Hauptschulinitiative des KM vor dem Scheitern?

Die kurzfristig aus dem Boden gestampften Maßnahmen des Ministeriums zur „Weiterentwicklung“ der Hauptschule sind nicht Ziel führend. Am gravierendsten stellt sich die Situation in ländlichen Regionen dar. Die Zusammenführung von einzelnen Hauptschulen zu Schulverbünden, um den Namen Mittelschule tragen zu können, sind organisatorisch und pädagogisch ein Unsinn. Sie sind größtenteils nicht oder nur unter größtem organisatorischem Aufwand umzusetzen. Sie führen zu massiver Verunsicherung bei Eltern und Lehrern, verursichern erhebliche Mehrkosten bei den kommunen und machen aus der Hauptschule eine "Schule auf Rädern". Damit wird das Hauptschulsterben noch weiter beschleunigt und die Attraktivität der wohnortnahen Hauptschule ein weiteres Mal beschädigt.

Die Gemeinden werden erhebliche Mehrkosten für den Schülertransport aufwenden müssen und die Eltern werden sich abschließend von der Hauptschule abwenden, da sie es nicht einsehen, dass ihre Kinder an unterschiedliche Standorte einer sog. Mittelschule transportiert werden müssen. Sie werden sich verständlicherweise noch stärker für die Realschule und das Gymnasium entscheiden.

Warum die Hauptschulinitiative des KM scheitern muss

 


Zukunftstrend Regionale Schulentwicklung

Der Trend zu mehr Entscheidungskompetenzen in den Regionen in schulpolitischen Fragen ist weltweit zu beobachten. Grund: Schulen mit Entschidungskompetenzen arbeiten effektiver. Im Zusammenhang mit dem dramatischen Hauptschulsterben in Bayern ist diese Diskussion auch in Bayern angelangt. Kommunen wollen ihre Region mit einer attraktiven Schule stärken und der demografischen Herausforderung der nächsten Jahre kreativ begegnen.

Warum soll es eigentlich keine wohnortnahen Schulen mit 300 bis 500 Schülern, die einen Realschulabschluss vergeben, anstatt großer Schulzentren in weiter Entfernung.

 



Bürgermeister schreiben dem Ministerpräsidenten offenen Brief

Unmut über das Schulsterben wächst

Am 6. Mai 2009 trafen sich 65 Kommunalpolitiker, Schulleiter, Gemeindemitarbeiter in Nürnberg, um die Zukunft ihrer Schulen zu diskutieren. Die demografische Entwicklung und die rapide ansteigende Übertrittsquote wird zu einem erneuten massiven Schulsterben führen. Der BLLV geht von 200 bis 300 vollen Hauptschulen aus, die in den nächsten zehn Jahren ihre Tore schließen müssen.

Immer mehr Gemeinden wollen dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Schule gehört zur Gemeinde und eine Gemeinde ohne Schule verliert Attraktivität und ihre Identität. Die 21 Bürgermeister in Nürnberg richteten eine Offenen Brief an die Staatskanzlei und den Kultusminister, die Schulen im ländlichen Raum dadurch zu retten, dass neue Schulart übergreifende Schulmodelle genehmigt werden.

Der Offene Brief im Wortlaut


Das große Schulsterben

Schließung der Hauptschulen

In den letzten Jahren sind über 705 Teilhauptschulen und Hauptschulen geschlossen worden. Die aktuelle Liste

 


Bevölkerungsprognose

Demografische Entwicklung in Bayern

  • Bevölkerungsprognosedaten
    Bei "Wegweiser-Kommune" können Sie den Demografiebericht jeder ausgewählten Kommune mit mehr als 5.000 Einwohnern erstellen.



Kultusministerium läutet das Ende der wohnortnahen Schulen ein

Mit größter Sorge hat der Landessauschuss des BLLV am Samstag, den 28. März 2009 die aktuelle Bekanntmachung des Kultusministeriums zu Modellversuchen mit sog. Kooperationsschulen diskutiert. Die BLLV-Experten, zu denen Vertreter aller Schularten gehören, lehnten das KM-Konzept einstimmig als schädlich für wohnortnahe Schulen ab.

Die 78 Mitglieder des Fachgremiums waren sich einig: Das Design der Modellversuche ist so ausgerichtet, dass innerhalb kurzer Zeit überall dort, wo solche Kooperationsschulen eingeführt werden, das Ende der wohnortnahen Schulen droht. Das Konzept sieht mindestens Vierzügigkeit vor. Die betroffenen Praktiker sehen das vorgestellte Konzept einhellig als für die ländliche Schulentwicklung untauglich an.

BLLV-Präsident Klaus Wenzel kritisierte, die Eckdaten für die Modellversuche stellten keine Vision einer neuen Schulkultur für die ländlichen Regionen Bayerns dar, sondern machten pragmatische und unbürokratische Lösungen praktisch unmöglich. Dadurch werde Schulentwicklung in erster Linie zum Konjunkturprogramm für Busunternehmen und Verwaltungsexperten. Wenzel bezeichnete das Konzept als eine erneute bildungspolitische Ohrfeige für Bayerns Hauptschüler. Das Prinzip der Abschottung und Ausgrenzung eines großen Teils der Kinder werde unter dem Deckmantel von sog. Kooperationsschulen konsequent fortgeführt.

Besonders enttäuscht zeigte sich das Expertengremium des BLLV, weil die Ankündigungen von Kultusminister Ludwig Spaenle  im Vorfeld der offiziellen Bekanntmachung ein deutliches Mehr an pragmatischer, kindorientierter und zukunftsweisender Kooperation erwarten ließ. Der Verdacht liege nahe, so einige Mitglieder des Ausschusses, dass die Federführung bei der Festlegung der Eckdaten bei der Realschulabteilung im KM gelegen habe, die bekanntermaßen eine Weiterentwicklung der wohnortnahen Hauptschule zur Schule mit einem Realschulabschluss bekämpft.  



Regionale Schulentwicklung aus Sicht eines Kommunalpolitikers

Dr. Artur Christiansen (CDU) war der Amtsvorsteher der Gemeinde  Handewitt in Schleswig-Holstein, die aus ihrer Hauptschule eine Gemeinschaftsschule gemacht hat. Er zeichnet in diesem Artikel den Prozess der regionalen Schulentwicklung mit allen Widerständen und Chancen aus kommunalpolitischer Sicht nach. Mehr ...

 




Herausforderung der Gegenwart:

Schülerrückgang und Schulschließungen

 

Demografische Entwicklung

Sie verändert die ländlichen Regionen in den kommenden Jahren grundlegend. Die Zahl der 10- bis 16-Jährigen wird in den nächsten 15 Jahren in Bayern um 20 %, in einigen Landkreisen um mehr als 30 % zurückgehen, prognostiziert das Statistische Landesamt. Das bedeutet für viele Gemeinden in Bayern eine Gefährdung ihres bisherigen Schulangebots. Mehr Infos

 

Gefährdung der wohnortnahen Schulen

Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hat auch auf dem Land eingesetzt. Auf der einen Seite werden die Realschulen und Gymnasien in den Städten immer größer, auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Schulen in kleineren Gemeinden stetig ab. Seit 2000 wurden alle Teilhauptschulen im Zuge der Einführung der 6-stufigen Realschule geschlossen und darüber hinaus 60 voll ausgebaute Hauptschulen. Insgesamt gingen über 40 % der bisherigen Standorte verloren. 

 

Ausdünnung des schulischen Angebots

Einzügige oder schwach zweizügige Schulen in kleineren Gemeinden werden bei unveränderten Verhältnissen in absehbarer Zeit nicht mehr die Mindestschülerzahl erreichen. Innerhalb der bisherigen Schulstrukturen wird ein mittlerer oder höherer Schulabschluss in kleineren und mittleren Gemeinden nicht mehr zur Verfügung stehen. Gerade für dünner besiedelte Gebiete bedeutet dies für die Schüler immer längere Schulwege und steigende Belastungen. 



Gefahren für die Zukunft: 

Schwächung des ländlichen Raums

Die Schule am Ort ist ein zentraler Faktor regionaler Entwicklung. Wenn Schulen schließen und Kinder zuweit auspendenln müssen, hat das nachhaltige Folgen für das Leben in der Gemeinde

 

Schwächung der örtlichen Wirtschaft

Wenn Handwerk und Handel Auszubildende und junge Arbeitskräfte nicht mehr in der Gemeinde rekrutieren können, besteht die Gefahr ihrer Abwanderung. Erwerbstätigkeit wird in der Gemeinde gemindert. Kaufkraft und damit Einzelhandel werden geschwächt.

Kulturelle Einbußen

Mit der Schule verliert die Gemeinde einen kulturellen Bezugspunkt. Auspendelnde Schüler orientieren sich vermehrt an ihrem Schulort. Ihr Engagement in örtlichen Vereinen und Kirchen lässt nach.

 

Mehr Fort- als Zuzüge

Gemeinden ohne Schule sind für die Neuansiedlung von jungen Familien und Wirtschaftsbetrieben weniger attraktiv. Ansässige junge Familien verlassen wegen langer Schulwege vermehrt die Gemeinde.

 

Finanzielle Belastungen

Die Schließung von Schulen bringt für die betroffenen Gemeinden hohe Schülerbeförderungskosten und Gastschulbeiträge ohne einen wirtschaftlichen, kulturellen oder pädagogischen Vorteil für die Gemeinde.

Investitionsruinen

Leerstehende ggf. erst vor kurzem renovierte Schulgebäude kosten Unterhalt und müssen neu genutzt werden. In den aufnehmenden Schulen hingegen findet Unterricht in räumlicher Enge und baulichen Provisorien statt.

Schülerrückgang und Schulschließungen haben erst begonnen! Schulschließungen verstärken den wirtschaftlichen, kulturellen und demografischen Niedergang einer Gemeinde und sind eine zusätzliche finanzielle Belastung.

 



Lösungen suchen:

Die Regionale Schulentwicklung (RSE)

Ziel regionaler Schulentwicklung ist die Gestaltung einer für alle Beteiligten – Schüler, Eltern, Betriebe, Gemeinden und Lehrer – attraktiven Schule am Wohnort mit der Absicht, möglichst viele Schüler des Ortes bis zur 10. Jahrgangsstufe dort zu halten.

 
Attraktiv – Die Lerninhalte werden auf das lokale Umfeld abgestimmt. Quali und mittlerer Schulabschluss werden an der Schule vor Ort angeboten. Ganztagsunterricht gemäß örtlichem Bedarf ermög-licht eine lebendige Schul- und Unterrichtskultur.

Nah – Die Verlagerung von Entscheidungskompetenzen auf die Region ermöglicht eine wohnort-nahe Schule, die auch bei geringer Schülerzahl eine attraktive und differenzierte Förderung erlaubt und die keine weiteren Bildungswege verbaut.

Offen – Eltern, Betriebe und Vereine sorgen für abwechslungsreiche Lernangebote an außerschulischen Lernorten. Berufsexperten tragen zur Profilbildung der Schule und zur Verbesserung der Ausbildungschancen der Schüler bei.

Flexibel – Die Schule entscheidet, mit welcher Unterrichtsorganisation die Schüler am besten zu fördern sind. Eine flexible Bildung von Lerngruppen zur Vermittlung einzelner Lerneinheiten sowie zusätzlicher Förderunterricht ermöglichen jedem Schüler den bestmöglichen Schulabschluss.

Pragmatisch – Neben Kooperation zwischen Schulen sollen auch schulartübergreifende Lösungen nicht ausgeschlossen werden, wenn sie regional sinnvoll sind.

Regionale Schulentwicklung (RSE) stärkt die Gemeinde nachhaltig. Sie fördert den Austausch zwischen Eltern, Betrieben und der Schule. Es ergeben sich neue Gestaltungschancen für die Gemeinde, um langfristig für Wirtschaft, Kultur und Familien attraktiv zu bleiben.

 



Gemeinsam handeln

Wege zur Lösung

 

Gemeinsame Konzeptentwicklung

 

1. Schritt:

Vorgespräche möglichst breit angelegt mit allen Betroffenen und Interessierten.

 

2. Schritt:

Grundsatzbeschluss durch den Gemeinde- bzw. Stadtrat und ggf. dem Schulverband zur Einleitung einer regionalen Schulreform.

 

3. Schritt:

Analyse der lokalen Schulsituation und ihrer absehbaren Entwicklung mit dem Ziel der Erstellung eines lokalen Schulentwicklungsplans.

 

4. Schritt:

Erstellen eines Schulkonzepts mit Aussagen zu Inhalten, Didaktik und Organisation unter Beteiligung der Betroffenen.

 

5. Schritt:

Präsentation und Diskussion des Konzepts in der lokalen Öffentlichkeit und Meinungsbild ggf. Abstimmung darüber in der Kommune.

 

6. Schritt:

Beantragung zunächst eines Modellversuchs beim Kultusministerium.

 

7. Schritt:

Umsetzung des Vorhabens in einzelnen Handlungsschritten nach ausgearbeiteten Projektplänen.

 

Ansprechpartner beim BLLV können in Fragen der Regionalen Schulentwicklung (RSE) mit pädagogischer und konzeptioneller Erfahrung weiterhelfen. Mit ihnen können konkrete Konzepte und Vorgehensweisen vor Ort besprochen werden, um ein wohnortnahes, den lokalen Verhältnissen angemessenes Schulangebot zu finden.

Ansprechpartner anfordern unter schulpolitik (at) bllv.de


 


Gesundheitstage 2010

Junge Familien in der Gemeinde behalten

Der 2007 veröffentlichte Familienatlas zeigt, dass örtliche Bildungsangebote oft über den Verbleib junger Familien in der Gemeinde entscheiden. Bayern hat Handlungsbedarf.

Wohnort und Schulerfolg

Das Staatsinstitut für Schulentwicklung und Bildungsforschung (ISB) hat die regionalen Unterschiede der Bildungsangebote und Schülerleistungen in den Landkreisen Bayerns untersucht. Es gibt gravierende Differenzen. 

Falls Ihre Gemeinde Interesse an einer Beratung hat, stehen Experten zur Verfügung. Kontakt

Dannhäuser: Vater der regionalen Schule

Ehrenpräsident Dr. h.c. Albin Dannhäuser hat 1987 das Konzept der regionalen Schule entwickelt. 

GRUNDLAGEN DER BLLV-POLITIK

Über 500 Vertreter/innen der Lehrer und Erzieher in Bayern entscheiden alle vier Jahre über die Leitlinien der BLLV-Politik.

Nachgeblättert

Der BLLV warnte bereits im Jahr 1995 vor den fatalen Auswirkungen einer möglichen Einführung der R6 auf die Schulstruktur in den ländlichen Regionen in Bayern.  Wie wurde damals eigentlich argumentiert?