Konzepte und Diskussionsgrundlagen zum Gymnasium

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G8 am Ende? Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion. Download (PDF) Lesen
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G8 am Ende?

Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion

Die Einführung des G8 hat sich als Fehler erwiesen, die Korrekturen des Kultusministeriums als Kosmetik. Die Baustelle Gymnasium wird immer unübersichtlicher und die Unzufriedenheit von Eltern, Schülern und Lehrern immer größer. Die aktuelle Diskussion zeigt erneut: Eine Reform des Gymnasiums braucht ein neues Verständnis von Lernen und Leistung.

 

 

Es ist offensichtlich: Das G8 ist gescheitert. Die Verdichtung des Stoffes durch die Kürzung der Gymnasialdauer ist für alle Beteiligten eine Zumutung. Eine Weiterentwicklung des Gymnasiums im Sinne eines kompetenzorientierten modernen Lernbegriffs ist dadurch noch schwieriger geworden. Seit seiner missglückten Einführung regt sich Protest gegen das verkürzte Gymnasium. Der Widerstand nimmt weiter zu. Das Kultusministerium versucht seit Jahren, diesem Widerstand den Boden zu entziehen. Doch keine der Maßnahmen, keine der PR-Offensiven zeitigte Erfolg. Der Protest will nicht verstummen. Mittlerweile haben auch die Oppositionsparteien das Potenzial des Themas erfasst. Die Freien Wähler haben ein Volksbegehren zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 eingeleitet. Der Versuch der Staatsregierung, vor der Landtagswahl die Baustelle Gymnasium und die Lehrer, Eltern und Schüler zu beruhigen, startete im vergangenen Sommer mit einem sog. „Runden Tisch“. Er tagte auf Einladung des Ministerpräsidenten höchst persönlich. Leider lud das Kultusministerium dazu nur die Verbände ein, deren Repräsentanten zusammen mit der Kultusverwaltung Mitverursacher der G8-Misere sind, wie den Bayerischen Philologenverband und die Direktorenvereinigung. Eine echte Vertretung der Interessen der Gymnasiallehrer, die täglich unter dem Murks des G8 leiden, wurde so leider verhindert.

 

Placebo Flexijahr

Entsprechend fielen die Ergebnisse aus: Die beschlossenen Maßnahmen sind in erster Linie reine Kosmetik. Anstatt Verbesserungen für Schüler und Lehrer zu beschließen, flüchten sich die Protagonisten in inhaltsleere Worthülsen wie „Monitoring“, „Mentorensystem“, „Förderdiagnostik“, „Diagnosekompetenz“ und „Frühwarnsystem“. Hinter diesen Modewörtern steht kein ernst zu nehmendes Konzept. Die zur Verfügung gestellten Ressourcen für ihre Umsetzung sind angesichts der vor zwei Jahren durchgeführten massiven Stellenverlagerungen aus dem Gymnasium an die Universität lächerlich.

 

Niemand glaubt ernsthaft, dass das „Flexibilisierungsjahr“ die Probleme des G8 lösen kann. Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass sich die Zahl der Schüler, die sich für eine der Flexi-Varianten entscheidet, in einem Prozentbereich befinden wird, mit dem eine Partei nur unter „Sonstige“ subsumiert würde. Offensichtlich sieht das KM das genauso, denn für mehr als eine Handvoll Schüler je Gymnasium reichen die dafür vorgesehenen Lehrerstunden sicher nicht. Deshalb wählt man den einfachen Weg, den schwarzen Peter den Schulen zuzuschieben: „Über die pädagogische Gestaltung soll jede Schule bedarfsorientiert und eigenverantwortlich entscheiden.“ (Originalton KM) Allein für das Flexijahr bräuchte eine Schule erheblich mehr als die zugesagten Stunden, wenn sie eine seriöse Hilfe und nicht nur eine Mogelpackung anbieten will.

 

Symptomatisch für die Taktik, schöne Worte zu verkaufen, die nichts kosten dürfen, ist die Tatsache, dass die auf der Website des KM angepriesenen Maßnahmen der Modellschulen zum Teil dort von Elterninitiativen und den Sachaufwandsträgern organisiert und finanziert werden. Das KM hat damit nur eins zu tun: Es schlachtet diese sinnvollen Initiativen für sich aus!

 

Lehrer bleiben kritisch

So wundert es auch nicht, dass das Flexibilisierungsjahr bei der Lehrerschaft durchfällt. Wie aus einer Blitzbefragung des BLLV hervorgeht, hält nur ein verschwindend geringer Teil der Gymnasiallehrer das Flexibilisierungsjahr für geeignet, den Zeitdruck am G8 zu verringern und mehr Möglichkeiten für neue Lernmethoden zu schaffen. Die Umfrage war mit etwa 250 Befragten zwar nicht repräsentativ, der Trend ist allerdings beeindruckend deutlich: So lehnen 85 Prozent der befragten Gymnasiallehrer das Flexibilisierungsjahr ab, nur zwei Prozent versprechen sich davon eine Verbesserung (Die Umfrageergebnisse können Sie hier einsehen).

 

 

Gymnasium hat qualitative Probleme

Aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer laufen die bislang vorgestellten Maßnahmen zum Stressabbau am G8 ins Leere. So schätzen nur 16 Prozent die Möglichkeiten zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler für ausreichend ein – erdrückende 84 Prozent dagegen nicht. Nur sechs Prozent sind der Meinung, dass der Stoffdruck am achtjährigen Gymnasium durch bisher vorgenommene Kürzungen in den Lehrplänen spürbar verringert wurde. Über 50 Prozent würden sogar eine flächendeckende Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium befürworten.

 

Trotzdem: Eine bloße Renaissance des G9 verspricht keine sinnvolle Lösung. Sie reduziert das Problem auf die Frage der Schuldauer und verkennt, dass das G8 vor allem qualitative Probleme hat, denn: Die Probleme des G8 sind nicht neu, sondern schlicht die alten des G9 in verdichteter Form. Am Gymnasium herrscht zuviel Druck, für Schüler, Lehrer und Eltern! Es wird zu viel Stoff in zu vielen Fächern in zu kurzer Zeit durchgenommen und abgeprüft. Wenn sich daran nichts grundlegend ändert, wird auch ein Schuljahr mehr oder gar die Wahlfreiheit keine echten Verbesserungen bringen, jedoch zu großen organisatorischen Umsetzungsschwierigkeiten führen.

 

Das Gymnasium muss sich so weiter entwickeln, dass es modernen lern- und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen entspricht. Heute leidet das Gymnasium unter dem Spagat zwischen dem Festhalten an überkommenen und veralteten Strukturen und einer halbherzigen und meist nur oberflächlich propagierten Öffnung für neue Lern- und Unterrichtsmethoden. Dadurch entsteht ein Widerspruch, den Lehrer und Schüler aushalten müssen. So soll beispielsweise fächerübergreifendes Lernen praktiziert werden, obwohl die Klassen bis zu 16 verschiedene Fächer haben. So soll außerunterrichtliches Lernen stattfinden, ohne dass Fachunterricht ausfallen darf. Die Liste dieser Widersprüche ließe sich beliebig fortsetzen. Die Wiedereinführung des G9 wäre dann eine wirkliche Lösung, wenn sie genutzt würde, um diese Reformen konsequent durchzusetzen.

 

Hinzu kommt ein ausgewachsenes Ressourcenproblem. Die Klassen und Lerngruppen sind häufig zu groß, Unterrichtsausfall ist an der Tagesordnung. Anrechnungsstunden wurden massiv beschnitten. Die propagierten Fördermaßnahmen leiden unter einer eklatanten Unterfinanzierung. Bisher setzte jede Nachbesserung des KM, die von der Schulfamilie am „Runden Tisch“ auch noch mitgetragen wird, auf den Placebo-Effekt. Der Öffentlichkeit – und vor allem den Wählern – wird vorgegaukelt, dass man etwas tue, um die Probleme des G8 zu lösen. Doch es bleibt bei Worthülsen und Hilfen in homöopathischen Dosen, ohne dass die nötigen Mittel oder sonst echte Hilfen für die Umsetzung bereitgestellt werden. Kein Wunder, dass das Vertrauen dahin ist.

 

Neudefinition des Lernverständnisses

Dem bayerischen Gymnasium kann nur geholfen werden, wenn es sich für grundlegende Reformen öffnen darf. Dazu gehören eine Neudefinition des überholten Lern- und Leistungsverständnisses und ausreichend mit Ressourcen, insbesondere mit ausreichend Lehrerstunden ausgestattete Maßnahmen für mehr individuelle Förderung aller Schüler.

 

Der BLLV hat seine Vorstellungen für eine Weiterentwicklung des Gymnasiums in den Konzepten "Gymnasium neu denken" und "Vom Lehrplan zum Lernplan" zusammengefasst. Beide Konzepte können im Netz heruntergeladen oder als Broschüre kostenlos angefordert werden.

 

StD Dr. Fritz Schäffer, Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik im BLLV

OStR Roland Kirschner, Leiter der Fachgruppe Gymnasium im BLLV

 

Juni 2013

 

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