BILDUNGSPOLITIK

Hey, hou, Schabadabadu – ich will eine Deutschförderklasse und was willst du?

„Deutschförderklassen für Schülerinnen und Schüler mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen Die Schülerinnen und Schüler werden in den Kernfächern Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachunterricht differenziert (bis zu 14 Wochenstunden), in den übrigen Fächern mit den anderen Schülern ihrer Stammklasse gemeinsam unterrichtet. Schülerinnen und Schüler der Deutschförderklasse 1 und 2 erhalten eine maximal zwei Jahre dauernde besondere Förderung mit dem Ziel, ganz in ihre Stammklasse zu wechseln.“

Auszug aus der Homepage des Staatlichen Schulamtes München

Deutschförderklassen für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse in der 1. und 2. Jahrgangsstufe erfordern von allen Seiten höchste Disziplin und können dennoch in den höheren Klassen immer weniger zu dem gewünschten Ziel führen, da der Abstand im Sprachniveau zwischen erstem Sprachlernjahr und der Regelklasse immer größer wird.

MLLV, Waltraud Lučić  

 

Schulbesuch an der Grundschule Schrobenhausener Straße

Freitag, 21. Juli, 7:30 Uhr

Am Parkplatz der Schrobenhausener Schule gibt es noch ein paar freie Parkplätze. Der Hausmeister sperrt das Gartentor auf und der Schulleiter der Mittelschule, Uli Denndorfer begrüßt mich gastfreundlich. Für einen langen Austausch habe ich keine Zeit. „Ich werde bei euch ein andermal vorbeischauen. Ich will die Vorviertelstunde in der Deutschförderklasse miterleben.“ Ein langer Weg über den Sportplatz führt zu den blauen Containern. Hier sind alle 1. und 2. Klassen untergebracht. 2. Stock, Zimmer 202.

7:46 Uhr

Die Klassenzimmertür steht offen. Judith Schmidt sitzt mit zwei Kindern an einem Tisch. Sie spielen zusammen ein Memory. Judith Schmidt, Konrektorin der Grundschule an der Schrobenhausener Straße und Lehrerin der Deutschförderklasse, DFKL kommt mir freudestrahlend entgegen. Dann widmet sie sich wieder den Kindern. Sie planen das Abschlussfrühstück. „Magst du Käse?“ Jordanka strahlt über das Gesicht „Alles“.

7:55 Uhr

Dominik, Alex und Adrian kommen ins Zimmer. Sie wirken glücklich. Judith Schmid begrüßt jeden einzeln, findet für jeden ein freundliches Wort. Nasim geht grußlos an Judith vorbei. „Begrüßt du mich heute nicht?“ fragt die Lehrerin. Nasim lächelt verschmitzt und streckt ihr die Hand entgegen. Jedes Kind wählt selbständig eine Arbeit heraus, bedient sich an der Theke. Um 8:00 Uhr sind 10 Kinder in der Klasse. Uhif und Jenetta arbeiten mit einem Hörbilderbuch. Sie wählen eine Karte, formulieren das Geschehen und ordnen die Karte dem großen Bild zu. Mit dem Hörstift „TING“ überprüfen sie das Gesagte.

8:20 Uhr – 9:30 Uhr

Judith Schmidt setzt sich auf den Teppich, nimmt die Gitarre und singt:“Guten Morgen, Bonjour und Schalom “ die Kinder reihen sich in den Kreis ein. „Hey, hou, Schabaschabadu, ich komme aus dem Iran und woher kommst du?“ Reihum stellen sich die Kinder mit ihrem Land und ihrer Sprache vor. Rashbyr kam im November in die Klasse und spricht englisch, türkisch, bulgarisch, pakistanisch und lernt nun deutsch. Adrian kam letzte Woche und spricht kroatisch. Zum Schluss fordert die Lehrerin die Kinder auf, sich auf die Schulter zu klopfen: „Ich kann mehrere Sprachen.“

So arbeiten sich die Kinder singend, sprechend und lachend an die deutsche Sprache heran. Täglich kommen die Kinder aus der 1. – 4. Regelklasse in den ersten zwei Stunden in das Deutschförderklassenzimmer. „Ja, das ist eine feine Sache. Die Lerntheke, der Lernzirkel und weiteres Unterrichtsmaterial kann stehen bleiben.“

10:00 – 11:30 Uhr

In den folgenden zwei Stunden widmet sich Judith Schmidt einzelnen Gruppen. Einmal übt sie mit den Leseschwachen der Klassen, das andere mal steht die Mathematik im Mittelpunkt.  Die DFKL-Stunden finden immer statt. Die Schulleitung hat die Deutschförderklassen als einen ihrer Schwerpunkte gesetzt.

„Ankommen in einem fremden Land, in einer fremden Kultur ist, je älter die Kinder sind, desto schwieriger. Sie vermissen ihre Freunde und stehen unter Druck. Die Eltern haben alles aufgegeben und die Kinder sollen es nun schaffen.“

Damit sie es schaffen, muss als allererstes die Integration gelingen und ohne Deutsche Sprache kann diese nicht gelingen. Die Grundschule an der Schrobenhausener Straße gibt wie viele Münchner Grundschule eine hervorragende Grundlage und arbeitet am oberen Belastungslimit.

Je besser die Verwaltung und die Politik die Ausgangslage schaffen, desto besser wird dieses übergroße Engagement der Schulen, der außerschulischen Partner, teilweise der Eltern und der Kinder zum Ziel führen.

Waltraud Lučić  

 

 

Judith Schmidt, Konrektorin an der Grundschule Schrobenhausener Straße, ist mit Leib und Seele Deutschförderklassenlehrerin.
Schülerinnen und Schüler geben den Wetterbericht: „Soll ein Gewitter kommen? Was sagt der Wetterbericht?“ „Es ist schwarz. Es wird ein Gewitter kommen“
Schüler wählen eine Bildkarte, formulieren die Tätigkeit in der Grundform und setzen das Verb in die gewürfelte Form. Zeigt der Würfel „es“: „schwimmen – es schwimmt“
Singend legen die Kinder die Wortkarten auf „Uns gehören nicht die Steine, uns gehört nicht die Luft, uns gehören nicht die Farben, nicht die Blumen und nicht der Duft“

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