Gregs Tagebücher - spannender als Computerspiele
Wie man Buben fürs Lesen begeistert, zeigt die Grundschule Künzing-Gergweis
Mädchen lesen, Jungs eher nicht. Um das zu ändern, schickt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) die Wanderausstellung „Lesen macht Freude“ durch die Schulen. In dieser Woche wurden vier Kisten mit Büchern speziell für Buben in den Grundschulen Künzing und Gergweis ausgepackt.
Im extra eingerichteten Lese- und Schmökerraum können die Kinder das Angebot nutzen. „Wir kommen etwa drei bis viermal pro Klasse zum Lesen herunter“, berichtet Kerstin Fischerländer, die Klasslehrerin der vierten Klasse. Natur- und Umwelt-Sachbücher, Fantasy und die spannenden Comicromane der Serie „Gregs Tagebuch“ treffen den Geschmack ihrer Schüler am besten, hat Kerstin Fischerländer bemerkt. Auch wenn sich dasLese-Angebot speziell an die Buben richtet, finden die Mädchen genügend Lesestoff, der sie interessiert.
Sobald sich die Buben und Mädchen ein Buch ausgesucht und es sich auf der Couch oder der großen bunten Matratze gemütlich gemacht haben, wird es still im Leseraum. Konzentriert vertiefen sich die Kinder in ihre Bücher und vergessen alles um sich herum. Das ist auch für Lehrerin Kerstin Fischerländer nicht selbstverständlich, die ihre Schüler oft ganz anders erlebt. Viertklässler Simon Hermannseder (10) aus Forsthart hat sich ein Buch aus der Reihe „Gregs Tagebuch“ geholt. Daheim habe er schon öfters die Bücherei im Pfarrheim Forsthart besucht, erzählt er, und dass er gerne liest. Neben Gregs-Tagebuch-Bänden mag er vor allem Technikbücher.
Ein richtiger Vielleser ist Julian Eckl. „Ich hab’ mitHarry Potter angefangen“, erzählt er. Bis zu 400 Seiten Lesestoff verschlingt er pro Tag und da kann ihn auch das Computerspielen nicht reizen. „Wenn mein Bruder Nintendo spielt, lese ich“, erzählt er. Die Harry-Potter-Bücher hat Julian inzwischen durch und verleiht sie seinem Klassenkameraden Michael Gröll. Die Liebe zum Lesen ist Julian geblieben. Aktuell liest er die „Warrior Cats“, eine Fantasy-Reihe, in der es um vier Clans von Katzen mit besonderen Fähigkeiten geht. Auch Michael Gröll zieht das Lesen dem Computerspielen oder Fernsehen vor und liest gerade die Harry-Potter-Bücher.
Leseratten wie Michael oder Julian brauchen zwar keine Ermutigung mehr, Klasslehrerin Kerstin Fischerländer hofft jedoch, dass durch das Projekt der ein oder andere lesefaule Schüler den Spaß am Lesen entdeckt. Eine „Lese-Oase“ mit bequemer Couch und Büchern gibt es zwar an der Schule, aber genützt wird sie im Schulalltag zumeist nur von den Ganztagsschülern, da im Unterricht kaum Zeit dafür bleibt.
Erschienen am 28. März 2012 in der Passauer Neue Presse, Ausgabe Osterhofener Zeitung. Den Text stellte uns freundlicherweise die Passauer Neue Presse zur Verfügung.


