aller zufrieden stellen. Wichtig ist, an sich selbst zu lernen und bei der Planung im Blick zu behalten, was man besonders gut kann.

 

4.    Natürlich die Reflexion (dazu mehr später)

 

Das Modell der Themenzentrierten Interaktion (TZI) von Ruth Cohn bildet die Basis jeder Veranstaltung, wie die PT-Teilnehmer dann erfurhen. Dabei muss innerhalb des „Settings“ eine Balance aus Sache, Referent und Gruppe herrschen. Sonst kommt es leicht zu Störungen, die Vorrang haben und aufgearbeitet werden müssen. Wenn mit einer Präsentation gearbeitet wird, müssen laut Fleischmann folgende Dinge beachtet werden: Zielgruppe festlegen, gute Lesbarkeit, „Weniger (an Schriften, Animationen) ist mehr“, Einheitlichkeit von Farben und Größen, Logik im Aufbau und Kreativität (Pepp und Humor). Ein besonderes Augenmerk müsse auch der Körpersprache gelten, so die Referentin. Dazu gehöre der Standpunkt im Raum genauso wie die Größe der Gesten oder die Körperspannung. Wie wichtig die nonverbale Kommunikation ist, wurde in einer kreativen Gruppenarbeit deutlich, in der die Teilnehmer in einem Wettbewerb auf Zeit aus einem Stück Zeitung eine Giraffe reißen mussten, ohne dabei zu sprechen.

 

Wichtig ist es laut Fleischmann auch in allen Veranstaltungen sich immer wieder auf eine Meta-Ebene zu begeben und das Erarbeitete zu reflektieren und zu notieren. Bei einmaligen, kürzeren Treffen reicht dazu ein gesondertes Reflexionsblatt, bei wiederkehrenden Fortbildungs- oder Seminarreihen bietet es sich an, ein Logbuch zu führen, in dem jeder Teilnehmer seine persönlichen Erkenntnisse einträgt.

 

Zur Reflexion gehört das Feedback durch die Teilnehmer. Eine Möglichkeit ist es, Satzanfänge vorzugeben wie: „Ich nehme mit“… oder „Ich blicke zurück …“. Es gibt auch Karten mit passenden Aussagen, die entweder schriftlich oder mündlich ergänzt werden können. Diese Methode bevorzugt zum Beispiel Fleischmann selbst und wurde am Ende des Seminars sogleich ausprobiert. Wie sich gezeigt hat, war das Wochenende ein großer Gewinn für alle.

 

Stefanie Horinek

 

 

Literaturempfehlungen:

 

Molcho, Samy: Alles über Körpersprache. München 2001

 

Heidemann, Rudolf: „K“ wie Körpersprache, Domino Verlag, Praxisheft 2011

 

Borbonus, Rene: Die Kunst der Präsentation. Überzeugend präsentieren und begeistern. Paderborn 2007

 

Dießner, Helmar: Gruppendynamische Übungen und Spiele. Paderborn 2008

 

Trotha, Thilo von: Reden professionell vorbereiten: So gewinnen Sie Ihre Zuhörer. Regensburg 2010

 

 

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