20. Juli 2012

Keine Stelle in Aussicht: So stehen die Jobchancen für Umsteiger

Kategorie: Junglehrer, Einstellungssituation

Perspektiven in der freien Wirtschaft

Endstation Jobcenter? Das muss nicht sein. Lehrkräften, die ihren Beruf wechseln wollen, bieten sich auch in der freien Wirtschaft Perspektiven. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Was tun, wenn die eigene Examensnote meilenweit von der Staatsnote entfernt ist und ein Nachrücken über die Warteliste unwahrscheinlich erscheint? Eine Alternative kann der Wechsel in die freie Wirtschaft sein. Die Jobchancen für Lehrer stehen dort nicht schlecht, denn sie bringen wichtige Schlüsselqualifikationen mit. Umsteiger brauchen aber Geduld und Ausdauer. Die Agentur für Arbeit beantwortet die wichtigsten Fragen zum Wechsel.

 

Wie stehen zurzeit die Jobchancen von Lehrkräften?

Die Arbeitsmarktsituation ist zurzeit grundsätzlich günstig. Akademiker haben gute Chancen unterzukommen, denn die Akademisierung der Arbeitswelt wird weiter zunehmen. Zwar können sich Absolventen von MINT-Fächern über besonders gute Beschäftigungschancen freuen. Aber auch Akademiker anderer Studienrichtungen wie Geistes- und Sozialwissenschaftlicher, bringen Fertigkeiten und Kenntnisse mit, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Sie haben beispielsweise gelernt, sich schnell und selbständig in neue Sachgebiete einzuarbeiten. Zudem hängt vieles vom einzelnen Bewerber ab. Ein Assistent der Geschäftsleitung braucht zum Beispiel Organisationstalent. Es kommt also hier neben dem Fachwissen vor allem auf die Schlüsselqualifikationen an.

 

Wer hat die besseren Jobaussichten? Eine Grundschullehrerin oder ein Referendar fürs Gymnasium?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es kommt nicht nur auf den Lehramtsstudiengang an, sondern auch auf die Fächerkombination, die Schwerpunkte, die man während des Studiums gesetzt hat, welche Zusatzqualifikationen man erworben hat und auch auf die Person selbst. Was den fachlichen Hintergrund angeht, haben Lehrkräfte mit MINT-Fächern oder wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenzen bessere Chancen als zum Beispiel ein Absolvent für das Gymnasium mit der Fächerkombination Deutsch/Geschichte. Dennoch sind auch die Perspektiven von Grundschullehrern nicht aussichtslos. Ob man auf dem freien Arbeitsmarkt Fuß fasst, hängt ganz wesentlich davon ab, wie flexibel man selbst ist, welche persönlichen Eigenschaften, Social Skills und Zusatzqualifikation man mitbringt und wie groß die Bereitschaft ist, sich weiterzubilden. Wer zum Beispiel die übliche Bürosoftware beherrscht, verfügt über einen Vorteil.

 

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen Lehrkräfte, die auf  dem freien Arbeitsmarkt nachgefragt werden?

Lehrerinnen und Lehrer sind Spezialisten in Sachen Didaktik. Sie haben gelernt, wie man Informationen zielgruppengerecht aufbereitet und vermittelt, wie man Lehrveranstaltungen konzipiert und organisiert. Das qualifiziert sie für den Bereich der Erwachsenenbildung genauso wie zum Beispiel für die Kulturarbeit oder Museumspädagogik. Lehrkräften mit besonderen Sprachkenntnissen bieten sich auch Chancen im Tourismus.  Durch ihr Fachwissen und ihre Kenntnisse in Psychologie und Pädagogik sind Lehrkräfte auch auf eine Tätigkeit in der Jugendarbeit vorbereitet, etwa in der Bildungsberatung.

 

Wie kann ich mein persönliches Profil erstellen?

Das eigene Profil zu entwickeln ist ein längerer Prozess, wenn man noch nicht weiß, wohin die Reise gehen soll. Darin fließen nicht nur während Studium und Referendariat erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten ein, sondern auch persönliche Eigenschaften, Neigungen und Zusatzqualifikationen. Die Beratungsfachkräfte der Jobcenter und Arbeitsagenturen unterstützen Arbeitssuchende dabei.

 

Wie  finde ich heraus, mit welchen meiner Fähigkeiten ich auf dem freien Arbeitsmarkt Chancen habe?

Sobald man weiß, welchen Weg man einschlagen möchte, sollte man sich in Jobbörsen umsehen, wie die Anforderungen in den in Frage kommenden Beschäftigungsfeldern und Berufen aussehen, welche Einstiegsmöglichkeiten es gibt und wo Fortbildungsbedarf besteht. Hierbei helfen die Jobcenter bzw. Agenturen für Arbeit, die im Bedarfsfall Weiterbildungsangebote vermitteln und externe Profis zum Beispiel für Bewerbungstraining hinzuziehen. Denn es kommt nicht nur darauf an zu wissen, was man selbst will oder was die Wirtschaft von einem fordert, sondern auch darum, seine Vorzüge bestmöglich zu präsentieren.

 

Wie kann mir der Jobeinstieg am besten gelingen?

Ein guter Einstieg können Praktika, Traineeprogramme oder Volontariate sein. Auch durch Projektarbeit,  Zeitarbeit oder befristete Beschäftigungen kann man erste berufliche Erfahrungen sammeln. Persönliche und räumliche Flexibilität sowie Mobilität sind Trumpf. Allerdings darf man sich über die Bezahlung in den Anfangsjahren keinerlei Illusionen machen.  Die Vergütungen liegen nicht selten auch unter einem Einstiegsgehalt für Lehrkräfte.

 

In welchen Beschäftigungsfeldern sind Lehrkräfte in der Vergangenheit untergekommen?

Der größte Teil ist nach Erfahrungen der Agentur für Arbeit im Bereich der Bildungsarbeit untergekommen. Ehemalige Referendare arbeiten jetzt bei Bildungsträgern und in der Personalentwicklung bei größeren Unternehmen. Auch in der Jugendarbeit bei Verbänden und Vereinen sind Lehrkräfte tätig. Im kaufmännischen Bereich  konnten Pädagogen vor allem im Projektmanagement und im Marketing Fuß fassen, nachdem sie zuvor Qualifizierungsmaßnahmen besucht hatten.