Karatedemonstration: Jugendliche in Timor-Leste lieben Kampfsportarten. Viele von ihnen haben sich sogenannten Martial-Arts-Gruppen angeschlossen. Manche der Martial-Arts-Gruppen verfolgen kriminelle Ziele. Zur Bildergalerie bitte anklicken.

Sportgruppen statt Straßengangs

Als Entwicklungshelfer in Timor-Leste

20 Jahre Bürgerkrieg mit rund 200 000 Toten, Gewalt und Vertreibung nach der Unabhängigkeitserklärung – Timor-Leste hat sich bis heute von der Besatzung durch das indonesische Militär nicht erholt. Der Erlanger Sportlehrer Friedhelm Elias half in dem jungen Staat, ein Sportsystem aufzubauen, das den Frieden stärken soll.

 

Von Friedhelm Elias*

 

Das Militär zog ab – und mit ihm die Lehrerschaft. Nachdem Indonesien vor zehn Jahren seine Besatzung aufgegeben hat, kam im unabhängigen Timor-Leste die Schulausbildung zum Erliegen. Nur einige katholische Missionsschulen hielten den Unterricht aufrecht. Noch heute gibt es im ganzen Land gerade mal drei ausgebildete Sportlehrer. Einer davon ist der nationale Sportdirektor, mit dem ich während meiner Zeit in Timor-Leste sehr eng zusammengearbeitet habe. Von einem regelmäßigen oder qualifizierten Schulsport ist das Land noch immer weit entfernt. Und doch: Gerade mit dem Schulsport sind große Hoffnungen verbunden.

 

Entsprechend groß ist das Engagement der Studenten. Im Februar 2012 haben wir mit der ersten Sportlehrerausbildung an der Universität in der Hauptstadt Dili begonnen, das Ausbildungskonzept habe ich federführend mitgestaltet. Der Enthusiasmus wird immer wieder gebremst durch die bescheidene Ausstattung der Sportstätten und Sportmaterialen. Die praktischen Stunden absolvieren die künftigen Sportlehrer bei bis zu 40 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit im nationalen Fußballstadion. Die Arena bietet keinen Schatten, während der Regenzeit ist sie häufig überflutet. Trotzdem gelingt es, den Ausbildungsbetrieb einigermaßen aufrecht zu erhalten.

 

„Provozier' mich, und ich zerschmettere dich!“

In diesem Land ist Sport enorm wichtig für den sozialen Frieden. So lernen in einem speziellen Programm Kinder und Jugendliche Tischtennis aber zugleich die Regeln des Fair Play. Timoresische Übungsleiter wurden in einem Kurzzeitlehrgang ausgebildet, an die Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wurden Tischtennisplatten, Schläger und Bälle ausgegeben. Unter anderem mit solch einfachen Mitteln hofft man, die in Timor-Leste weit verbreiteten Jugendbanden oder auch „Gangs“ im Zaum zu halten. Eine nennt sich „OBOR“, was ausgeschrieben so viel bedeutet wie: „Provozier mich und ich zerschmettere Dich“. Die Namen der Gruppen stammen oft von indonesischen Rockbands oder aus westlichen Filmen und klingen zumeist martialischer als es ihre Mitglieder sind. Ein OBOR-Anhänger zum Beispiel ist Mitglied der internationalen „Global Partnership for the Prevention of Armed Conflict“ (GPPAC), einer Gruppe also, deren Name Programm ist: sich durch weltweite Partnerschaften dafür einzusetzen, bewaffneten Konflikten vorzubeugen.

 

Manche dieser Gruppen engagieren sich in ihrer Nachbarschaft, indem sie zum Beispiel den Müll auf der Straße einsammeln oder Bedürftigen helfen. Einige Banden bestehen aus jungen Leuten, die lediglich rumhängen. Sie spielen Gitarre, trinken Alkohol und nennen sich nur aus Prestigegründen „Gang“. Wieder andere Banden sind eindeutig kriminell. Als private „Sicherheitsdienste“ erpressen sie „Schutzgeld“. Die Grenzen zwischen legal und illegal sind fließend, doch wenn die Gruppen kriminell werden, ist das Problem groß: ihnen haben sich hunderte Jugendliche angeschlossen.

 

*Der Autor arbeitete von 2009 bis 2011 als Berater für das Staatssekretariat für Jugend und Sport in Dili, der Hauptstadt von Timor-Leste (Osttimor). Bereits zwischen 2004 und 2007 war der gebürtige Schwabacher (Mittelfranken) als Entwicklungshelfer freigestellt und tätig in Ruanda und Botswana. Seit 2011 unterrichtet der 61-Jährige wieder Sport und Technik an der Hermann-Hedenus-Hauptschule Mittelschule in Erlangen.

 

Den vollständigen Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der BLLV-Verbandszeitschrift "Bayerische Schule", Nummer 5/2012.

 

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