Mein Leben für eine pädagogische Schule

Im Spannungsfeld von Wissenschaft, Weltanschauung und Politik

Ehrenpräsident Dr. Wilhelm Ebert legt seine Memoiren vor


Präsentation im Presseclub München

In seinen spannend geschriebenen Lebenserinnerungen führt Wilhelm Ebert den Leser durch ein halbes Jahrhundert bildungspolitischer Entwicklungen mit seinen Höhen und Tiefen.

Er war als Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, des Verbandes Bildung und Erziehung und der Weltvereinigung der Lehrerorganisationen auf bayerischer, deutscher und internationaler Ebene mitgestaltend tätig. Unermüdlich trat er ein für eine fruchtbare Verbindung von schulischem Lernen, politischem Handeln und wissenschaftlichem Forschen.

Getreu seiner Überzeugung, dass Trennung Vorurteile schafft, bekämpfte er Fundamentalisten aller Art, die sich im Besitz absoluter Wahrheiten wähnten. Zentrales Motiv seines Handelns war stets die Sicherung einer wahrhaft pädagogischen Schule und der Freiheit des Lehrers.

Die ungelöste Spannung zwischen Bildungsanspruch und Verwertungsnutzen, schulischer Tradition und erzieherischer Emanzipation bewegt nach wie vor sein Denken im Geist der Demokratie. Wilhelm Ebert: "Ohne große Freiräume kann demokratische Verantwortung nicht erlernt und eingeübt werden."


Fotodokumente aus dem Leben Wilhelm Eberts

In zahlreichen Text- und Fotodokumenten ist das Leben Wilhelm Eberts festgehalten. Neben privaten Fotos  finden sich im Archiv viele Dokumente über seine politische Arbeit in Bayern, Bonn und Paris. Darüber hinaus sind Dokumente über seine zahllosen Reisen und weltweiten Begegnungen als Weltlehrerpräsident erhalten.

Eine kleine Fotoauswahl finden Sie in der Fotogalerie

 

Antrittsbesuch bei Bundeskanzler Helmut Schmidt

 

 


Textprobe aus " Mein Leben für eine pädagogische Schule" von Wilhelm Ebert

(Julius Klinkhardt Verlag 2009)

Auszug aus dem 2. Kapitel:

BLLV-Forderungen werden zur Grundlage einer Regierung ohne CSU (1947 bis 1957)

 

Der Montagskreis etabliert sich

Ich hatte für den Abend wenig Süßigkeiten, dafür ausreichend Käsegebäck, auch keinen Schnaps oder Wein, sondern Bier bereitgestellt. Gegen 19 Uhr kamen alle, die wir zu dem Treffen eingeladen hatten, in mein Büro. Die meisten waren nicht zum ersten Mal hier. Es gab herzliche Begrüßungen. Dann erklärte Knoeringen das Ziel der Zusammenkunft. Es gehe darum, die Regierungsmacht mit einem Höchstmaß an politischer Gestaltung für das Gemeinwesen auszuschöpfen. In völlig informeller Atmosphäre und entspannter Gemütlichkeit sollten alle wichtigen Abläufe in Regierung und Parlament gründlich durchgesprochen werden. Den Schwerpunkt bilde die Kulturpolitik.

Knoeringen begann mit einem Bericht über die Vormittagsberatung im Koalitionsausschuss. Dort waren die vier Parteien übereingekommen, ihren Gesetzentwurf zur Lehrerbildung ganz unabhängig von der Staatsregierung im Landtag einzubringen ... weiter

 


Textprobe aus " Mein Leben für eine pädagogische Schule" von Wilhelm Ebert

(Julius Klinkhardt Verlag 2009)

 

Schlussgedanken

Zwei Sachverhalte, die bisher nur beiläufig oder nicht in einem durchgängigen Zusammenhang dargestellt werden konnten, möchte ich – neben einer biographischen Notiz – abschließend zur Sprache bringen: Das andauernde Spannungsverhältnis zwischen Aufklärung und klerikaler Bildungspolitik sowie nationale und internationale Entwicklungen im Schulwesen.

Sechzig Jahre meines Lebens war ich in Lehrerorganisationen für eine Weiterentwicklung der Schule und ihrer Lehrer in Bayern, in Deutschland und auf internationaler Ebene tätig. Dabei ging es um die Frage: Was soll wie und mit welchen kulturellen Werten gelehrt und gelernt werden? Mein berufliches Leben war reich an Begegnungen mit großen Persönlichkeiten, aber auch reich an Auseinandersetzungen über Bildungs- und Lehrerfragen. Es bewegte sich in den Pendelbewegungen zwischen Tradition und Fortschritt, Restauration und Erneuerung im eigenen Land sowie im Spannungsfeld der Nationen, Kulturen und Weltanschauungen. Dabei hatte ich es zu tun mit Konfessionalismus und Kommunismus, mit Kolonialismus, Diktatur und Diskriminierung unterschiedlichster Art. Zugleich mischte ich mich ein in Bildungstheorien und Bildungspraktiken und damit in die Bewegungen für Schulreformen im Sinne demokratischer Ordnungsvorstellungen.

Heute verstehe ich deutlicher die Motivation für meinen Lebensweg, der damit begann, daß ich, 1947 aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen, als „Flüchtling“ bayerischen Boden betrat. Voller Tatendrang wollte ich am Aufbau eines demokratischen und freien Deutschlands mitwirken, aber woher nahm ich damals als einfacher Junglehrer den Mut, die Kraft und die Sicherheit, gegen die im Schulwesen vorherrschende Staats- und Kirchentradition des Landes Bayern öffentlich aufzutreten? Dazu gab es vier prägende Erfahrungen, die zu meinem Gepäck gehörten, als ich 1947 ins Land kam ... weiter

 


Fazit

Biografie und Weltgeschichte

Eberts Lebenserinnerungen liegen nun vor. Auf stattlichen 955 Seiten entsteht ein vielschichtiges Bild der bildungspolitischen Entwicklungen in Bayern, Deutschland und der Welt in der Zeit zwischen 1948 und 1993. Ebert ist ein Werk gelungen, das den unterschiedlichsten Erwartungen standhält.

Es ist die Geschichte eines Volksschullehrers aus einfachen Verhältnissen, dessen Karriere als Weltlehrerpräsident seinen Höhepunkt erreicht. Es ist die Geschichte der Emanzipation der bayerischen Volksschullehrer auf ihrem Weg zur akademischen Ausbildung im Jahr 1958 und damit zur professionellen Anerkennung – ein steiniger Weg gepflastert mit Anfeindungen, Intrigen und Diskriminierungen. Es ist auch die Geschichte der Emanzipation der bayerischen Volksschule aus der über 100 Jahre währenden kirchlichen Kontrolle – in Bayern ein Kampf gegen die katholische Kirche und den klerikalen Flügel der CSU, der zumindest offiziell beendet wurde mit der Abschaffung der Konfessionsschule und der Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule im Jahr 1968.

Eberts Werk ist die Geschichte der Vierer-Koalition unter Wilhelm Hoegner von 1954 bis 1957 – der einzigen Regierung im Nachkriegsbayern ohne Beteiligung der CSU. An deren Zustandekommen und an ihrer bildungspolitischen Programmatik war der junge Ebert maßgeblich beteiligt. Eberts Memoiren sind auch die Geschichte der Modernisierung eines traditionsreichen, in seinen Strukturen aber konservativen Berufsverbandes gegen erhebliche Beharrungskräfte und persönliche Eitelkeiten. Es ist schließlich die Geschichte der internationalen Bildungsdiskussion der 60er und 70er Jahre, die Bildung als den Schlüssel zur Modernisierung definierte. Und es ist die Geschichte eines Pädagogen, der die Schule immer wieder versucht auf ihren pädagogischen Kern zurückzuführen – am eindrucksvollsten und prägnantesten formuliert in seiner Rede „die demokratische Erziehungsschule“ gehalten im Jahr 1978 in Augburg.

Die ganze Rezension

 

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