Hannah Jahnke feiert Geburtstag mit ihren Schüler. Sie hat ihnen Süßes mitgebracht.

Von Mäusen und Menschen

Im südafrikanischen Chintsa lernen Kinder in der Schule den Umgang mit dem Computer

Die digitale Revolution hat Afrika erreicht – am Eastern Cape in Südafrika ist man dafür bereits gerüstet: In Chintsa und Bulugha lernen schon Vorschulkinder von bayerischen Lehramtsstudentinnen den Umgang mit dem PC. Gleichzeitig fehlt es am Nötigsten. Hannah Jahnke (LMU München) und Simone Briechle (Uni Erlangen-Nürnberg), die dort leben und arbeiten, berichten aus Südafrika.

 

Das Tolle am Unterrichten in einer Landschule im südlichen Südafrika ist die Lebensfreude und die Begeisterung der Kinder, die sie ausstrahlen, obwohl es ihnen an so vielem mangelt. Schon die Fünfjährigen in der Vorschule leuchten und können es kaum erwarten, an die Computer zu kommen. Bei den Kleinen geht es darum, die Maus führen zu lernen, zu klicken und einfache Zeichnungen anzufertigen. Einmal pro Woche und nur für 15 Minuten, aber für mehr reicht die Konzentration noch nicht. Dementsprechend arbeiten wir nur mit dem Paint-Programm von Microsoft. In der ersten Klasse kommt Word dazu und in der 3. bis 7. Klasse auch Excel und Powerpoint. Alle drei Monate ist ein anderer Themenbereich dran, zum Beispiel Ernährung, Hygiene oder Klimawandel. 

 

Auch Lesen und Schreiben wollen gelernt sein

Um das Tippen zu üben, bekommen die Schüler Kärtchen mit Wörtern, die zum aktuellen Thema passen. Manchen Schülern fällt es jedoch schwer, Kleinbuchstaben zu tippen, sie können sie nicht auf der Tastatur finden. Es kommt vor, dass ein Schüler noch in der 5. Klasse das vorgegebene Wort „sun“ in der Buchstabenfolge „Xu5“ wiedergibt. Zudem fällt uns immer wieder auf, dass manche Kinder – obwohl sie zur Schule gehen – nicht schreiben und lesen können, was unsere Arbeit nicht leichter macht. Dennoch: die Idee, auch den armen Kindern auf dem Land den Umgang mit Computern zu ermöglichen, ist gut und wichtig. Denn wer einmal nicht nur als Tagelöhner arbeiten will sondern in der Verwaltung oder ähnlichem, braucht Computerkenntnisse. Deswegen eben auch Excel und Powerpoint.

 

Nürnberg-Volunteers im Buccaneers

Schon vor einigen Jahren hat das deutsche Konsulat in Kapstadt Computer finanziert, die hier in der Bulugha Farmschool und in der Township-Schule von Chintsa als die weit und breit ersten eingesetzt wurden. Organisiert wird der Computer-Unterricht von der Freiwilligen-Organisation „Volunteer Africa 32° South“, die Lehrer werden vor allem von den „Nürnberg Volunteers“ von der Uni Erlangen-Nürnberg gestellt. Derzeit sind wir zwei Nürnberg-Freiwillige und wir leben im „Buccaneers“, einer Backpacker-Herberge an der Küste. Die Betreiberfamilie hat die Unterrichtsversorgung zusammen mit Volunteer Africa aufgebaut.

 

Jeden Donnerstag sind die Gäste des Buccaneers Backpackers zu einem Schülerkonzert in die Bulugha Farm Schule eingeladen. Die Schüler singen, stampfen und tanzen mit großem Enthusiasmus und die Touristen, die an diesen herrlichen Küstenstreifen kommen, um zu surfen, auf Safari zu gehen oder am Meer zu reiten, sind regelmäßig hingerissen von den rhythmisch und melodisch anspruchsvollen Darbietungen. Sie wissen, dass ihre Spenden gefragt sind, und so kommt regelmäßig Geld für Essen wie Samp and Beans, den obligatorischen Maisgries-Bohnen-Eintopf herein. Wenn es mal ein wenig mehr ist, gibt es auch Kartoffeln und Karotten oder anderes Gemüse.  

 

Zwei Plumpsklos und kein Klopapier

Bei aller digitalen Fortschrittlichkeit fehlt es ansonsten doch am Nötigsten. In Bulugha gibt es kein fließendes Wasser, nur einen Regenwasser-Tank außerhalb des Schulgebäudes Zu unserem Unterricht gehört auch Hygiene wie Händewaschen. Es gibt für über 150 Kinder gerade mal zwei Plumpsklos und nicht einmal Toilettenpapier. Sie müssen aber auch nicht oft aufs Klo: Die meisten Kinder werden nährstoffarm und zuckerreich ernährt, sie haben oft schon am morgen Chips und Bonbons gegessen. Dementsprechend schlecht ist die Verdauung.

 

Wir sagen „Mamelani“ - und alle hören her

Die Erstsprache der Kinder ist Xhosa, eine Klicksprache. Unser Unterricht findet jedoch auf Englisch statt. Manchmal ist es nicht einfach, mit den Kindern über komplizierte Themen wie Klimawandel auf Englisch zu sprechen. Wir haben uns deswegen auch einige Wörter in Xhosa angeeignet, wenn wir beispielsweise „Mamelani“ sagen, dann hören alle her. Da der Unterricht in Englisch stattfindet, lernen die Kinder in unserem Computerunterricht nicht nur die Basiskenntnisse am Computer kennen, sondern verbessern nebenbei auch ihr Englisch. Gleichzeitig, weil sich der Computerunterricht immer auch um ein Umweltthema dreht, bekommen die Schüler kognitives Wissen und ein Umweltbewusstsein.

 

Am Nachmittag bietet Volunteer Africa 32° South viele Aktivitäten an, bei denen wir uns engagieren. Am Montag bringen wir motivierten Erwachsenen Computer-Basiskenntnisse näher. Am Dienstag und Donnerstag machen wir mit den Kindern im Township Sport. Alle Kinder sind eingeladen und wir spielen zusammen unter anderem Fußball und Volleyball. Das schöne am Sport ist, dass man auch ohne Sprache gemeinsam Spaß haben kann. Mittwochs besuchen wir Kinder in einem Waisenhaus und beschäftigen uns mit ihnen. Wir gehen mit ihnen spazieren, baden oder bringen ihnen ebenfalls spielerisch den einfachen Umgang mit dem Computer bei.

 

Trotz aller Schwierigkeiten, die das Leben hier prägt, strahlen die Menschen hier voller Lebensfreude. Unsere Schüler zeigen uns jeden Tag durch ihre Offenheit und Fröhlichkeit, wie dankbar sie uns sind, so dass es uns warm wird im Herzen. Von Hannah Jahnke und Simone Briechle 

 

Mehr zum Thema:
»Volunteer Africa 32° South Website des Freiwilligen-Projekts, das die Chintsa East Schule unterstützt. 

 

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