18. Oktober 2017

„Wir wollen Demokratie in der Schule leben!“

BLLV diskutiert mit Landtagspolitikern Forderungspapier

Diskutierten über Demokratiepädagogik: Dr. Fritz Schäffer (rechts, Leiter der BLLV-Abteilung Schul- und Bildungspolitik), BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU).

Die Zeiten für die Demokratie und die offene Gesellschaft sind rauer geworden. Deshalb muss sich die Demokratiepädagogik neu aufstellen. Es sei zu wenig Zeit für nachhaltige Demokratiepädagogik, sie sei zu theorielastig:  Das ist das Resümee vieler Lehrkräfte. Aus diesem Grund suchte der BLLV das parteienübergreifende Gespräch mit den politisch Verantwortlichen im Landtag. Der BLLV warb mit einem Sechs-Punkte-Papier für eine Aufwertung der Demokratiepädagogik.

 

Demokratiebildung genießt in der Bayerischen Verfassung oberste Priorität. „Die Schüler sind im Geiste der Demokratie zu erziehen“, heißt es in Artikel 131. Der Alltag an den Schulen lässt dafür aber nur wenig Raum. Bei einer Blitzumfrage unter BLLV-Mitgliedern gaben 95 Prozent der 400 Teilnehmer an, mehr Zeit für die Förderung demokratischen Bewusstseins und Verhaltens im Unterricht zu brauchen. Die große Mehrheit wünscht sich mehr Partizipationsrechte bei der Schulentwicklung (90 Prozent) und Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler (77 Prozent). Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber einen klaren Trend an.

 

Demokratie muss an den Schulen gelebt werden
Mit Blick auf das Erstarken von populistischen und extremistischen Strömungen in Deutschland fordert der BLLV, dass demokratische Bildung an Bayerns Schulen deutlich aufgewertet und im Alltag stärker verankert werden muss. „Die Schule ist dazu verpflichtet, Schüler zu demokratisch gesinnten und mündigen Staatsbürger zu erziehen. Als mündige Staatsbürger verteidigen sie die Demokratie, weil sie sich mit ihr als Lebensform identifizieren“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann bei der Vorstellung des BLLV-Positionspapiers im Bayerischen Landtag

 

In der Praxis reduziert sich dieser aus der Verfassung abgeleitete Auftrag oft auf die bloße Vermittlung von Sachinformationen im Unterricht. „Demokratie soll nicht nur Lerngegenstand sein, sie muss zu einer Lebensform werden. Wir wollen Demokratie in der Schule leben“, betonte Fleischmann vor Spitzenpolitikern der Landtagsfraktionen.

 

Schüler wollen über Politik reden
Dass die heutige Schülergeneration unpolitisch sei, hält Dr. Fritz Schäffer für ein Vorurteil. „Ich stelle ein großes Bedürfnis bei Schülern fest, sich im Unterricht über aktuelle politische Themen auszutauschen, zum Beispiel über die Bundestagswahl“, berichtet der Leiter der BLLV-Abteilung Schul- und Bildungspolitik von seinen Erfahrungen als Lehrer. „ Es ist wichtig, dass die Schule zu Themen, die Schülerinnen und Schüler tief bewegen, Raum für Gespräche anbietet.“ Schäffer warb auch dafür, Schülern und Eltern mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten einzuräumen. „Damit verbunden ist auf der anderen Seite die Abgabe von Macht durch die Schulverwaltung, Schulleitung und auch durch uns Lehrkräfte.“

 

Im Positionspapier fordert der BLLV unter anderem:

  • die Aufwertung der Bedeutung des Bildungsziels Demokratie, z.B. durch mehr Projektarbeiten und Zeit für demokratiepädagogische Prozesse, 
  • die Stärkung der politischen Bildung, z.B. durch Ausweitung des Stundenumfangs der Fächer politischer Bildung, 
  • die Stärkung der politischen Medienkompetenz, z.B. durch Stärkung der Kritikfähigkeit gegenüber Medieninhalten,
  • mehr Partizipation in einer demokratischen Schule, z.B. durch die Förderung neuer partizipativer Modelle wie Klassenrat und Schülerparlament,
  • einen demokratischen Unterricht, z.B. durch die Etablierung einer wechselseitigen Feedbackkultur im Unterricht,
  • mehr Demokratiepädagogik in der Lehrerbildung, z.B. durch die Stärkung demokratiepädagogischer Inhalte in allen drei Phasen der Lehrerbildung.

BLLV-Positionspapier zur Demokratiepädagogik

 

Mehr zum Thema:

 

 

Statements von Landtagspolitikern

Barbara Stamm (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags: „Wir müssen jungen Menschen Orientierung geben, was unsere Gesellschaft und Demokratie ausmacht. Der BLLV fordert Zeit für Bildung, Zeit zur Entschleunigung. Diese Botschaft möchte ich allen mit auf den Weg geben. Zeit ist etwas ganz wertvolles. Es gibt niemanden, der mehr Zeit braucht, als unsere Kinder. Wenn wir jetzt nicht alarmiert sind, wann sind wir dann alarmiert?“

 

Otto Lederer (CSU):  „In der Demokratie ist es wichtig, eine offene Streitkultur zu bewahren – in gegenseitigem Respekt. Die Schule bietet hier unzählige Anknüpfungspunkte. Neben der Familie ist Schule die Sozialisationsinstitution, in der man das lernen kann. Demokratiepädagogik möchte ich nicht auf den Sozialkundeunterricht beschränken, das ist eine überfachliche Aufgabe. Und wir sollten außerschulische Lernorte nicht vergessen.“

 

Prof. Dr. Michael Piazolo (Freie Wähler): „Das gesellschaftliche Klima verändert sich schleichend und damit die Sprache. Der Umgang mit Sprache wird auch in der Schule erlernt. Hier sage ich: Wehret den Anfängen. Deshalb gefallen mir die sechs Handlungsfelder. Wir müssen unsere Solidarität mit den Lehrerinnen und Lehrern zeigen, denn sie sind im Grunde die Feuerwehrleute der Gesellschaft und müssen vieles ausbügeln. Wir unterstützen deshalb die Initiative des BLLV.“

 

Thomas Gehring (Bündnis 90/Grüne): „Das bayerische Schulsystem ist stark von Fachlichkeit geprägt. Deshalb müssen wir den Sozialkundeunterricht stärken. Nichtsdestotrotz brauchen wir Demokratiepädagogik auch überfachlich. Die Wahl von Trump zum US-Präsidenten ist selbstverständlich ein Thema für den Englisch-Unterricht. Wir müssen auch mehr Politik und Parteilichkeit in der Schule zulassen. Wer eine Haltung hat, soll sie zeigen dürfen. Wir brauchen bei den Lehrkräften Mut zur Haltung. Denn als Vorbilder prägen sie Schülerinnen und Schüler.“

 

Martin Güll (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Kultus des Bayerischen Landtags: „Art. 131 Abs. 3 der Verfassung des Freistaates Bayern legt fest: ,Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.' Weil es diesen Verfassungsauftrag gibt, kann sich Schule der Aufga-be der Demokratieerziehung gar nicht entziehen – und sie darf es auch nicht. Die Politik hat die Aufgabe die Schulen mit allem, was sie für diesen Auftrag brauchen, top auszustatten.“

 

 



Suche

Im Blickpunkt

Wartungsarbeiten an BLLV.de

Am BLLV-Webauftritt werden vom 16. bis 19. Januar 2018 Wartungsarbeiten durchgeführt. Einzelne Inhalte sind in dieser Zeit nicht abrufbar. Wir bitten um Verständnis.

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni

Services/Hilfe

Seminare für angehende Referendare

Sie beginnen im Februar das Referendariat? Dann kommen Sie zu unseren Ref-Check-Seminaren! Weitere Informationen