Schwäbischer Lehrertag


 

Nächster Schwäbischer Lehrertag:

Termin: 21. Oktober 2017 von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr 
Ort: Leonhard-Wagner-Mittelschule in Schwabmünchen

 

Weitere Infos und Anmeldung demnächst


Lehrertag 2016 - ein Rückblick

- Einander stärken, Sachen klären -


Unter diesem Motto stand der diesjährige schwäbische Lehrertag am 23. April in Schwabmünchen. Dem Organisator, Dr. Ansgar Batzner, war es einmal mehr gelungen, mit Gerald Möhrlein einen Experten für ein brandaktuelles Thema, nämlich den Umgang mit traumatisierten Jugendlichen, für den Hauptvortrag zu gewinnen. Mit 47 angebotenen Workshops und einer sehr umfangreichen Ausstellung von Lehr- und Lernmitteln, kamen die zahlreichen Besucher voll auf ihre Kosten.

 

Eröffnung durch Gertrud Nigg-Klee

Die schwäbische Bezirksvorsitzende, Gertrud Nigg-Klee, freute sich sichtlich über die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer  und konnte zahlreiche hochrangige Gäste aus Politik und Schulverwaltung begrüßen, darunter die Mitglieder des bayerischen Landtages, Carolina Trautner von der CSU und Thomas Gehring von Bündnis90 / Die Grünen. Sie bedankte sich bei Dr. Ansgar Batzner und Geschäftsführerin Petra Müller für die Organisation des Lehrertages und beim Team von Frau Wessel von der Leonhard-Wagner-Mittelschule Schwabmünchen, die auch in diesem Jahr wieder perfekte Gastgeber des Lehrertages waren. Ein großer Dank ging auch an den Domino Verlag und den BLLV Wirtschaftsdienst für die Unterstützung des Lehrertages.  Nigg-Klee ging auf die aktuelle Situation an Bayerns Schulen ein, die von der Herausforderung geprägt ist, zahlreiche  junge Flüchtlinge zu integrieren und schulisch zu fördern. Sie verwies auch auf die Bemühungen der bayerischen Staatsregierung in diesem Bereich, die eigens dafür 160 Millionen Euro im Nachtragshaushalt für die schulische Versorgung der Flüchtlinge bereitgestellt hat. Hier gilt es, laut Nigg-Klee, schnell, sinnvoll und flexibel zu handeln. Die Vorsitzende mahnte aber auch an, andere wichtige Themen wie Inklusion oder den Ausbau der Ganztagesschulen nicht aus den Augen zu verlieren. Sie betonte auch die - nicht zuletzt dank des BLLVs - erreichten Erfolge, die funktionslose Beförderung betreffend. Allein im Jahr 2016 sind zwei Beförderungsrunden geplant, die erste davon für 1500 Kolleginnen und Kollegen zum 1. Juli. In diesem Zusammenhang wies Gertrud Nigg-Klee auf die bevorstehenden Personalratswahlen hin und rief dazu auf, die Fachleute des BLLVs auf allen Ebenen der Personalratswahlen nach Kräften zu unterstützen.

 

Hauptvortrag

Der diesjährige Hauptvortrag mit dem Thema „Traumatisierte belastete Kinder und Jugendliche in der Schule-was tun?“ wurde von Dipl.Päd. Gerald Möhrlein von der Universität Würzburg gehalten. Möhrlein ist Studienrat im Förderschuldienst, Fachpädagoge für Psychotraumatologie und Leiter des Projekts SchulCHEN. Außerdem ist er als Lehrbeauftragter am Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Würzburg und als Dozent beim Wieslocher Institut für systematische Lösungen tätig.

Er legte zu Beginn seiner Ausführungen dar, dass das Thema Traumatisierung immer wieder an Schulen präsent ist. Bei einer Befragung gaben 90 % der Lehrkräfte an, schon mit dem Thema konfrontiert worden zu sein. Eine posttraumatische Belastungsstörung ist im Kindesalter so häufig wie ADHS. Traumatische Erfahrungen werden von den meisten Menschen aber in guter Weise verarbeitet. Kinder sind einem wesentlich höherem Risiko ausgesetzt: 50 bis 70 % der Kinder mit häuslicher Gewalterfahrung leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Traumatisierung bedeutet immer eine Verletzung der Seele mit den Folgen Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust. Möhrlein stellte verschiedene Arten der Traumatisierung und unterschiedliche Traumatisierungsmodelle vor. Eine Traumatisierung verläuft in drei Phasen: Die traumatische Situation mit der Notfallreaktion (Schockreaktion)  gefolgt von der Verarbeitungsphase und  der Erholungsphase. Gelingt die Verarbeitung nicht, führt dies zu einem traumatischen Prozess mit weitreichenden Folgen. Eine alleinige Bewältigung ist nicht mehr möglich. Das Umfeld bestimmt den Prozess der Heilung. Bei Missachtung bzw. Ignorieren durch die Umwelt kann die traumatisierte Erfahrung nicht verarbeitet und integriert werden. Als Traumafolgen und mögliche Symptome nannte Möhrlein anhaltende Erinnerungen und Wiedererleben, Vermeidung aller Umstände (Antriebslosigkeit), Übererregungssymptome, Trigger (Auslöser), Flashbacks (unmittelbares Wiedererleben), Intrusion (starke Erinnerung an damals), Reinszinierung und Retraumatisierung. Belegt und erklärt wurde all dies mit Erkenntnissen der Hirnforschung. Der letzte und wichtigste Teil des Vortrags beschäftigte sich mit der Frage, was kann die Lehrkraft tun. Möhrlein nannte eine ganze Liste von guten Möglichkeiten, wie Lehrkräfte durch ihr Handeln dazu beitragen können, die Folgen zu lindern: Körperliche Stabilisierung, liebevolle Gestaltung der Lebenswelt, stabile soziale Beziehungen, soziale Einbindung, allgemeine Kompetenzen, erfolgreiche Krisenbewältigung, wecken individueller Ziele und Interessen, ermöglichen von Erfolgserlebnissen, Humor, positive Lernatmosphäre, positive Verstärkung, Lob, Ermutigung, gemeinsamer Beginn und Abschluss, Selbstwirksamkeit und Partizipation und noch viele weitere Maßnahmen, die nicht nur auf traumatisierte Kinder und Jugendliche positiven Einfluss haben, wurden genannt. 

Mit dem Zitat von Arthur Schopenhauer: „Gesunder Menschenverstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber kein Grad von Bildung den gesunden Menschenverstand“, endete der sehr beeindruckende und überaus informative und äußerst aktuelle Hauptvortrag.

 

Workshops

Im Anschluss hatten die weit mehr als 300 Besucher die Qual der Wahl zwischen 47 angeboten Workshops, von denen laut Organisator Dr. Batzner 38 zustande kamen. Es gab zahlreiche Angebote aus dem pädagogischen Bereich wie „Lernblokaden lösen“ oder „Mobbing unter Kindern“, interessante fachliche Veranstaltungen wie „Handlungsorientierter Mathematikunterricht“ und praktische Kurse für den Fachunterricht wie „Ketten-Anhänger aus Beton“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der einzelnen Workshops waren mit viel Begeisterung und großem Engagement dabei und konnten wertvolle Anregungen für ihren Unterricht mit nach Hause nehmen.

 

Gerhard Schurr

 

 

Impressionen


Die Teilnehmer treffen ein






G. Nigg-Klee begrüßt ... und stellt die neue Broschüre vor

Initiator Dr. Batzner
Hauptvortrag mit Gerald Möhrlein ...
... zum Thema "Traumatisierte Kinder in der Schule"

Dank an Haupt- referenten ...
... und Orga- nisationsteam











G. Nigg-Klee und K. Klos dankt P. Müller für die Organisation

Handouts des vergangenen BLLV-Lehrertags


Informationen zum kommenden BLLV-Lehrertag finden Sie hier demnächst wieder.


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