BLLV-Positionen zur Hauptschule


Aktuelles:

18. Dezember 2017

Arme Kinder haben ein Recht auf beste Bildung

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sieht Handlungsbedarf: „Kinder aus einkommensschwachen Familien...

Wer einmal arm ist, bleibt es in der Regel auch. Leider gilt dies auch für das reiche Bundesland Bayern. Und auch hier steigt - wie überall in Deutschland - das Risiko, arm zu werden. Für die...

01. Dezember 2017

Inklusion: Lehrkräfte brauchen mehr Unterstützung

Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung kritisiert BLLV-Präsidentin die mangelnde...

Der Handlungsbedarf beim Thema Inklusion ist an den Schulen unverändert groß. Auch acht Jahre nach der Ratifizierung der UN-Konvention durch die Bayerische Staatsregierung äußern sich noch immer...

23. November 2017

Islamunterricht darf kein Nischenfach bleiben

BLLV-Präsidentin Fleischmann, Prof. Dr. Badawia und Dr. Haußmann von der...

Nürnberg – Alle jungen Menschen haben Anspruch auf eine umfängliche und qualitativ hochwertige Bildung. Dazu gehört auch religiöse Bildung. Islamischer Unterricht muss daher an allen Schularten...

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weitere politische Initiativen des BLLV zur Hauptschule



Die Forderungen des BLLV zur Hauptschule

Forderungen des BLLV an die Politik zur Verbesserung der Arbeits- und Lernbedingungen in der Hauptschule:

  • Kleinere Klassen (max. 20 Schüler),
  • zusätzliche Fördermaßnahmen,
  • Reduzierung des Verwaltungsaufwandes,
  • Ausbau der Ganztagesangebote,
  • mehr Leitungszeit für die Schulleitungen,
  • Einstellung von mehr Sozialpädagogen,
  • Modellversuche einer integrierten Schule für die Jahrgangsstufen 5 mit 10,
  • mehr Mittel für Brennpunktschulen.

 

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S.O.S. Hauptschule - Hilferuf einer untergehenden Schulart

 

Die Lage der Hauptschule ist bedrückend

Die Lage der Hauptschule ist bedrückend für Schülerinnen und Schüler wie für Lehrerinnen und Lehrer. Hauptschüler/innen kommen aus Familien mit sehr unterschiedlichem sozialen und kulturellen Hintergrund. Schüler/innen aus Familien von Migranten besuchen besonders häufig die Hauptschulen. Lerninteressen und Leistungsfähigkeit von Hauptschüler/innen unterscheiden sich stark. Oft sind ihre Bildungsbiografien von Misserfolgserlebnissen gekennzeichnet.

Die Qualifikationsanforderungen in der Berufsausbildung steigen. Hauptschüler unterliegen einem verschärften Verdrängungswettbewerb um Ausbildungsplätze. Viele finden keinen Ausbildungsplatz. Sie sind ohne Perspektive.

Immer mehr Hauptschulen stehen vor der Schließung. Seit 1992 wurden 184 Teilhauptschulen geschlossen. In den kommenden Jahren sollen nach Beschluss des Landtags alle 472 noch bestehenden Teilhauptschulen aufgelöst werden. Dadurch will man 500 Lehrerplanstellen einsparen. Mit der Schließung von Schulen zeichnen sich erhebliche pädagogische Probleme ab. Die Schüler verlieren die soziale Einbindung in ihren Heimatort. Große Schuleinheiten führen zur Anonymität und zu vermehrten Disziplinproblemen. Ausbildungsplätze sind für Hauptschüler noch schwerer finden.

Auch der absehbare Lehrermangel stellt die Hauptschule vor große Probleme. Die Zahl der Studenten für das Lehramt an Hauptschulen ist gesunken. Bereits in den nächsten Jahren können Lehrerstellen, die durch Pensionierung frei werden, nicht mehr in vollem Umfang von Junglehrer/innen besetzt werden.

 

 

Die Schulpolitik handelt nicht

Die bayerische Staatsregierung spricht seit Jahrzehnten von der "Aufwertung der Hauptschule". Eine wirkliche Verbesserung ihrer Akzeptanz ist bis heute nicht gelungen. Die Schulpolitik hat es versäumt, für die Hauptschule ein exklusives Bildungsprofil zu entwickeln. Ebenso wenig wurden und werden für Hauptschüler/innen die notwendigen Fördermöglichkeiten bereitgestellt. Die Hauptschule erfüllt nur dann einen eigenständigen Bildungs- und Erziehungsauftrag, wenn sie Jugendliche zu befähigen kann, am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Andernfalls stellt sie sich selbst in Frage.

Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen müssen einer Schülerschaft gerecht werden, die sehr unterschiedlichen Zugang zum Lernen findet. Ein großer Teil der Schüler/innen braucht besondere individuelle Förderung und Zuwendung. Bislang versagt die Schulpolitik den Lehrer/innen an Hauptschulen die notwendige Unterstützung. Die spezifischen pädagogischen Belastungen und fachlich-didaktischen Anforderungen werden weder in der Politik noch in der Gesellschaft anerkannt. Viele Hauptschullehrer/innen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und in ihrem Idealismus ausgebeutet.

 

 

Was muss getan werden?

Der BLLV ist in großer Sorge um unsere Hauptschülerinnen und Hauptschüler und ihre Lehrer. Der BLLV fordert wohnortnahe Hauptschulen, bessere Bildungs-, Ausbildungs- und Berufschancen sowie spürbare Unterstützung und Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen. Der BLLV fordert, dass Hauptschüler in unserer Gesellschaft beruflich und sozial integriert werden.

Deshalb braucht die Hauptschule

  • Kleinere Klassen und mehr Fördermaßnahmen für lernschwache Schüler
  • Ausbau der Ganztagsschulen und Ganztagsangebote
  • berufsbezogenes Lernen mit handlungs- und projektorientierten Formen
  • mehr Sprachlernklassen und Erhalt des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts
  • mehr sportliche und musisch-darstellende Aktivitäten
  • zusätzliche finanzielle und personelle Mittel für Brennpunktschulen
  • mehr sonderpädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte
  • ausreichend Fach- und Förderlehrer/innen für individuelle Stützmaßnahmen

Wer das dreigliedrige Schulsystem in Bayern erhalten will, muss die Verantwortung für alle Schulstufen und Schularten in gleicher Weise übernehmen. Die Hauptschule darf nicht wie ein ungeliebtes Stiefkind behandelt werden. Auch Hauptschüler/innen haben ein Recht auf bestmögliche Förderung und Bildungschancen. Auch Lehrer/innen an Hauptschulen haben einen Anspruch auf überzeugende Unterstützung und Anerkennung ihrer pädagogischen Arbeit, die sie unter erschwerten Bedingungen leisten.

 

Dieser Aufruf wurde vom BLLV im Juni 2005 in Form einer landesweiten Kampagne bekannt gemacht.

 

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S.O.S. Hauptschule - Schreiben an Kultusminister Siegfried Schneider

Namens der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK), der Handwerkskammer für München und Oberbayer (HWK) sowie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) wenden wir uns in großer Sorge um die Zukunft der Hauptschule und ihrer Absolventinnen und Absolventen an Sie. Es liegt uns fern, die Hauptschule "schlecht zu reden". Allerdings haben sich an dieser Schulart eine Reihe von Problemen kumuliert, die dringend politische Reaktionen erfordern.

Einige Beispiele in Stichworten:

  • Die Schülerzahlen an den Hauptschulen brechen aufgrund der demografischen Entwicklung sowie durch den Sog an Realschulen und Gymnasien ein.
  • Die Hauptschule leidet unter einer nachhaltigen Imagekrise und wird von Eltern bzw. Schülern nicht aktiv als Wunschschule gewählt.
  • Zunehmend haben Hauptschulabsolventinnen und -absolventen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt weniger Chancen, da bisherige Berufsfelder zunehmend höhere Qualifikationen voraussetzen.
  • Jeder 10. Hauptschüler verlässt die Hauptschule ohne Schulabschluss. Der Anteil der ausländischen Kinder ist überproportional hoch.
  • Die Disziplinprobleme an einigen Hauptschulen eskalieren.
  • Die Hauptschule leidet unter einer hohen Schülerfluktuation.
  • Der Nachwuchs an Hauptschullehrern ist aufgrund der äußerst belastenden Arbeitssituation nicht mehr gesichert.

Diese Situation kann nicht länger ignoriert werden. Auch die Schließung der Teilhauptschulen im Rahmen einer so genannten Reorganisation der Hauptschulstruktur wird nicht zu einer Lösung führen. Die Zukunft der Hauptschule und ihrer Schülerinnen und Schüler ist ein gesamtgesellschaftliches, ökonomisches und politisches Problem. Was wir brauchen ist eine ehrliche Analyse und nachhaltige Lösungsansätze. Nur so kann eine Eskalation der Probleme dauerhaft verhindert werden.

Wir bitten Sie zu einem gemeinsamen Gespräch über die Zukunft der Schulart Hauptschule. Im Mittelpunkt müssen dabei aus unserer Sicht mögliche Lösungen stehen. Exemplarisch möchten wir bereits jetzt an dieser Stelle folgende Aspekte nennen:

  • Freiwerdende Lehrerplanstellen aus der Schließung von Teilhauptschulen bzw. aufgrund des demografischen Rückgangs müssen für (individuelle) Förderangebote an der Hauptschule eingesetzt werden und dürfen nicht gestrichen werden.
  • Ein wohnortnahes Netz muss soweit als möglich erhalten bleiben.
  • Über Kooperationsformen der Hauptschule mit anderen Schularten muss nachgedacht werden.
  • Erfahrungen aus den Praxis-Klassen sollten auf ihre Übertragbarkeit für die übrigen Hauptschülerinnen und -schüler geprüft werden.
  • Die Kooperation zwischen Hauptschule einerseits und Berufsschule bzw. Ausbildungsbetrieben andererseits muss ausgebaut werden.

Sehr geehrter Herr Staatsminister, die Zukunft der Hauptschülerinnen und -schüler ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille ist die Klage von Ausbildungsbetrieben und Wirtschaft über nicht mehr ausreichende Qualifikationen von Hauptschulabsolventen. Die Fürsorgepflicht für einen nicht unerheblichen Teil unserer Jugend geht somit Hand in Hand mit einer verantwortungsvollen Wirtschaftspolitik.

Wir würden uns freuen, von Ihnen Vorschläge für einen baldigen Gesprächstermin zu erhalten. Die Zeit drängt!

 

Aus einem Schreiben von Dr. Reinhard Dörfler, IHK Hauptgeschäftsführer, Bernd Lenze, HWK Hauptgeschäftsführer, sowie Dr. h. c. Albin Dannhäuser, BLLV-Präsident, an den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Siegfried Schneider vom 15.07.2005

 

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S.O.S. Hauptschule - Eingabe an den Bayerischen Landtag

Bessere Chancen für Schüler – Mehr Unterstützung für Lehrer

 

vom 11. November 2005

 

Bestandsaufnahme

 

Heterogene Schülerpopulationen

Die Lage der Hauptschule hat sich in den letzten Jahren sichtbar zugespitzt. Hauptschüler/innen kommen aus Familien mit sehr unterschiedlichem sozialen und kulturellen Hintergrund. Besonders häufig besuchen Schüler/innen die Hauptschule, die aus Migrantenfamilien kommen.
Lerninteressen und Leistungsfähigkeit von Hauptschüler/innen unterscheiden sich stark. Hierbei kommen insbesondere regionale Unterschiede zum Tragen. Oft sind die Bildungsbiografien von Hauptschülern von Misserfolgen und Ausgrenzung gekennzeichnet.

 

Veränderter Ausbildungsmarkt

Die Qualifikationsanforderungen für eine Berufsausbildung steigen weiter. Hauptschüler unterliegen einem verschärften Verdrängungswettbewerb um Ausbildungsplätze. Viele finden keinen Ausbildungsplatz. Sie sind ohne Perspektive. Über 10 % der bayerischen Hauptschüler verlassen die Schule ohne Abschluss. Die berufsbildenden Maßnahmen für arbeitslose Hauptschulabgänger sind gut gemeint, führen allerdings in der Regel nicht zu dem erwünschten Erfolg. Sie zögern die Jugendarbeitslosigkeit um ein bis zwei Jahre hinaus und entlasten die Statistik. Sie geben den Betroffenen aber keine langfristige berufliche Perspektive.

 

Immer mehr Schulschließungen

Immer mehr Hauptschulen stehen vor der Schließung. Seit 1992 wurden 184 Teilhauptschulen geschlossen. In den kommenden Jahren sollen nach Beschluss des Landtags alle 472 noch bestehenden Teilhauptschulen aufgelöst werden. Dadurch will man 500 Lehrerplanstellen einsparen. Mit der Schließung von Schulen zeichnen sich erhebliche pädagogische Probleme ab. Die Schüler verlieren die soziale Einbindung in ihren Heimatort. Große Schuleinheiten führen zur Anonymität und zu vermehrten Disziplinproblemen.

 

Lehrermangel ist absehbar

Auch der absehbare Lehrermangel stellt die Hauptschule vor enorme Probleme. Die Zahl der Studenten für das Lehramt an Hauptschulen ist gesunken. Bereits in den nächsten Jahren können Lehrerstellen, die durch Pensionierung frei werden, nicht mehr in vollem Umfang von Junglehrer/innen besetzt werden.

 

Schlechte Arbeitsbedingungen

Eine nachhaltige Verbesserung der Akzeptanz der Hauptschule ist bis heute nicht gelungen. Die Schulpolitik hat es versäumt, für die Hauptschule ein exklusives Bildungsprofil zu entwickeln. Ebenso wenig wurden und werden für Hauptschüler/innen die notwendigen Fördermöglichkeiten bereitgestellt. Die Hauptschule erfüllt nur dann einen eigenständigen Bildungs- und Erziehungsauftrag, wenn sie Jugendliche dazu befähigen kann, am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

 

Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft

Die Ergebnisse der neuesten PISA-Untersuchung waren für Bayern insgesamt ermutigend. Allerdings haben sie ein gravierendes Defizit aufgezeigt, nämlich die Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft der Schüler. Dieser Zusammenhang ist in Bayern bundesweit am höchsten. Dies trifft insbesondere für Migrantenkinder und Hauptschüler/innen in sozialen Brennpunkten zu.

 

Keine Mittel für individuelle Förderung

Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen müssen einer Schülerschaft gerecht werden, die sehr unterschiedlichen Zugang zum Lernen findet. Ein großer Teil der Schüler/innen braucht besondere individuelle Förderung und Zuwendung. Bislang versagt die Schulpolitik den Lehrer/innen an Hauptschulen die notwendige Unterstützung. Die spezifischen pädagogischen Belastungen und fachlich-didaktischen Anforderungen werden weder in der Politik noch in der Gesellschaft anerkannt. Viele Hauptschullehrer/innen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und in ihrem Idealismus ausgebeutet.

 

Handlungsansätze

Der BLLV ist in großer Sorge um Hauptschülerinnen und Hauptschüler und ihre Lehrer/innen – nicht erst seit den Gewaltauswüchsen in Frankreich. Der BLLV fordert wohnortnahe Hauptschulen, bessere Bildungs-, Ausbildungs- und Berufschancen sowie spürbare Unterstützung und Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen. Der BLLV fordert, dass Hauptschüler/innen in unserer Gesellschaft beruflich und sozial integriert werden. Um die Situation der Hauptschüler/innen zu verbessern, fordern wir für das Jahr 2006 eine

Bildungsoffensive Hauptschule.

Inhalte der Bildungsoffensive müssen sein:

  • kleinere Klassen und mehr Fördermaßnahmen für lernschwache Schüler, insbesondere der Ausbau der Praxisklassen
  • mehr Ganztagsschulen und anspruchsvolle ganztägige Betreuungsangebote
  • handlungs- und projektorientiertes Lernen an berufsbezogenen Inhalten
  • mehr Sprachlernklassen und Erhalt des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts
  • mehr sportliche und musisch-darstellende Aktivitäten
  • zusätzliche finanzielle und personelle Mittel für Schulen in sozialen Brennpunkten
  • mehr sonderpädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte
  • ausreichend Fachpersonal für individuelle Stützmaßnahmen

Der BLLV begrüßt ausdrücklich die von Staatsminister Siegfried Schneider angekündigte Aufwertung der beruflichen Bildung zu einem gleichwertigen Weg zur Hochschulreife. Allerdings darf darüber nicht die Mehrheit der Hauptschüler aus dem Blickfeld geraten, die über eine Berufsausbildung Arbeitsplätze suchen. Diese Hauptschüler/innen brauchen dringend verbesserte Bildungsmaßnahmen.

Abschließend stellen wir fest: Wer das dreigliedrige Schulsystem in Bayern erhalten will, muss die Verantwortung für alle Schulstufen und Schularten in gleicher Weise übernehmen. Die Hauptschule darf nicht wie ein ungeliebtes Stiefkind behandelt werden. Auch Hauptschüler/innen haben ein Recht auf bestmögliche Förderung und Bildungschancen. Auch Lehrer/innen an Hauptschulen haben einen Anspruch auf überzeugende Unterstützung und Anerkennung ihrer pädagogischen Arbeit, die sie unter erschwerten Bedingungen leisten.

 

Petition des BLLV vom 11. November 2005 an den Bayerischen Landtag

 

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S.O.S. Hauptschule - Brief an die bayerischen Bürgermeister

Schreiben des BLLV-Präsidenten an die bayerischen Bürgermeister vom 26. April 2006

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Bayern ist nicht Berlin. München ist nicht Paris. Dennoch: Die Krawalle und Demonstrationen in Frankreich und der verzweifelte Hilferuf der Lehrer der Rütli-Hauptschule in Berlin müssen alle bildungspolitisch Verantwortlichen sehr ernst nehmen. In der Hauptschulfrage gibt es kein Erkenntnisdefizit, es gibt ein Handlungsdefizit.

Wir müssen uns heute drei herbe Wahrheiten eingestehen:

  1. Die soziale Integration von Kindern aus sozial schwachem Milieu und aus Migrantenfamilien ist in vielen Fällen gescheitert.
  2. Die ablehnende Haltung vieler Eltern gegenüber der Hauptschule verschärft sich.
  3. Hauptschulen in sozialen Brennpunkten brauchen schnellstmöglich ein pädagogisches und bildungspolitisches Notprogramm.

Am 18. Oktober 2004 hatte ich mich an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags gewandt mit der Bitte, Lösungen für die sich zuspitzende Situation an vielen Hauptschulen zu finden. Im Juni 2005 haben wir als BLLV die Aktion S.O.S. Hauptschule gestartet, weil sich die Lage der Hauptschulabgänger auf dem Ausbildungsmarkt drastisch verschlechtert. Heute wenden wir uns an Sie als Kommunalpolitiker, da die Probleme der Hauptschule nach den Großstädten und Mittelstädten nun auch die Kleinstädte und ländlichen Regionen erreichen.

Der BLLV steht für die Hauptschule und vor allem für ihre Schüler und Lehrer. Wir dürfen Hauptschüler und ihre Lehrer nicht alleine lassen! Wir müssen sie wirksam unterstützen. Andernfalls ist unsere Gesellschaft auf dem direkten Weg, sozialen Sprengstoff zu schaffen, der uns alle in Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Institutionen massiv belasten wird. Deshalb mischen wir uns als BLLV ein.

Wir fordern:

  • Ein finanzielles Sofortprogramm für Hauptschulen in sozialen Problemvierteln.
  • Ein Notprogramm für alle Hauptschulen mit den Schwerpunkten des BLLV-Konzepts S.O.S. Hauptschule.
  • Einen Schulterschluss der Politik, der Wirtschaft, der Kommunen und anderer gesellschaftlicher Institutionen.

Ziel muss es sein, ein Konzept zur Lösung der strukturellen Verwerfungen unseres Bildungssystems zu entwickeln und sicherzustellen, dass unsere Schulen den sich verschärfenden sozialen und regionalen Unterschieden gerecht werden können.

In der beigelegten Broschüre Hauptschule heute: Die Stimmung - Die Fakten (PDF-Format, 2000 KBYte !) können Sie die großen regionalen Unterschiede von Hauptschulen in Bayern, dem Flyer S.O.S. HAUPTSCHULE können Sie die Forderungen des BLLV entnehmen.

Der BLLV ist in großer Sorge. Wenn Sie diese Sorge teilen und sich an einer konstruktiven Lösung für unsere Schüler, unsere Lehrer und unsere Gemeinden beteiligen wollen, unterstützen Sie den BLLV. Wir brauchen eine ideologiefreie, sachliche und ehrliche Diskussion - keine Schuldzuweisungen. Die Zeit des Gesprächs und des gemeinsamen Handelns ist gekommen. Wir brauchen vor allem Sie, die Bürgermeister und Kommunalpolitiker. Wenn Sie unsere Initiative unterstützen, senden Sie uns bitte beiliegende Erklärung zurück. Danke.

 

 

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten Dr. h.c. Albin Dannhäuser an alle Bayerischen Bürgermeister vom 26.04.2006

 

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