31. Juli 2012

Falsche Prognosen als Erfolgsmeldung und als Basis unzureichender Lehrerstundenzuweisung an Mittelschulen

Stellungnahme am 31.7.2012

Mit der Pressemitteilung des StMuK Nr. 193 wird die Tatsache, dass die Mittelschule 2012/13 voraussichtlich 209.000 Schülerinnen und Schüler besuchen und nicht 195.400 wie 2011 prognostiziert, als großer Erfolg des Mittelschulkonzepts gefeiert. Betrachtet man jedoch die Schülerprognosen der letzten Jahre ist festzustellen, dass sie für das gleiche Zieljahr jedes Jahr ums Neue reduziert wurden. Dies ging so bis sie seit 2010 deutlich unter den tatsächlichen Bestandszahlen liegen und Meldungen dieser Art möglich werden.

Faktisch jedoch sinkt die Zahl der Mittelschüler Jahr für Jahr von 220.000 im Schuljahr 2010/11 auf 214.000 im Schuljahr 2011/12 und für das kommende Schuljahr auf voraussichtlich 209.000. Dieser Rückgang ist nicht alleine demografisch bedingt, sondern auch durch steigende Übertrittsquoten in Realschulen und Gymnasien verursacht. Über diese tatsächlichen Gründe sinkender Schülerzahlen an den Mittelschulen schweigt sich die Pressemitteilung leider aus. Es ist eine Sache der Redlichkeit und Aufrichtigkeit in der Öffentlichkeit mit unzureichendem Zahlenmaterial einen politisch vorteilhaften, aber faktisch falschen Eindruck zu erwecken. Eine andere und gravierendere Sache ist es, auf der Basis der falschen Prognose eine völlig unzureichende Lehrerstundenzuweisung und Klassen- und Gruppenplanung vorzunehmen.

Im April teilte Ihr Ministerium mit, dass die Mittelschulen pro Schüler eine Zuweisung von 1,81 Lehrerstunden bekommen würden. Durch die vermeintliche Zunahme der Mittelschüler stehen jetzt nur mehr 1,71 Lehrerstunden zur Verfügung, was zum einen eine völlig neue Klassen- und Gruppenplanung erforderlich macht. Schulleiterinnen und Schulleiterin wurden aufgefordert, sich für Besprechungen an den Schulämtern und Regierungen in der 2. Ferienwoche bereit zu halten und auch die Erreichbarkeit der Lehrkräfte muss gesichert sein. Sicher können auch Sie, Herr Staatsminister, nachvollziehen, dass solche Einschränkungen aufgrund falscher Planungen des Ministeriums an den Schulen größten Unmut erregen und nicht geeignet sind, das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkräften und Schulverwaltung zu festigen.

Zum anderen und dies ist die schlimmste Folge der falschen Prognosen, führt die Reduzierung der Lehrerstundenzuweisung an den Schulen zu einer Verschlechterung des Unterrichtsangebots und zu ganz empfindlichen Einbußen der Unterrichtsqualität. Schulen müssen Klassen und Gruppen vergrößern, Wahl- und Förderangebote streichen, teilweise steht sogar in Frage, ob alle Pflichtunterrichtsstunden gegeben werden können. Dies führt zu unhaltbaren Missständen an den Mittelschulen, die gleichzeitig als Erfolgsmodell verkauft werden sollen. Diese Differenz von Sein und (versuchtem) Schein an den Mittelschulen ist unredlich und stößt an den Schulen auf massives Unverständnis.

Der BLLV fordert:

Die Zuweisung der ursprünglich vorgesehenen 1,81 Lehrerstunden pro Schüler für das Schuljahr 2012/13 als Mindestversorgung der Mittelschulen und weist daraufhin, dass er seit langem eine auf die regionalen und lokalen Verhältnisse abgestimmte Budgetierung der Lehrerstundenzuweisungen fordert.

Die an den Mittelschulen jetzt erforderlichen zusätzlichen Lehrerstellen dürfen auf keinen Fall aus der Mobilen Reserve oder sonstigen Stundenpools der Mittelschulen genommen werden, sondern müssen aus dem regulären Haushalt bzw. dem Nachtragshaushalt kommen. Es ist auch keine Lösung diese fehlenden Lehrerstunden anderen Schularten (z. B. der Grundschule) wegzunehmen.

Um derartige Fehlplanungen zukünftig zu vermeiden sind die Schülerprognosen künftig wieder so zu erstellen, dass sie die tatsächlichen Verhältnisse möglichst präzise abbilden und nicht in erster Linie nach Gesichtspunkten zur Stützung einer bestimmten Schulpolitik gestaltet sind.

Selbstverschuldete Fehlplanungen und Missmanagement dieser Art sind sofort abzustellen. Sie gehen zu Lasten der Schulleitungen, der Lehrkräfte und letztlich auch der Schülerinnen und Schüler. Dieses unprofessionelle Vorgehen führt dazu, dass in den Ferien Gruppen und teilweise auch Klassen neu geplant werden müssen, Lehrkräfte nicht wissen, an welcher Schule sie im September eingesetzt werden, Eltern nicht sicher sein können, welche Lehrkräfte ihr Kind im nächsten Schuljahr unterrichten werden und Schulleitungen ihre eigene Ferienplanungen kurzfristig ändern müssen, was häufig auch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Es geht nicht an, dass kurz vor den Sommerferien den Planungen an den Schulen für das nächste Schuljahr der Boden entzogen und komplette Neuplanungen erforderlich werden. Der BLLV erwartet, dass im kommenden Schuljahr bereits zum Halbjahr verlässliche Planungsgrundlagen vorliegen. Er wird dies zukünftig mit Nachdruck kontrollieren und einfordern.


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni