28.02.2015

Lehrerbefragung: An den Mittelschulen wird der Mangel verwaltet

BLLV-Studie vom Herbst 2014 legt viele Probleme offen


Den Mittelschulen fehlt an allen Ecken und Enden Personal. Sie geraten zunehmend zum Auffangbecken für Kinder und Jugendliche, die besonderen Förderbedarf haben. Dieses Gefühl haben jedenfalls viele Mittelschullehrkräfte, wie sich aus einer neuen BLLV-Befragung ergibt.

 

Daran beteiligten sich im Schuljahr 2014/15 insgesamt 532 Lehrkräfte. Die Herausforderungen an den Mittelschulen sind immens. Fast 90 Prozent der Befragten geben an, Schüler mit Migrationshintergrund zu unterrichten, rund 84 Prozent berichten von mindestens einem Schüler in der Klasse mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Es bräuchte zusätzliche Stellen und Fachkräfte, um diese Schüler gut fördern zu können und mit der eigenen Arbeitsbelastung klar zu kommen. Eine positive Zukunftsperspektive hat die Mittelschule aus Sicht der Mehrzahl der Befragten nur dann,  wenn die Bildungspolitik ein längeres gemeinsames Lernen ermöglicht.

 


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Fachfremder Lehrereinsatz und Unterrichtsausfall statt individueller Förderung

Für die bayerischen Mittelschulen standen zu Beginn des Schuljahres insgesamt 760 Vollzeitstellen der Mobilen Reserve zur Verfügung. Offenbar ist das viel zu wenig. Nur an jeder neunten Schule reichen die Mobilen Reserven aus. Fehlendes Personal wird meist durch fachfremden Lehrereinsatz (76%), Mehrarbeit und Überstunden (73%) kompensiert. Mehr als jeder zweite Befragte (53%) gab an, dass Unterricht ersatzlos ausfiel.

 

Nur jede zehnte Lehrkraft hält die Lehrerversorgung für ausreichend, um die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern. 94 Prozent der Befragten geben an, dass der Personalmangel keinen inklusiven Unterricht zulässt.


Besondere Schüler, aber keine besondere Förderung

Dabei gibt die Hälfte der Lehrkräfte an, Schüler mit diagnostiziertem sonderpädagogischem Förderbedarf zu unterrichten, wovon wiederum 71 Prozent berichten, dass sie Schüler mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionaler Entwicklung betreuen. Viele Lehrkräfte fühlen sich mit diesen Herausforderungen alleingelassen. Von zusätzlichem Fachpersonal oder einschlägigen Fortbildungen können sie meist nur träumen. Das betrifft auch die Betreuung von Flüchltingskindern.



Keine Zusatzausbildung für den Unterricht von Flüchtlingskindern

88 Prozent der Lehrer unterrichten im aktuellen Schuljahr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund (meist in der Regelklasse). 75 Prozent berichten, dass an der eigenen Schule erst vor kurzem eingereiste Kinder von Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern ohne Deutschkenntnisse eingeschult wurden. Darauf vorbereitet sind aber die Wenigsten. Nur 6 Prozent der Befragten geben an, eine Aus- oder Fortbildung in Deutsch als Zweitsprache zu besitzen.



Unzureichende Unterstützungssysteme

Noch am ehesten unterstützt fühlen sich die befragen Lehrkräfte durch ihre Schulleitung und ihr Kollegium (47%) sowie durch Schulsozialarbeiter (39%). Es fehlt aber zusätzliches Fachpersonal wie Förderlehrer für den Förderunterricht oder Team-Teaching und Sonderpädagogen. Ganz schlecht kommen Schulamt, Regierung und Kultusministerium weg. Kaum jemand fühlt sich von den übergeordneten Stellen unterstützt.



Schlechte Perspektive für die Mittelschule

Angesichts solcher Aussagen verwundert es nicht, dass nur ein Drittel der Lehrkräfte glaubt, dass lernschwächere Schüler an den Mittelschulen optimal gefördert werden können. Mehr als 70 Prozent findet die Bezeichung „Restschule“ für die Mittelschule zutreffend.



Eine echte Perspektive hat die Mittelschule nur dann, wenn der Staat längeres gemeinsames Lernen ermöglichen würde. Die Befragten sprechen sich in großer Mehrzahl dafür aus (82%). Zugleich sehen eine Notwendigkeit der Entwicklung eines regionalen, schulartübergreifenden Schulentwicklungsplans (84%).

 

Eine Zusammenlegung von Mittel- und Förderschulen im Zuge der Inklusion wünschen sich nur 13 Prozent der Lehrer, während die Mehrheit (57 Prozent) sich für eine Fusion von Mittel- und Realschulen ausspricht.



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