09. September 2015

Lehrerversorgung auf dünnem Eis

Neues Schuljahr startet trotz großer Herausforderungen mit zu wenig Personal



Pressemitteilung -  Für den regulären Unterricht reicht es - mehr aber ist nicht drin. Mit diesen Worten lässt sich die Situation an den Schulen zu Beginn des Schuljahres gut beschreiben. „Zusätzliche Angebote wie Arbeitsgruppen, Förderstunden oder Differenzierungen sind an vielen Schulen nicht möglich“, erklärte die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann, heute in München. Sie befürchtet, dass es bei einer auf so dünnem Eis angelegten Lehrerversorgung im Laufe des Schuljahres kritisch werden wird. Viele Schulleitungen verfügten über keinerlei Reserven. „Die ständig steigende Zahl von Flüchtlingskindern erfordert jetzt ausreichende zusätzliche Ressourcen. Wir brauchen einen Seismografen für die Unterrichtsversorgung.“ Die Situation an den Schulen müsse über das ganze Schuljahr hinweg beobachtet werden. Nur so sei spezifisch, regional und flexibel auf die Bedürfnisse der Einzelschule zu reagieren.

 

„Die vielfältigen Zusatzaufgaben in den Schulen können nicht mit den zugeteilten Lehrerstellen geleistet werden“, stellte die BLLV-Präsidentin wenige Tage vor Schulbeginn fest. Dazu müsse deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden. Sie appellierte an das Kultus- und Finanzministerium, die Frage der Bildungsfinanzierung in den Mittelpunkt zu stellen. Im Nachtragshaushalt gelte es Farbe zu bekennen. „Gute Schule steht und fällt mit einer guten Ausstattung. Wie sonst sollten die Herausforderungen im kommenden Schuljahr bewältigt werden?“


Dem neuen Schuljahr sieht Fleischmann mit Skepsis entgegen: „Es gibt viel Gutes wie z.B. den Schulversuch „Bilingualer Unterricht“ oder die „Offene Ganztagsgrundschule“. Es gebe aber auch eine Reihe ungelöster Aufgaben, wie z.B. die Umsetzung der Inklusion, die offene Zukunft des Gymnasiums, den dort vorherrschenden Mangel qualifizierter Lehrkräfte in naturwissenschaftlichen Fächern, das nach wie vor schlechte Image der Mittelschule, die viel zu großen Klassen an den Realschulen, die vielfältigen Notwendigkeiten der individuellen Förderung und der Differenzierung sowie den unverändert hohen Übertrittsdruck an den Grundschulen. Diese Herausforderungen dürften nicht in den Hintergrund geraten.


Hinzu komme die ständig steigende Zahl von Flüchtlingskindern mit allen damit verbundenen Herausforderungen. Fleischmann: „Sie werden nicht nur Mittel- und Grundschulen, sondern in absehbarer Zeit auch Realschulen und Gymnasien vor ganz neue Aufgaben stellen.“ 


Zwar habe das Kultusministerium die Zahl der Übergangsklassen und die Stunden zur Deutschförderung deutlich erhöht, allerdings sei auch klar, dass dies nicht ausreiche. „Die Schulen brauchen weitaus mehr Unterstützung“, sagte Fleischmann. Viele der Flüchtlingskinder besuchten keine Übergangs-, sondern Regelklassen. „Und da mangelt es an Allem, z.B. an Dolmetschern, an Pädagogen, an Psychologen und an zusätzlich unterstützendem Personal“, kritisierte sie.  Die jungen Menschen zu unterrichten sei eine große Herausforderung. In ihr liege aber auch die Chance für Veränderungen in der Gesellschaft.


„Wenn Schulen Integration gut vorleben, leisten sie einen großen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und friedlichen Miteinander. Schulen sind Orte mit gesellschaftlichem Vorbildcharakter. Lehrerinnen und Lehrer wollen diese Verantwortung übernehmen. Wir wollen alles tun, damit eine Willkommenskultur und ein professionelles Miteinander gelebt werden kann. Eltern, Schüler und Lehrer müssen hier verantwortlich und engagiert zusammenarbeiten. Schulen dürfen nicht allein gelassen werden. Die Belastungsgrenze der Kolleginnen und Kollegen darf nicht überschritten werden.“

 

Andrea Schwarz, BLLV-Pressereferentin M.A. Tel: 089/ 72 100 129, presse (at) bllv.de

 

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