Warum ich trotzdem Lehrerin bin
Kategorie: JunglehrerHildegard Monheim über ihren Schulalltag
Elternabend: Lehrkräfte haben keinen leichten Job. Sie müssen vielenAnsprüchen gerecht werden - denen ihre Schüler, deren Eltern und ihrem Dienstherrn.
Manchmal würde sie morgens am liebsten im Bett bleiben, statt im Klassenzimmer zu stehen, sagt Hildegard Monheim. Denn der Schulalltag ist kein Zuckerschlecken. „Wer das nicht erlebt, kann es sich nicht vorstellen“, sagt die 57-jährige Augsburger Mittelschullehrerin. Über den Wahnsinn, den sie täglich erlebt, hat sie jetzt ein Buch geschrieben. Und bricht darin eine Lanze für ihre Schüler.
Hildegard Monheim ist nicht ihr richtiger Name, sondern nur ein Pseudonym. Aber so kann Monheim weiter unbehelligt ihrem Beruf nachgehen. Den sie oft genug am liebsten an den Nagel gehängt hätte, nur um sich dann doch aufzuraffen und weiterzumachen.
Gegenüber der Tageszeitung schilderte sie, was den Beruf so beglückend und belastend macht, was sich an Bayerns Mittelschulen ändern müsste und warum sie am Ende des Tages trotzdem gerne Lehrerin ist. Hier einige der interessantesten Passagen aus dem am 7. September im Münchner Merkur veröffentlichten Interview. Eine Online-Fassung liegt leider nicht vor.
Hildegard Monheim über …
… das Schlimmste an ihrem Beruf: „Der Job ist unglaublich anstrengend. Er bringt einen ständig an die Grenzen. Man gibt sich ja so viel Mühe, hofft immer wieder: Die Schüler und ich wir schaffen dieses große Projekt ‚Lernen’ miteinander."
… die Gründe, sich für den Lehrerberuf zu entscheiden: „Die wichtigsten Fragen, die sich jeder stellen sollte, lauten: Was willst Du? Ist Dir soziales Engagement wichtig? Kannst Du aus anstrengender Arbeit mit jungen Menschen persönliche Zufriedenheit ziehen?“
… die Gründe, sich den Lehreralltag anzutun: „Weil ich es liebe, mit jungen Menschen zu arbeiten. Weil ich es liebe, sie zu motivieren. Ich erzähle Ihnen mal eine Geschichte: Irgendwann kam ein Junge in meine Klasse, der war schon zweimal durchgefallen. Viele sagten. ,Aus dem wird nix mehr.’ … Ich hatte damals ein Schreibprojekt ins Leben gerufen. .. Na ja, jedenfalls blühte dieser Junge in dem Projekt total auf … Später schaffte er sogar einen guten Schulabschluss.“
... die Verbesserungen, die sie für die Mittelschulen fordert: „Ich es zum Beispiel absolut sinnvoll, wenn in Brennpunktschulen zwei Lehrer gleichzeitig eine Klasse unterrichten. Es entlastet nicht nur die Lehrer. Die Pädagogen können so viel besser auf die vielfältigen Bedürfnisse der Schüler eingehen. An den Hauptschulen brennt es jetzt schon stellenweise.“
Das Buch:
Hildegard Monheim: „Manchmal schauen Sie so aggro“. Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9.95 Euro.

