Versetzungen zerreißen Familien
Kategorie: JunglehrerMinisterium schickt Familienmütter und - väter quer durch Bayern
Bislang waren Väter und Mütter vor Versetzungen geschützt. Nun hat der Freistaat einen Tabubruch begangen: Erstmals werden Familienmütter und - väter von Oberfranken nach Oberbayern geschickt. Die ABJ Oberfranken protestiert aufs Schärfste.
Pressemitteilung der ABJ Oberfranken vom 9. August 2012
Oberfranken - In den vergangenen Wochen bekamen die fertig ausgebildeten Junglehrer in Bayern ihre neuen Einsatzorte eröffnet. Viele waren auf die Nachricht, in der ihnen die Versetzung nach Oberbayern mitgeteilt wurde, vorbereitet. Seit Jahren werden nach dem zweiten Staatsexamen die meisten jungen Lehrer aus Oberfranken nach Oberbayern geschickt, denn Oberbayern hat Lehrermangel und Bevölkerungszuwachs, also steigende Schülerzahlen. Ein Lehrerausgleich ist also eine logische Konsequenz aus diesem Ungleichgewicht. Es traf vor allem ledige und verheiratete Männer und Frauen ohne Kinder, die nicht heimatnah in den Schuldienst eingesetzt wurden.
Doch in diesem Jahr sollen nun erstmals junge Familienmütter und -väter in den südlichen Regierungsbezirk „zwangsabwandern“ – eine für viele sehr belastende Situation.
So z. B. für eine Grundschullehrerin aus Bayreuth, die – durch einen guten Einstellungsschnitt sowie dem Umstand, verheiratet zu sein und einen kleinen Sohn zu haben – davon ausging, in Oberfranken verbleiben zu dürfen. Jedoch bekam sie wie viele andere Familien den Bescheid, nach Oberbayern versetzt zu werden. Umziehen ist unmöglich – ihr Mann promoviert an der Uni Bayreuth. Auch für einen Hauptschullehrer aus Bamberg ist der Brief eine niederschmetternde Enttäuschung. Er engagierte sich in seinem Referendariat, brachte wie viele andere gute Leistungen und gründete nebenbei eine Familie. Seinem sieben Monate alten Sohn muss er nun klar machen, warum er nur noch am Wochenende Zuhause sein wird, denn auch er muss nach Oberbayern.
Ich als oberfränkischer Bezirksvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) im BLLV kann die Situation dieser Familien sehr gut nachvollziehen. Auch ich habe eine kleine Tochter mit eineinhalb Jahren. Müsste ich weggehen und könnte sie nur noch an den Wochenenden sehen, würde mir das Herz bluten! Dabei werden hier in Oberfranken Lehrer gebraucht. Die Fehlprognosen bezüglich der Schülerentwicklung an den Mittelschulen führten schon letztes Jahr dazu, dass Lehrerstunden fehlten. Dieses Jahr hat dieses Minus an Lehrerstunden jedoch ein Ausmaß erreicht, das eine solide Unterrichtsversorgung gefährdet. Von attraktiven Zusatzangeboten, wertvollen Arbeitsgemeinschaften, individueller Förderung oder Inklusion ganz zu schweigen. Da fragt man sich, warum im September und Oktober Mails von Schulämtern verschickt werden, die nach „Aushilfskräften“ suchen – man könnte doch jetzt gleich mehr Lehrer in Oberfranken behalten. Es ist ein Armutszeugnis für das Kultusministerium.
Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie Familien auseinandergerissen werden.
Wir wollen nicht zulassen, dass Kinder auf ihre Mütter oder Väter verzichten müssen.
Wir wollen nicht, dass Fehlplanungen des Kultusministeriums durch diese unsoziale, untragbare Versetzungspolitik auf dem Rücken von unseren gut und teuer ausgebildeten Junglehrern ausgetragen wird.
Die ABJ und der BLLV Oberfranken fordern deshalb eine wohnortnahe Einstellung für alle Junglehrer mit Kindern. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen.

