„Nur wer Haltung zeigt, kann aufrecht stehen“

 

 

Ich unterstütze das Manifest: HALTUNG ZÄHLT, weil …

es sie gibt, diese Momente, in denen man sich staunend umdreht, mitten auf dem Bürgersteig, weil man gerade Zeuge von unsäglichen Beschimpfungen geworden ist. Man muss sie behalten, diese Momente des Innehaltens, des Sich-Ärgerns – und auch der Menschlichkeit.

Sie erinnern einen daran, wie man selbst nicht sein möchte und zeigen deutlich, wie wichtig es ist, sich gegen die Tendenz der Verrohung der Sprache zu stellen. Wir müssen uns um ein Miteinander bemühen, in dem jeder respektvoll behandelt wird. Auch deshalb finde ich es persönlich wichtig, das Manifest: HALTUNG ZÄHLT zu unterstützen.

 

Es mangelt an Respekt vor dem Anderen

Als Bundesvorsitzender des VBE freue ich mich, dass der Bundesverband und alle Landesverbände das Manifest in ihre gewerkschaftliche Arbeit aufgenommen haben. Im täglichen Miteinander können wir erleben, wie Konflikte schneller und öfter eskalieren und mit härteren Mitteln ausgetragen werden. Autoritäten werden nicht mehr anerkannt und es mangelt an Respekt vor dem Anderen. Davon ist auch Schule betroffen.

 

Lehrer auch selbst Ziel von Angriffen

Doch nicht nur Konflikte unter den Schülerinnen und Schülern machen den Lehrkräften zu schaffen. Immer öfter sind sie selbst Ziel von Angriffen. Es war uns wichtig, dies sichtbar zu machen.

Aus diesem Grund hat der VBE Bundesverband, der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband, der VBE Baden-Württemberg und der VBE Nordrhein-Westfalen das Meinungsforschungsinstitut forsa damit beauftragt, eine repräsentative Umfrage zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ durchzuführen.

 

Jeder Zweite Opfer psychischer Gewalt in der Schule

Hierzu wurden im Herbst 2016 bundesweit fast 2.000 Lehrkräfte befragt. Wir waren darauf vorbereitet, dass die Zahlen hoch sind. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass über die Hälfte der Befragten psychische Gewalt und über 20 Prozent körperliche Gewalt gegen Lehrkräfte an ihrer Schule attestieren. In den letzten fünf Jahren selbst betroffen von psychischer Gewalt waren 21 Prozent, körperliche Gewalt erlebten 6 Prozent.

Erschreckend ist, wie viele der befragten Lehrerinnen und Lehrer sagten, dass Gewalt gegen Lehrkräfte ein Tabu-Thema sei, nämlich 57 Prozent. Die Politik lässt mit ihrer Argumentation von „Einzelfällen“ einfach den rosanen Elefanten mitten im Raum stehen und schließt die Tür hinter sich.

 

Oft wird geschwiegen

Zurück bleiben Lehrkräfte, die sich einreden, dass dort nichts ist. Aus Scham, angegriffen worden zu sein und  dem Unwissen, dass es auch vielen Kolleginnen und Kollegen so geht, wird das Thema einfach totgeschwiegen. Das dürfen wir nicht zulassen. Der Austausch im Kollegium ist der erste Schritt zu einem friedlicheren Miteinander. Das Sichtbarmachen des Problems trägt zudem dazu bei, ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

Wir sehen, wie sich die Gesellschaft verändert hat. Wir erleben, welche Konsequenzen das mit sich bringt. Diese Tendenz muss umgekehrt werden. Ich denke, wir brauchen eine Veränderung in der Gesellschaft – und sie muss bei uns beginnen. Ich bin der Überzeugung, dass unser Sprachgebrauch Haltung widerspiegelt und sich unsere Haltung im Sprachgebrauch zeigt. Wie wir uns zeigen und was wir vorleben, bestimmt maßgeblich, wie wir behandelt werden.

 

Vorbild durch eigenes Verhalten

Ziel sollte es sein, Konflikte respektvoll zu deeskalieren, Kompromisse auszuhandeln und durch unser eigenes Verhalten Vorbild zu sein. Deshalb ist für mich der Schlüssel im Vorgehen gegen die Verrohung von Sprache und Umgangsformen, Haltung zu zeigen.

 

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