Spielerisch die eigene Medienbiografie reflektieren: Das taten die Teilnehmer der zweiten Fachanhörung zur Digitaliserung "Der Lernbegriff: Methodik, Didaktik".

Wie die Digitalisierung das Lernverhalten der Kinder verändert

Konsequenzen für Unterricht und Lehrpläne

 

Digitale Medien bestimmen längst den Alltag unserer Kinder und Jugendlichen. Das verändert auch Lernprozesse. Was das für Lehrkräfte und ihren Unterricht bedeutet, erklärte Prof. Dr. Rudolf Kammerl beim BLLV.

 

In Sachen Digitale Bildung macht Deutschland im internationalen Vergleich keine gute Figur. Bei der Häufigkeit des Computereinsatzes im Unterricht landet die Bundesrepublik weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Nur rund neun Prozent der Lehrkräfte nutzen den Rechner täglich im Unterricht. Das geht aus der ICILS-Studie (*) aus dem Jahr 2013 hervor, die Prof. Dr. Rudolf Kammerl bei der BLLV Fachanhörung „Der Lernbegriff: Methodik, Didaktik“ vorstellte.

 

Auch die Ausbildung IT-bezogener Fähigkeiten wie die Überprüfung der Glaubwürdigkeit digitaler Informationen oder die Recherche im World Wide Web fördern Deutschlands Schulen weniger intensiv als andere Länder. Laufen unsere Schüler also Gefahr, im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren? Die Studien, aus denen Kammerl zitierte, legen diesen Schluss nahe. Der Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg zeichnete in seinem Vortrag jedoch ein differenziertes Bild. Kammerl machte deutlich, dass digitale Medien im Unterricht nicht das Allheilmittel sind. Und dass die Mediatisierung der Lebenswelt Schulen mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

 

Tatsächlich können digitale Medien im Unterricht bei der Ausbildung von Kompetenzen mitunter sogar hinderlich sein. So korreliert laut ICILS-Studie ein moderater Einsatz mit einer hohen Lesekompetenz. In Mathematik hingegen geht eine intensive Nutzung einher mit einer hohen Kompetenz. „Digitale Medien sind nicht für alle Fächer gleich gut geeignet“, folgerte Kammerl.


Prof. Dr. Rudolf Kammerl

Mediatisierung der Lebenswelt verändert das Lernen

Trotzdem sollten Schulen und Lehrkräfte den Einfluss digitaler Medien nicht unterschätzen. Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ist vollkommen von ihnen durchdrungen. "Sie sind permanent online, permanent vernetzt. Das verändert ihre Umweltwahrnehmung und ihr Lernverhalten", wie Kammerl ausführte.

 

Das Lernverhalten heutige Kinder und Jugendlicher ist geprägt von

  • schneller Informationsaufnahme und Multitasking, das leichte Ablenkbarkeit zur Folge hat,
  • einer Vorliebe für Bilder und Hypertexte, für vernetztes Lernen,
  • der Erwartung spielerischen Lernens verbunden mit einer sofortigen Belohnung.

 

Sie lösen Probleme anders:

  • Wissenszugang ersetzt echtes Wissen,
  • Vertrauen in die Gruppe ersetzt Selbstwirksamkeit,
  • Crowdbefragung ersetzt Kreativität,
  • Big Data ersetzt Intuition.

 

Die Konsequenzen:

  • Multitasking hat eine leichte Ablenkbarkeit zur Folge;
  • Kinder und Jugendliche müssen lernen, aus der passiven Konsumentenrolle auszubrechen.
  • Es fehlt vielen Kinder und Jugendlichen an Kritik- und Reflexionsfähigkeit im Umgang mit digitalen Medien;
  • Sie müssen das Lernen mit digitalen Medien erst noch lernen.

 

Lehrpläne und Didaktik müssen diesen  veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen.  „Schulen sollen Kinder und Jugendliche zu einer selbstbestimmten Lebensführung befähigen“, forderte Kammerl.  Sie sollten sie in die Lage versetzen, die mediatisierte Gesellschaft und deren Folgen kritisch zur reflektieren. Und sie sollten die Kreativität der Schüler wecken, damit diese selbst schöpferisch tätig werden und aus der passiven Konsumentenrolle ausbrechen können.

 

Lehrkräfte müssen Unterricht an Smartphone-Generation anpassen

Doch nur ein geringer Teil der Lehrerinnen und Lehrer verfügt Kammerl zufolge über die dafür notwendige medienpädagogische und mediendidaktische Ausbildung. „Digitale Medien müssen Teil der Lehrerbildung werden“, betonte er. 

 

 

Auch in Sachen Pädagogik und Didaktik stehen Lehrkräfte vor einer Herausforderung. Angesichts des veränderten Lernverhaltens müssten ihren Unterricht an die Bedürfnisse der Smartphone-Generation anpassen, betonte Kammerl. Es gelte, neue Wege zu finden, Unterricht motivierend und mit Blick auf den Lernerfolg effektiv zu gestalten.

 

 

(*) ICILS bedeutet „Computer und informationsbezogenen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich“


Suche

Services/Hilfe

Seminare für angehende Referendare

Sie beginnen im September das Referendariat? Dann kommen Sie zu unseren Dienstanfängerseminaren! Weitere Informationen

Downloads

Flüchtlinge als Unterrichtsthema