17. Juni 2016

Sind Lehrkräfte ausgebrannt, verschlechtern sich ihre Schüler

Studie weist Bedeutung der Lehrergesundheit nach

Sind Lehrerinnen und Lehrer emotional erschöpft, wirkt sich das negativ auf die Leistungen ihrer Schüler aus. Das hat ein Forscherteam der Uni Kiel herausgefunden. Für ihre Studie wertete es Mathetests von über 22.000 Schülerinnen und Schülern aus. Der Zusammenhang von hoher Belastung bei den Lehrern und schlechter Matheleistung bei den Schülern zeigte sich besonders in Klassen mit Kindern, die zu Hause nicht deutsch sprechen.

 

Ergebnisse empirischer Studien zeigen: Motivation und Wissen eines Lehrers sind sehr wichtig für Motivation und Lernerfolg ihrer Schüler. Man geht davon aus, dass auch Stress und Burnout von Lehrkräften die Leistungen der Kinder beeinflussen. Das erscheint naheliegend, bislang beschäftigen sich damit allerdings nur wenige wissenschaftliche Studien. Das Hauptsymptom von Burnout ist die emotionale Erschöpfung, ein Zustand, in dem man sich kraftlos und schwach fühlt.

 

Ein Forscherteam um die Psychologin Uta Klusmann vom Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik hat die emotionale Erschöpfung von Lehrkräften in den Fokus ihrer Untersuchung gerückt. Die Studie ist im „Journal of Educational Psychology“ erschienen.

 

Analyse von Daten des Ländervergleichs

Die Forscherinnen und Forscher analysierten Daten der Ländervergleichsstudie 2011 für Grundschulen, durchgeführt vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). In die Analyse gingen Daten von rund 1.000 Mathematik-Lehrkräften und deren rund 22.000 Schülerinnen und Schüler ein.

 

Die Lehrer gaben dabei u.a. den Grad ihrer emotionalen Erschöpfung an. Die Schüler bearbeiteten standardisierte Tests, die ihr Mathekönnen anzeigen, ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und ihre Motivation. Zusätzlich beantworteten die Eltern der Kinder Fragen zum sozioökonomischen Hintergrund der Familie (Beruf, Bildungsstand und Einkommen) und gaben an, welche Sprache zu Hause mit den Kindern gesprochen wird.

 

Höherer Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund verstärkt Zusammenhang

Es zeigte sich: Je emotional erschöpfter die Lehrer, umso schwächer waren tendenziell die Matheleistungen der Schüler. Dieser zwar kleine, aber statistisch bedeutsame Effekt trat unabhängig von anderen Lehrereigenschaften auf, und auch unabhängig von den kognitiven und psychosozialen Merkmalen der Schüler. In Klassen mit hohem Migrationshintergrund bei den Kindern zeigte sich dieser Zusammenhang besonders deutlich.

 

Die Ursachen

Das Forscherteam vermutet, dass emotional erschöpfte Lehrkräfte nicht genügend Ressourcen freisetzen können, um in Klassen mit hoher Diversität angemessen auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. „Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass nicht nur die fachliche Qualität von Lehrkräften für die Schülerinnen und Schüler wichtig ist, sondern auch deren affektives Erleben“, fasst Uta Klusmann gegenüber der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zusammen.

 

Im Mittel geringe Erschöpfung der Lehrkräfte

Erfreulicherweise weisen Grundschullehrer im Mittel relativ geringe Werte in der emotionalen Erschöpfung auf. Männer und Frauen zeigen keine unterschiedlichen Werte in der emotionalen Erschöpfung. Allerdings berichten ältere Lehrkräfte tendenziell eine höhere Erschöpfung. „Auch wenn der absolute Effekt von Erschöpfung eher klein ausfällt, kann sich ein andauernder Erschöpfungszustand einer Lehrkraft langfristig negativ auf die erreichten Lernleistungen niederschlagen“, sagt Uta Klusmann.

 

So bewertet der BLLV die Studie

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann bewertet die Studienergebnisse als wenig überraschend, aber zentral. Die Studie bestätige, „wie wichtig es ist, Lehrerinnen und Lehrer vor einem Ausbrennen bei der Arbeit zu schützen – im Interesse der Lehrer und der Schüler. Das erreichen wir durch Aufklärung über Burnout und Resilienz. Damit befähigen wir den einzelnen, sich durch kluges Verhalten vor emotionaler Erschöpfung besser zu schützen“, sagte Fleischmann.

 

Damit allein sei es aber nicht getan, so Fleischmann weiter: „Lehrerinnen und Lehrer müssen auch strukturell im Unterricht entlastet werden: durch mehr Gestaltungsfreiraum, Zwei-Lehrer-Prinzip und Bildungsinvestitionen, die den Steuermehreinnahmen nicht hinterherhinken.“



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