Wer gestresst ist, verbringt häufig schlaflose Nächte.

22.06.2016

Lehrkräfte in der Gratifikationskrise

Ergebnisse des BBB-Stressmonitors

 

Lehrkräfte laufen stärker Gefahr psychisch zu erkranken als andere Berufsgruppen. Sie leiden besonders häufig unter dem Gefühl, wenig Wertschätzung für ihre Tätigkeit zu bekommen. Das zeigt eine Befragung von knapp 3.700 Lehrkräften in Bayern.

 

Der Bayerische Beamtenbund (BBB), Dachverband des BLLV, wollte wissen: Wie ist es um die psychische Gesundheit vom Bayerns Staatsbediensteten bestellt? Um das herauszufinden, lies der Verband den BBB-Stressmonitor entwickeln, einen Online-Test, mit dem jeder Teilnehmer sein persönliches Stresslevel ermitteln kann und ob bereits Anzeichen einer psychischen Erkrankung vorliegen.

 

Insgesamt 10.906 Beschäftige absolvierten zwischen Oktober 2013 und September 2014 den Stress-monitor, darunter 3.673 Lehrerinnen und Lehrer. BBB und BLLV hatten mehrfach dazu aufgerufen, sich an der Erhebung zu beteiligen.

 

Jeder Vierte fühlt sich hochgradig belastet

Nun liegen die Ergebnisse vor: Etwa die Hälfte aller Teilnehmer erlebte sich – teils hochgradig (23 %) – durch Stress belastet. 39 Prozent fühlen sich ausgebrannt, 38 Prozent gaben an häufig Schlafstörungen zu haben.  Bei 7,5 Prozent der Testabsolventen zeigten sich Anzeichen auf eine Depression, bei 5 % auf eine Angststörung.

 


Über den Stressmonitor

Der Stressmonitor ist ein Internet-Fragebogen, der wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Jeder Teilnehmer erhält am Ende eine individuelle Auswertung. Der Test ist seit einigen Jahren in der Wirtschaft im Einsatz, wo ihn bislang 20.000 Teilnehmer absolviert haben. Für den Bayerischen Beamtenbund wurde eine auf die Verhältnisse des Öffentlichen Dienstes angepasste Version entwickelt. Betreut wurde das Projekt von der Leuphana Universität Lüneburg, der Schön Klinik Roseneck in Prien und von Medicaltex GmbH München.


 

Lehrkräfte fühlten sich im Vergleich zu anderen Berufsgruppen am meisten gestresst. Sie klagten in höherem Maß über eine Zunahme von Arbeit, Überstunden und Verantwortung, nahmen sich selbst vergleichsweise weniger oft als ausgebrannt wahr und litten seltener unter Depressionen.

 

Lehrkräfte leiden häufiger unter mangelnder Anerkennung

Allerdings stecken Lehrerinnen und Lehrer häufiger als andere Berufe in einer Gratifikationskrise, ein Risiko-Faktor, der zu einem Burnout oder einer psychischen Erkrankung führen kann. Knapp 37 Prozent beklagten ein deutliches Missverhältnis zwischen eigener Leistung und Gegenleistung. Die Betroffenen haben das Gefühl, mehr Einsatz bringen zu müssen als in Form von Anerkennung und Geld zurückkommt.  Weitere 25 Prozent der Lehrkräfte nehmen immerhin ein Ungleichgewicht war.

 

Im Vergleich dazu fällt die Zufriedenheit in anderen Zweigen des Öffentlichen Dienstes und auch in Unternehmen höher aus.


Gratifikationskrise: Die Ergebnisse des BBB Stressmonitor zeigen, dass Lehrer wenig Anerkennung bekommen.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Stressmonitor: 

  • Anerkennung der Arbeit und eine gerechte Behandlung wirken sich deutlich positiv aus. 
  • Das Vorhandensein von Unterstützung in schwierigen Situationen zeigt einen deutlichen Zusammenhang zu verbesserter psychischer Gesundheit
  • Zunehmender Arbeitsumfang vermindert die psychische Gesundheit
  • Aufstiegschancen, berufliche Stellung und Gehalt sind im Vergleich zu Unterstützung, gerechte Behandlung weniger wichtig für die psychische Gesundheit
  • Zeitdruck und Arbeitsunterbrechungen stehen in starkem Zusammenhang mit verminderter psychischer Gesundheit
  • Höhere Verantwortung wirkt sich dann negativ aus, wenn dies mit stärkerem Zeitdruck, Arbeitsunterbrechungen und zunehmender Arbeitsverdichtung einhergeht

 

Ergebnisse des Stressmonitors im Überblick:

  • Datenbasis: 10.906 Beschäftigte, davon 3.673 Lehrkräfte
  • Geschlecht: 51% weiblich, 49 Prozent männlich
  • 85 % Beamte, 15 % Tarifbeschäftigte
  • Durchschnittliches Alter: 44,4 Jahre
  • Anzahl der Krankheitstage in den letzten 12 Monaten: 16,7
  • Verdacht auf eine Depression bei 5,9 Prozent der Beschäftigten
  • Anzeichen für eine Angststörung bei 4,0 % der Beschäftigten
  • Anzeichen für ein Burnout: Das Gefühl ausgebrannt zu sein bestand bei 11 Prozent die meiste Zeit über
  • Bei 34 Prozent besteht eine deutliche Imbalance zwischen erbrachtem Einsatz und Gegenleistung

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