Wohnortnahe Schule - in Bayern ohne Zukunft?

Das dreigliedrige Schulsystem steht vor dem Aus - und damit auch viele kleine Schulen

Wohnortnahe Schulen stellen für die meisten Familien ein Stück Lebensqualität dar. Doch das Überleben vieler Schulen auf dem Land ist gefährdet, wenn Bayern an seinem dreigliedrigen Schulsystem mit Haupt- und Realschule sowie Gymnasium festhält. Das zeigt die BLLV Studie "Die Zukunft der wohnortnahen Schule in Bayern". »weiter



Hauptschulinitiative des KM vor dem Scheitern?

Die kurzfristig aus dem Boden gestampften Maßnahmen des Ministeriums zur „Weiterentwicklung“ der Hauptschule sind nicht Ziel führend. Am gravierendsten stellt sich die Situation in ländlichen Regionen dar. Die Zusammenführung von einzelnen Hauptschulen zu Schulverbünden, um den Namen Mittelschule tragen zu können, sind organisatorisch und pädagogisch ein Unsinn. Sie sind größtenteils nicht oder nur unter größtem organisatorischem Aufwand umzusetzen. Sie führen zu massiver Verunsicherung bei Eltern und Lehrern, verursichern erhebliche Mehrkosten bei den kommunen und machen aus der Hauptschule eine "Schule auf Rädern". Damit wird das Hauptschulsterben noch weiter beschleunigt und die Attraktivität der wohnortnahen Hauptschule ein weiteres Mal beschädigt.

Die Gemeinden werden erhebliche Mehrkosten für den Schülertransport aufwenden müssen und die Eltern werden sich abschließend von der Hauptschule abwenden, da sie es nicht einsehen, dass ihre Kinder an unterschiedliche Standorte einer sog. Mittelschule transportiert werden müssen. Sie werden sich verständlicherweise noch stärker für die Realschule und das Gymnasium entscheiden.

Warum die Hauptschulinitiative des KM scheitern muss

 


Zukunftstrend Regionale Schulentwicklung

Der Trend zu mehr Entscheidungskompetenzen in den Regionen in schulpolitischen Fragen ist weltweit zu beobachten. Grund: Schulen mit Entschidungskompetenzen arbeiten effektiver. Im Zusammenhang mit dem dramatischen Hauptschulsterben in Bayern ist diese Diskussion auch in Bayern angelangt. Kommunen wollen ihre Region mit einer attraktiven Schule stärken und der demografischen Herausforderung der nächsten Jahre kreativ begegnen.

Warum soll es eigentlich keine wohnortnahen Schulen mit 300 bis 500 Schülern, die einen Realschulabschluss vergeben, anstatt großer Schulzentren in weiter Entfernung.

 



Lösungen suchen:

Die Regionale Schulentwicklung (RSE)

Ziel regionaler Schulentwicklung ist die Gestaltung einer für alle Beteiligten – Schüler, Eltern, Betriebe, Gemeinden und Lehrer – attraktiven Schule am Wohnort mit der Absicht, möglichst viele Schüler des Ortes bis zur 10. Jahrgangsstufe dort zu halten.

 
Attraktiv – Die Lerninhalte werden auf das lokale Umfeld abgestimmt. Quali und mittlerer Schulabschluss werden an der Schule vor Ort angeboten. Ganztagsunterricht gemäß örtlichem Bedarf ermög-licht eine lebendige Schul- und Unterrichtskultur.

Nah – Die Verlagerung von Entscheidungskompetenzen auf die Region ermöglicht eine wohnort-nahe Schule, die auch bei geringer Schülerzahl eine attraktive und differenzierte Förderung erlaubt und die keine weiteren Bildungswege verbaut.

Offen – Eltern, Betriebe und Vereine sorgen für abwechslungsreiche Lernangebote an außerschulischen Lernorten. Berufsexperten tragen zur Profilbildung der Schule und zur Verbesserung der Ausbildungschancen der Schüler bei.

Flexibel – Die Schule entscheidet, mit welcher Unterrichtsorganisation die Schüler am besten zu fördern sind. Eine flexible Bildung von Lerngruppen zur Vermittlung einzelner Lerneinheiten sowie zusätzlicher Förderunterricht ermöglichen jedem Schüler den bestmöglichen Schulabschluss.

Pragmatisch – Neben Kooperation zwischen Schulen sollen auch schulartübergreifende Lösungen nicht ausgeschlossen werden, wenn sie regional sinnvoll sind.

Regionale Schulentwicklung (RSE) stärkt die Gemeinde nachhaltig. Sie fördert den Austausch zwischen Eltern, Betrieben und der Schule. Es ergeben sich neue Gestaltungschancen für die Gemeinde, um langfristig für Wirtschaft, Kultur und Familien attraktiv zu bleiben.

 



Gemeinsam handeln

Wege zur Lösung

 

Gemeinsame Konzeptentwicklung

 

1. Schritt:

Vorgespräche möglichst breit angelegt mit allen Betroffenen und Interessierten.

 

2. Schritt:

Grundsatzbeschluss durch den Gemeinde- bzw. Stadtrat und ggf. dem Schulverband zur Einleitung einer regionalen Schulreform.

 

3. Schritt:

Analyse der lokalen Schulsituation und ihrer absehbaren Entwicklung mit dem Ziel der Erstellung eines lokalen Schulentwicklungsplans.

 

4. Schritt:

Erstellen eines Schulkonzepts mit Aussagen zu Inhalten, Didaktik und Organisation unter Beteiligung der Betroffenen.

 

5. Schritt:

Präsentation und Diskussion des Konzepts in der lokalen Öffentlichkeit und Meinungsbild ggf. Abstimmung darüber in der Kommune.

 

6. Schritt:

Beantragung zunächst eines Modellversuchs beim Kultusministerium.

 

7. Schritt:

Umsetzung des Vorhabens in einzelnen Handlungsschritten nach ausgearbeiteten Projektplänen.

 

Ansprechpartner beim BLLV können in Fragen der Regionalen Schulentwicklung (RSE) mit pädagogischer und konzeptioneller Erfahrung weiterhelfen. Mit ihnen können konkrete Konzepte und Vorgehensweisen vor Ort besprochen werden, um ein wohnortnahes, den lokalen Verhältnissen angemessenes Schulangebot zu finden.

Ansprechpartner anfordern unter schulpolitik (at) bllv.de


 


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Der 2007 veröffentlichte Familienatlas zeigt, dass örtliche Bildungsangebote oft über den Verbleib junger Familien in der Gemeinde entscheiden. Bayern hat Handlungsbedarf.

Wohnort und Schulerfolg

Das Staatsinstitut für Schulentwicklung und Bildungsforschung (ISB) hat die regionalen Unterschiede der Bildungsangebote und Schülerleistungen in den Landkreisen Bayerns untersucht. Es gibt gravierende Differenzen. 

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Dannhäuser: Vater der regionalen Schule

Ehrenpräsident Dr. h.c. Albin Dannhäuser hat 1987 das Konzept der regionalen Schule entwickelt.