Wie können sich Gemeinden gegen das Schulsterben wehren
Unmut über Kooperationsschulen und Schulsterben
Ein vom BLLV in Auftrag gegebenes Gutachten des Instituts für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund kommt zu dem Ergebnis, dass das Kooperationsmodell Realschule / Hauptschule des Kultusministeriums das Schulsterben in Bayern beschleunigt, weil es nur für ganz wenige Standorte Lösungen anbietet. Über 90 % der Hauptschulstandorte werden gar nicht von diesem Modell tangiert, weil es nur mindestens vierzügige Kodellschulen zulässt.
Der Unmut der Gemeinden über das Schulsterben auf dem flachen Land nimmt zu. Viele Bürgermeister wollen nicht mehr zuschauen, wie ihre Hauptschulen schließen müssen. Was können Sie tun.
1. Entscheiden Sie im Gemeinderat, ob Sie sich aktiv für den Erhalt Ihrer wohnortnahen Schule einsetzen wollen oder ob Sie die drohende Schließung in den nächsten Jahren hinnehmen. Bereits 21 Bürgermeister und Gemeinden in ganz Bayern haben sich entschlossen, für Ihre Schulen zu kämpfen.
2. Wenn Sie sich für den Erhalt Ihrer Schule einsetzen wollen, unterstützen Sie den Offenen Brief der 21 Gemeinden. Schicken Sie ihn umgehend an den Ministerpräsidenten Horst Seehofer und in Kopie an Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie sich der Aktion der 21 Bürgermeister anschließen, damit wir ein Netzwerk aufbauen und Ihren Eisatz unterstützen
können.
3. Lassen Sie den Offenen Brief von Ihren Gemeinderatsmitgliedern,von den Eltern und Lehrerinnen und Lehrern der Grund- und Hauptschule unterschreiben. Es ist wichtig, dass der Einsatz für die wohnortnahen Schulen von Eltern, Lehrern und Gemeinderat mitgetragen wird.
4. Wenn Sie eine konkrete Situationsanalyse für Ihre Gemeinde wünschen, wetzen Sie sich mit dem BLLV in Verbindung. Wir haben zusammen mit der TU Dortmund eine Software entwickelt, mit der wir sehr genau auf der Grundlage der Geburtenzahlen in Ihrer Gemeinde die Entwicklung der Schulerzahlen in den nächsten zehn Jahren berechnen können. Der Zeitpunkt der Schließung Ihrer Schule kann damit objektiv berechnet werden. Kontakt wissenschaft (at) bllv.de
Offener Brief zur Schulentwicklung auf dem Land
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Staatsminister,
unsere Verwaltungsgemeinschaft bzw. Gemeinde hat sich in den vergangenen Monaten mit unterschiedlichen Konzepten an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gewendet, um einen Schulversuch für die regional angemessene Weiterentwicklung unseres Schulstandorts durchführen zu dürfen. Hintergrund dafür sind rückläufige Schülerzahlen und steigende Übertritte in Realschulen und Gymnasien.
Keiner dieser Anträge wurde bislang genehmigt, zahlreiche abgelehnt oder mit dem Verweis auf einen geplanten Modellversuch der Staatsregierung zurückgestellt. Der durch die KMBek vom 13.3.2009 veröffentlichte Modellversuch einer Kooperation von Haupt- und Realschulen ist jedoch nicht in der Lage, unseren spezifischen Bedürfnissen vor Ort gerecht zu werden. Die dabei vorgesehen Kooperationen stellen für unsere Gemeinden keine Lösung dar, weil sie auf der strikten Trennung der Schularten basieren und die räumliche Nähe von mindestens zweizügigen Haupt- und Realschulen voraussetzen.
Auch Schulverbünde, wie sie das Kultusministerium im Rahmen der Hauptschulinitiative vorschlägt, sind im ländlichen Raum keine Lösung. Kleine Hauptschulen sollen dabei ihr Fächerangebot auf verschiedene Standorte aufteilen. Die Schüler müssen von den verschiedenen Schulstandorten zum jeweiligen Angebot transportiert werden. Sie haben dann keinen festen Schulstandort mehr, ein Teil von ihnen ist immer unterwegs, viele müssen längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Insbesondere aber kann dem Wunsch von immer mehr Eltern nach einem wohnortnahen Realschulabschluss für ihr Kind nicht entsprochen werden. Steigende Übertritte in die Realschulen und das Auspendeln dieser Schüler können nicht gestoppt werden. Es muss folglich ein Realschulabschluss am Wohnort angeboten werden, nur so lässt sich der Schulbestand vor Ort sichern.
Wir werden nicht akzeptieren, dass das Kultusministerium bislang alle schulartübergreifenden Anträge abgelehnt hat - obwohl unsere Gemeinden die jeweiligen Anträge einstimmig und nach langen und sorgfältigen Diskussionen beschlossen haben. Wir - Bürgermeister, Gemeinderatsmitglieder, Eltern, Schulleiter und Lehrer - sehen uns um die Möglichkeit gebracht, pragmatisch Schulstandorte zu erhalten und qualitativ hochwertige pädagogische Schulabschlüsse vor Ort anbieten zu können - nur weil das Kultusministerium bestimmt, dass die Eigenständigkeit der Schularten nicht angetastet werden darf. Wir sind enttäuscht und fordern die Staatsregierung auf, auch Anträge zu genehmigen, die über die engen Kriterien des Modellversuchs Kooperationsschulen hinausgehen.
leibt das Ministerium bei den engen Vorgaben für die Kooperationsschulen, hat dies für unsere Gemeinden weitere Schulschließungen zur Folge. Dadurch werden teuer sanierte Gebäude leer stehen und Familien fern bleiben, weil sie Wohnorte bevorzugen, die ein attraktives Schulangebot vorhalten. Die Kinder unserer Gemeinde müssen lange Schulwege in Kauf nehmen. Sie müssen häufig extrem früh aufstehen - für viele Kinder eine große Belastung. Viele orientieren sich schließlich mehr am neuen Schulstandort und weniger am Wohnort. Dies bedeutet einen herben Verlust für die heimische Wirtschaft, für das örtliche Vereins- und Kulturleben. Insgesamt verlieren unsere Gemeinden Attraktivität als Standort. Das bedeutet keine Stärkung des ländlichen Raums, sondern eine Schwächung. Wir werden einer systematischen Entschulung des ländlichen Raums nicht tatenlos zusehen. Wir werden uns mit einer lapidaren Absage aus München nicht abfinden.
Deshalb appellieren wir an Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident und Herr Staatsminister, die vorgelegten Anträge auf Regionale Schulentwicklung (RSE) zu genehmigen und auch Modelle zuzulassen, die die Anbindung eines Realschulzweiges an Hauptschulen vorsehen. Das Kultusministerium muss uns eine Chance auf schulische Entwicklung geben!
-
Liste der Unterzeichner
(69 KB)
-
Offener Brief der Bürgermeister
(13.1 KB)


