21. März 2011

BLLV fordert Weiterentwicklung der Mittelschule mit Bedacht

Schreiben des BLLV an Kultusminister Spaenle vom 21.3.2011

Die Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule bringt eine Vielzahl von Neuerungen mit sich, mit denen die betroffenen Schulen unvorbereitet konfrontiert werden und deren Umsetzung offensichtlich sofort erfolgen muss. Der BLLV nimmt zu den beiden wichtigsten Veränderungen wie folgt Stellung:

Die Projektprüfung

Der BLLV begrüßt Projektprüfungen als integrierte Weiterentwicklung der bisherigen praktischen, berufsorientierenden Prüfungen und der eher theoretischen AWT-Prüfung. Diese neue projektorientierte Prüfungsform stellt die Kompetenzen der Schüler/innen in den Mittelpunkt und weist damit den Weg zu einem veränderten Lern- und Leistungsverständnis, das der BLLV seit langem fordert. Damit die Schüler der Haupt- und Mittelschulen durch diese neue Prüfungsform nicht überfordert sind, müssen verstärkt projekt-orientierte Unterrichtsmethoden praktiziert und überprüft werden. Schulen müssen in die Lage versetzt werden, ihre Schüler/innen besser auf diese Prüfungsform vorzubereiten. Die mit hohem Anspruch abgeprüften Kompetenzen können nicht kurzfristig erwartet werden, sondern müssen im Unterricht langfristig angebahnt und erworben werden. Dies bedeutet Konsequenzen sowohl für die Unterrichtsinhalte als auch für die Unterrichtsmethoden. So müsste z.B. bereits ab der 5. Jahrgangsstufe ein schulhausinternes und für alle Jahrgangsstufen gültiges, kollegial vereinbartes Methodencurriculum erarbeitet und gelebt werden. Viele Lehrkräfte spüren, dass die Anforderungen der Projektprüfung bis jetzt nicht ausreichend gelehrt und geprüft wurden. Dies darf nicht zu einem Nachteil für die Schüler werden, die bereits nach lediglich einem Probelauf diese Kompetenzen prüfungsrelevant ablegen müssen.

Vor einer flächendeckenden Einführung einer solch tiefgreifenden Neuerung müssen deutlich mehr Lehrkräfte und Fachlehrkräfte eingesetzt werden, damit die Projektprüfungen erfolgreich vorbereitet und durchgeführt werden können und die damit verbundenen Hoffnungen erfüllt werden.

Die Schulen bemühen sich mit großer Kreativität und mit weit über ihre Pflichten hinausgehendem Arbeitsaufwand, diese neuen Prüfungsmodalitäten möglichst professionell und fair umzusetzen. Vorbereitung und Durchführung dieser Prüfungen erfordern jedoch einen hohen organisatorischen Aufwand von den Schulen. So sind etwa folgende Probleme mit der Projektprüfung verbunden:

  • eine Vielzahl von Teambesprechungen vor, während und nach der Projektwoche,
  • die stete Belegung von Fachräumen für die Projektprüfungszeit,
  • unterschiedliche Aufenthaltsorte der Schüler/innen während der Projektumsetzung,
  • die notwendige Anwesenheit von Fach- und Hauptschullehrkräften, die gleichzeitig Unterrichtsverpflichtungen an der Haupt- und Grundschule haben,
  • die Erkrankung von Schülern oder Lehrkräften bzw. den Umgang damit,
  • die Vorbereitung externer Prüflinge bzw. von Quereinsteigern oder der Schüler von Praxisklassen,
  • die Beaufsichtigung bzw. der Unterricht von Schüler/innen an Ganztagsschulen am Nachmittag Projekttage.

Um der wirklichen Leistungsfähigkeit der Schüler gerecht zu werden und um die organisatorischen Rahmenbedingen zu schaffen sowie Bewertungserfahrungen zu sammeln, brauchen Schüler und Lehrkräfte für die Projektprüfung eine längere Einarbeitungs- und Entwicklungszeit. Die Einführung zum folgenden Schuljahr ist überhastet und genügt nicht den professionellen pädagogischen Maßstäben, die für ein modernes Veränderungsmanagement gelten sollten.

Der BLLV fordert daher, die verbindliche Einführung der Projektprüfung auf einen längeren Zeitraum zu strecken und den Schulen ausreichende Ressourcen für deren Durchführung zur Verfügung zu stellen.

Vertiefte Berufsorientierung

Das bisherige Modell der vertieften Berufsorientierung, das den Schulen erlaubte, regional angepasste Angebote zu konzipieren und durchzuführen, wird durch die neuen Ausschreibungsbedingungen vereinheitlicht und bürokratisch verkompliziert. Die Angebote werden dadurch nicht nur anonymer, sondern auch in der Regel erheblich teurer und somit tendenziell ineffizienter. Der BLLV sieht in der Neureglung der vertieften Berufsorientierung einen weiteren Schritt hin zur Kommerzialisierung von Schule und Bildung. Er fordert das Kultusministerium mit Nachdruck auf, zu ermöglichen, dass alte und bewährte Modelle weitergeführt werden können. Eine wieder neue Ausschreibung heißt auch eine wieder neue Konzeption der Berufsorientierung im Schulprogramm. Bewährtes muss sich bewähren können und trägt auch zur Effektivität bei der beruflichen Orientierung der Schüler bei. Bewährte Konzepte machen das Schulprofil der Schule aus und sind so auch „Aushängeschild“ der Haupt- bzw. Mittelschule vor Ort. Das darf nicht aufgegeben werden!

Der BLLV fordert das Kultusministerium mit Nachdruck auf, zu ermöglichen, dass alte und bewährte Modelle weitergeführt werden können.

Zusammenfassung

Die Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule ist an Rasanz kaum zu übertreffen. Die Neuerungen werden schnell und ohne Rücksicht auf den Vertrauensschutz eingeführt und sind für Lehrkräfte und Schulleitung mit erheblichem Mehraufwand verbunden, ohne dass immer ein entsprechender Mehrwert zu erwarten wäre. Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern der Mittelschulen werden dadurch weiter verunsichert, was die Attraktivität und das Ansehen dieser Schulart weiter schmälert. Der BLLV fordert die zuständigen Stellen daher auf, die Weiterentwicklung der Mittelschule mit erheblich mehr Bedacht und die für die erfolgreiche Umsetzung notwendigen Rahmenbedingungen voran zu treiben. 

Für eventuelle Rückfragen oder ergänzende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.


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