Zu einer echten Ganztagsschule gehören auch sinnvolle Ergänzungsangbote, die über eine bloße Hausaufgabenbetreuung hinausgehen wie zum Beispiel dieser Kochkurs.

Riesige Bedarfslücke bei Ganztagsschulen

Das bayerische Kultusministerium plant, Ganztagsangebote flächendeckend und bedarfsgerecht einzuführen. Die Bedarfslücke ist riesig: Im Schuljahr 2010/11 bestanden an rd. 17% der Schulen gebundene Ganztagsklassen, 2011/12 nahm der Anteil auf 20% zu. An vielen Schulen waren sie jedoch erst im Aufbau, d.h. nicht in allen Jahrgangsstufen und bei weitem nicht dem Bedarf entsprechend vorhanden.

Faktisch konnten 2010/11 nur ca. 38.000 Schüler (3% aller bayerischen Schüler) eine der rd. 1.700 gebundenen Ganztagsklassen besuchen. In dieser Form der Ganztagsschule werden die Schüler am Nachmittag unterrichtet und nicht nur betreut. Freizeit- und Unterrichtsphasen wechseln sich ab. Genaue Klassen- und Schülerzahlen für das laufende Schuljahr hat das Ministerium bisher nicht vorgelegt, sie bewegen sich zwischen 4% bis 5% der Schüler.

Weiter verbreitet sind dagegen offene Ganztagsangebote, also Nachmittagsbetreuung ohne Unterricht. 2010/11 gab es 3.130 Gruppen, 2011/12 sind es 3.500.


Schuljahr 2012/13

Schüler in
GT-Klassen

GT- Klassen insgesamt

GT-Klassen

zusätzlich

Lehrerstellen

zusätzlich

10% Schüler in GT-Klassen

121.940

5.500

3.800

1.800

20% Schüler in GT-Klassen

243.880

11.100

9.400

4.700

Schuljahr 2015/16

Schüler in
GT-Klassen

Anzahl GT-Klassen

GT-Klassen

zusätzlich

Lehrerstellen

zusätzlich

10% Schüler in GT-Klassen

114.710

5.200

3.500

1.700

20% Schüler in GT-Klassen

229.420

10.400

8.700

4.200

30% Schüler in GT-Klassen

344.130

15.600

13.900

6.800



20,7% der bayerischen Schulen haben gebundene Ganztagsklassen. Das bloße Addieren spiegelt aber nicht die tatsächliche Versorgung der Kinder mit einem solchen Bildungsangebot. Denn: Es werden hier auch Schulen mit nur einer oder zwei Ganztagsklassen mit gezählt. Ausschlaggebend ist jedoch der Versorgungsgrad der Schüler. Er lag im Schuljahr  2010/11 bei 3%, im Schuljahr  2011/12 dürfte er die 5%-Marke nicht übersteigen.

Bayern hinkt damit anderen Bundesländern deutlich hinterher: Im Bundesdurchschnitt besuchten 2009 11,9% der Schüler gebundene Ganztagsklassen. In Baden-Württemberg waren es 13,2%, in Rheinland-Pfalz 16,1%, in Nordhein-Westfalen sogar 17,6% (Quelle: KMK: Allgemein bildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland - Statistik 2005 bis 2009).

Der rasche Ausbau der gebundenen Ganztagsklassen ist aus Sicht des BLLV dringend erforderlich. Zum einen ist der Bedarf groß, - er liegt schätzungsweise bei rund 30% der Schüler -  zum anderen sind gebundene Ganztagsklassen pädagogisch sinnvoller.


Künftiger Lehrerbedarf für den Ausbau von Ganztagsklassen

Wenn 2012/13 zehn Prozent der Schüler eine gebundene Ganztagsklasse besuchen sollen, müssten rd. 5.500 Ganztagsklassen vorhanden sein, 3.800 mehr als 2010/11. Bei der derzeitigen Lehrerstundenzuweisung von 12 zusätzlichen Stunden pro gebundener Ganztagsklasse entspricht dies 1.800 zusätzlichen Lehrerstellen. Sollen 20% der Schüler Ganztagsklassen besuchen, bedarf es 4.700 zusätzlicher Lehrerstellen.

Soll 2015/16 die Zielmarke 30% erreicht werden, müssen unter Berücksichtigung des Schülerrückgangs 15.600 Ganztagsklassen eingerichtet werden, 13.900 mehr als 2010/11. Dies entspricht 6.800 Lehrerstellen mehr für die Ganztagsklassen.


Schulen in Bayern

Insgesamt

mit gebundenen Ganztagsklassen 2010/11

mit gebundenen Ganztagsklassen 2011/12

Grundschulen

2.415

239

9,9%

302

12,5%

Haupt-/Mittelschulen

1.065

408

38,3%

430

40,4%

Förderschulen

356

93

26,1%

115

32,3%

Realschulen, staatlich

223

14

6,2%

20

9,0%

Wirtschaftsschulen, staatl.

28

0

0%

4

14,3%

Gymnasien (5-10), staatl.

309

7

2,3%

33

10,7%

Schulen insgesamt (1-10)

4.368

761

17,4%

904

20,7%

Klassen insgesamt (1-10)

    56.450

1.700

3,0%

Nicht veröffentlicht

Schüler insgesamt (1-10)

 1.266.526

38.250

3,0%

Nicht veröffentlicht


Finanzierung der Lehrerstellen für Ganztagsklassen

Sowohl die 10% Versorgung 2012/13 als auch die 30% Versorgung 2015/16 könnten in vollem Umfang aus dem Rückgang der Schülerzahlen im Schulsystem finanziert werden, wenn die Zahl der Lehrerstellen bei rückläufigen Schülerzahlen nicht reduziert wird („demografischen Rendite“). Zusätzliche Personalkosten würden damit nicht anfallen.



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