51. Landesdelegiertenversammlung 2007

Die 51. Landesdelegiertenversammlung des BLLV fand vom 17. bis 19. Mai 2007 in Würzburg statt. An ihr nahmen 511 Delegierte und über 40 Gastdelegierte teil. Nach 23-jähriger Präsidentschaft von Dr. h. c. Albin Dannhäuser wurde als Nachfolger Klaus Wenzel gewählt

 



Rede des scheidenden Präsidenten Dr. h.c. Albin Dannhäuser

gehalten am 18.05.2007 in Würzburg
anlässlich der 51. Landesdelegiertenversammlung des BLLV

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Es gilt das gesprochene Wort.

 

 

Frau Bürgermeisterin, Abgeordnete des Deutschen Bundestags, Abgeordnete des Bayerischen Landtags, Herr Staatsminister, verehrte Gäste, Kolleginnen und Kollegen…

Heute ist in diesem Festsaal der "Bildungsquotient" überwältigend hoch. Uns allen ist es ein Herzensanliegen, dass unsere jungen Menschen bestmöglich ausgebildet und erzogen werden. Durch Ihre Teilnahme erweisen Sie dem BLLV als bildungspolitische Kraft Ihre Reverenz.
Viele von Ihnen - Gäste, Verbündete, Freunde - sind gekommen, weil ich nach 23 Jahren mein Amt als Präsident des BLLV zurückgebe. Dies ist eine große Geste der persönlichen Wertschätzung und Verbundenheit.
Ich danke Ihnen allen aufrichtig. Ihre anerkennenden Worte, sehr geehrter Herr Staatsminister Schneider, und jene, die mich schriftlich erreicht haben, erfüllen mich mit einem beruhigenden Gefühl und mit Freude.

 

1. Die bildungspolitische Diskussion gibt Anlass zum Optimismus

In der Bildungspolitik ist uns eine Schönwetterperiode vorhergesagt. In der Berufspolitik halten sich die Wettermacher noch bedeckt. Die aktuelle Phase ist mindestens spannend. Es ist faszinierend, dass sich so viele so engagiert in die Bildungsfrage einbringen aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Vor wenigen Wochen hat der "Aktionsrat Bildung" der Diskussion weitere Stromstöße verpasst. Der UN-Sonderbeauftragte Munoz hat uns Ratschläge gegeben - zugegeben, unbequeme und aus der Sicht von so manchem vor allem ungebetene.

Bei uns in Bayern hat Ministerpräsident Stoiber Bildung wiederholt zum "Megathema des 21. Jahrhunderts" ausgerufen und jetzt sogar ein Milliardenprojekt angekündigt: "Kinder, Bildung, Arbeitsplätze." Das eröffnet enorme Perspektiven! Freilich geht das Gezerre um das Fell des Bären bereits jetzt los, obwohl er noch gar nicht erlegt ist - ja noch nicht einmal gesehen wurde. - Auch die Bären haben in Bayern inzwischen ihre Lektion gelernt!

Zum angekündigten Bildungsprogramm erinnern Sie, Herr Franz Maget von der SPD-Fraktion, dass die CSU bei Ihnen abgeschrieben hätte. - Als Lehrer wären wir in diesem Fall nicht so streng und würden das Blatt auch nicht wegnehmen. Vielmehr würden wir vermitteln: Wer abschreibt, bescheinigt dem Urheber zumindest hohe Kompetenz - wenn nicht sogar höhere …

Sie, sehr geehrter Herr Staatsminister, Sie haben vor wenigen Tagen beim Hauptschulgipfel zusammen mit dem Ministerpräsidenten - und auch heute wieder - viele Erwartungen geweckt. Darauf werde ich noch zurückkommen. Wir dürfen jedenfalls feststellen: Bildung hat Hochkonjunktur - vor allem rhetorisch. Und wenn jetzt auch noch die Staatskassen klingeln, denken wir bereits jetzt an Weihnachten. Dann müssen wir nur noch unsere Wunschzettel ans Fenster stecken. Eigentlich sollte uns allen das Herz vor Freude hüpfen.

 

2. Sichtbare Fortschritte trotz magerer Jahre

Als ich 1984 zum ersten Mal zum BLLV-Präsidenten gewählt wurde, sah das grundlegend anders aus. Wilhelm Ebert, mein Vorgänger, schrieb damals: "Erziehung und Bildung sind keine zentralen Diskussionsthemen der Öffentlichkeit: Bildungsreformen sind nicht mehr gefragt. Schlimmer noch: Emotional aufgeladene reformfeindliche Thesen finden Beifall - und das, obwohl wir noch weit von einem Schulwesen entfernt sind, das den pädagogischen Ansprüchen eines Sozial- und Kulturstaates entspricht." Die folgenden Jahre waren magere und dürre Jahre. Die Diskussion über die Schule war wegen fruchtloser Ideologiekämpfe verbrannt. Die Bildungspolitik folgte der Regel Nr. 1 beim Mikadospiel: Nur nichts bewegen! Selbst der leiseste Versuch einer positiven Veränderung stieß auf Granit.

Als der BLLV 1987 zum x-ten Mal ein freiwilliges 10. Schuljahr an der Hauptschule forderte, hat uns der damalige Kultusminister abgefertigt: "Es ist schwer begreifbar, warum sich der BLLV immer noch um eine Neuauflage der überholten Diskussion um ein 10. Hauptschuljahr bemüht ... Der BLLV sieht die Hauptschule nur durch die Verbandsbrille."
Die Finanzminister der Länder hielten in den 80er und 90er Jahren eine Fastenpredigt nach der anderen. Sie beschlossen z.B.: Trotz steigender Schülerzahlen dürften keine weiteren Lehrerplanstellen geschaffen werden. Dasselbe empfahl der Oberste Bayerische Rechnungshof.

Kienbaum empfahl ein Spar-Rezept der einfachsten Hausmannskost, das uns heute noch im Magen liegt: Man kürze die Stundentafel, mache die Klassen größer und lasse die Lehrer länger arbeiten. Kosten der Expertise: ca. 2 Mio. DM. - Auf eine solche schlichte Strichrechnung im Zahlenraum von 1 bis 35 wären wir in fünf Minuten gekommen! - Aber in der Politik ist offensichtlich nichts zu teuer, wenn es ums Sparen geht und um fadenscheinige Begründungen. Wir, der BLLV, waren gezwungen, eine Gegenoffensive zu eröffnen. Wir organisierten Massenpetitionen mit bis zu 200.000 Unterschriften. Zwei Demonstrationen: 12.000 auf dem Marienplatz in München 1992 und 15.000 auf dem Odeonsplatz 1998. - Die Staatsregierung war "not amused".

Ab 1993 folgte die schrittweise Einführung der 6-stufigen Realschule. Damals führten professionelle Märchenerzähler vor allem die Bürgermeister hinters Licht. Erstens: Die R6 lässt sich kostenneutral umsetzen. Zweitens: Die Hauptschule wird keinen Schaden nehmen. Juristen würden von "arglistiger Täuschung" sprechen. Bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums unterliefen jede Menge handwerkliche Fehler. Schüler haben heute eine 45 - 50-Stunden-Woche. Dennoch sind die handelnden Personen über alle Selbstzweifel erhaben. Sie verhalten sich nach dem Grundsatz der amerikanischen Überzeugungsrhetorik: "You may be wrong, but never in doubt!"

Trotz der mageren und dürren Jahre konnte der BLLV der Staatsregierung einige Zugeständnisse abringen. Franz Josef Strauß hat uns gegenüber bei unserer 125-Jahrfeier 1986 eine Planstellengarantie abgegeben. Dadurch und durch die Schaffung Hunderter von Planstellen wurde in Bayern eine Massenarbeitslosigkeit junger Lehrer verhindert.

Das 10. Schuljahr an der Hauptschule wurde eingeführt. - Leider 20 Jahre zu spät. Das waren für die Hauptschule 20 verlorene Jahre! Die frühe Förderung wurde ausgebaut - insbesondere die Sprachförderung bei Kindern mit Migrationshintergrund - und die sonderpädagogische Förderung. Für ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen ist ein Einstieg gelungen - das war ein familienpolitischer Quantensprung, wenn man die Diskussion der 80er Jahre in der Mehrheitsfraktion dagegenhält.
Wir halten Ihren Plan, Herr Fraktionsvorsitzender Herrmann, für wichtig, Ganztagsschulen sukzessive für alle Schularten anzubieten und nicht nur für Hauptschulen. Es wäre eine verhängnisvolle Gettoisierung, wenn assoziiert würde: Ganztagshauptschule ist gleich soziale Brennpunktschule.

Umgesetzt wird unsere Forderung nach mehr Sozialpädagogen - wenn auch nur in Tippelschritten. Sie, Frau Margarete Bause, vom Bündnis 90 / die Grünen haben ausgerechnet: wenn der Ausbau in diesem Tempo so weitergeht, dauert es noch 120 Jahre bis jede Schule einen Sozialpädagogen hat. Es kann sein, dass die Staatsregierung ihr Ziel schneller erreicht - einfach indem sie Hunderte von Schulen auflöst …

Die universitäre Lehrerbildung und die staatliche Lehrerfortbildung befinden sich im internationalen Vergleich auf hohem Niveau. Einig waren wir uns darin, dass das Staatsexamen Bedingung für den Eintritt in den Vorbereitungsdienst bzw. das Referendariat bleiben muss.

Unser wichtigstes Anliegen haben wir erfolgreich fortgeführt. Wir haben erreicht, dass Politik und Öffentlichkeit erkennen, welche herausragende Bedeutung Bildung und Erziehung hat für jeden Einzelnen und für unsere Gesellschaft. Wir haben produktive Unruhe gestiftet. Bei diesem ständigen Antreiben haben wir viele Verbündete gefunden. Gemeinsam ist es gelungen, dass der bildungspolitische Karren nicht stehen blieb.Darauf dürfen wir stolz sein. Erst seit den PISA-Studien erleben wir kräftige Anschübe.

 

3. Die bildungspolitische Wirklichkeit hält mit den Herausforderungen nicht Schritt

Wenn nicht alles täuscht, kommen also verheißungsvolle bildungspolitische Zeiten auf uns zu. Das ist für uns alle ermutigend. Und es gibt dazu auch keine Alternative. Denn die Herausforderungen mit denen unser Gemeinwesen konfrontiert ist, sind übermächtig:

  • Der Prozess der Globalisierung hat alle Lebensbereiche erfasst. Wir stehen in einem harten internationalen Wettbewerb. Die Warenproduktion wird in "Billiglohnländer" verlagert. Auf dem Arbeitsmarkt haben Ungelernte nahezu keine Chance. Unser Wirtschaftsleben verlangt vielmehr bestmöglich qualifizierte Menschen. Mit ihnen stehen und fallen unsere Chancen auf dem Weltmarkt.
  • In der demografischen Entwicklung verschiebt sich der Altenquotient erheblich. Immer mehr Ältere stehen immer weniger Jüngeren gegenüber. Grenzüberschreitende Mobilität macht unsere Gesellschaft kulturell, ethnisch und religiös vielfältiger. Die neue "soziale Frage" heißt Integration. Die bildungspolitische Wirklichkeit hält mit diesen Herausforderungen nicht Schritt.

3.1 Viele Schüler erreichen die Bildungsziele nicht

Nach der PISA-Studie 2003 erreicht lediglich jeder siebte Schüler die unterste Kompetenzstufe. Das Gymnasium verlassen pro Schuljahr 14.202 Schüler vorzeitig. Aus den Realschulen wechseln 5.967 Schüler an die Hauptschule. Eigentlich kann man das nicht verstehen. Bei uns werden Kinder sehr früh in Schularten sortiert, die für sie angeblich die richtigen sind. Wenn sich aber alle Schüler in der richtigen Schule befinden und trotzdem nicht erfolgreich lernen, kann irgendetwas nicht richtig sein.

In Bayern wiederholen 4,1 % der Schüler eine Klasse. Das ist in Deutschland trauriger Rekord. 10.878 Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss. Bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund gehen mehr als ein Fünftel ohne Abschluss von der Schule. Nur noch einer von Vieren macht eine betriebliche Lehre. Es besteht die akute Gefahr, dass sich bei ausländischen Jugendlichen ein gesellschaftlich explosives Gemisch zusammenbraut aus Schulversagen, beruflicher Aussichtslosigkeit und sozialen Demütigungen. Wer keine Perspektive hat, ist auch besonders anfällig für Gewalt und für extreme politische Gruppierungen. Die soziale Zeitbombe tickt. Es gibt also gar keine andere Wahl, als schnell und konsequent zu handeln!

 

3.2 Die Bildungschancen sind immer noch ungleich

Ein entscheidender Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und zur sozialen Balance sind gleiche Bildungschancen für alle Kinder. Alle vorliegenden Bildungsstudien belegen, dass die Bildungschancen eines Kindes direkt zusammenhängen mit seiner sozialen, ethnischen und regionalen Herkunft. So wechseln z.B. in Erlangen 51 % der Grundschüler in ein Gymnasium. Im Landkreis Rottal-Inn sind es lediglich 21 %. In Bayern hat ein Kind aus der Oberschicht eine 10-Mal höhere Chance ein Gymnasium zu besuchen als ein Kind aus einem Arbeiterhaushalt. Diese Kluft ist in ganz Deutschland am größten. Soziale Armut ist auch Bildungsarmut. Von 100 Kindern, die im Kindergarten arm waren, schaffen lediglich vier den Sprung aufs Gymnasium.
Wir bleiben dabei: Diese Befunde sind beschämend. Wenn die Bildungschancen eines Kindes ganz überwiegend von seiner Herkunft abhängen, so ist dies in einem demokratischen Sozial- und Rechtsstaat ein Skandal.

 

3.3 Pädagogen sollen richten, was andere anrichten

In unseren Schulen und Bildungseinrichtungen bündeln sich die Probleme der Gesellschaft wie in einem Brennglas. Immer mehr Familien zerbrechen. Die Gegensätze von Arm und Reich verschärfen sich. Der Anteil verhaltensauffälliger Kinder ist gestiegen. Jedes fünfte Kind ist seelisch krank. Eine halbe Million Kinder sind in Deutschland in psychotherapeutischer Behandlung. Die Formen von Gewalt haben sich verändert - auch gegen Lehrer. Nach einer Untersuchung von Prof. Joachim Bauer wird während eines Schuljahres jeder zweite Lehrer beleidigt oder bedroht.

Wie die Eltern zuhause, so konkurrieren wir Lehrer in der Schule mit der Unterhaltungsmaschinerie der TV-Kanäle, der Computerspiele und des Internets. Viele Kinder und Jugendliche sehen täglich 3 - 4 Stunden fern oder surfen im Internet. Vorbilder und Verhaltensniveau bewegen sich in einigen Fernsehkanälen oft auf einem Tiefpunkt. Immer mehr müssen wir Lehrer und Erzieher richten, was andere anrichten - vor allem aus reiner Geschäftemacherei. Auch, wenn Killerspiele nicht verboten werden, warnen wir vor der Gefahr der psychischen Deformation. Wir können nicht erkennen, dass brutale und menschenverachtende Gewaltorgien pädagogisch wertvoll sind!

 

3.4 Die Lern- und Arbeitsbedingungen sind belastend

Die Lern- und Arbeitsbedingungen in Schulen und Kindergärten sind schwierig. Viele Gruppen und Klassen sind noch zu groß. Vor allem in den Realschulen und Gymnasien platzen die Klassen aus allen Nähten. Beim 8-jährigen Gymnasium werden sich die Probleme der Lehr- und Stundenpläne und des Raumbedarfs wohl noch einige Jahre hinziehen.

Alle leiden darunter, dass sie mit immer mehr Aufgaben überhäuft werden. Verwaltungsangestellte leisten zusätzliche Arbeiten, die weder bei den Tätigkeitsmerkmalen auftauchen noch bei der Lohnabrechnung. Erzieherinnen müssen viele Aufgaben außerhalb ihrer Arbeitszeit erledigen, wegen der nutzungzeitbezogenen Finanzierung der Kindergärten.
Förderlehrer und Anwärter werden als Lehrerersatz zu Dumpingpreisen missbraucht. Bei unseren Förderschulen funktioniert der Mobile Sonderpädagogische Dienst bestenfalls auf dem Papier - und selbst dort nicht richtig. Durch die Veränderungen der Oberstufe des Gymnasiums erhöht sich die Korrekturarbeit für Deutsch- und Mathematiklehrer pro Schuljahr um mindestens 100 Stunden.
Schulaufsichtsbeamte verwenden mehr Zeit für das Krisenmanagement als auf die Qualitätsentwicklung.
Abwegig ist es, welchen Aufwand unsere Kolleginnen und Kollegen in der Grundschule betreiben müssen bei der Abfassung der Zeugnisse! - Nichts gegen die Beobachtung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens. Das war schon immer so. Aber der gesamte Aufwand ist so sinnlos, weil pädagogische Hilfen fehlen. Er stiehlt wertvolle Zeit, die für die Förderung der Kinder fehlt. Es kann doch nicht sein, dass wir mehr berichten als unterrichten! Herr Kultusminister, machen Sie bitte diesem Spuk der Kategorisierung schnell ein Ende!

Schulleiter seien als Führungspersonen für das Gelingen von Schule und für die Schulentwicklung von zentraler Bedeutung. Das ist reine Verwaltungsarbeit. Im Schulalltag sind sie nicht Zugpferde, sondern Lastesel. Sie müssen sich mehr auf ihren Unterricht in Klassen konzentrieren als auf die Kooperation mit ihren Kollegen, mit Eltern und Schulträgern. Sie verzetteln ihre Zeit mit irgendwelchen Statistiken und Verwaltungsprogrammen, die nicht zusammenpassen, ziehen ihnen den letzten Nerv.

Nach dem neuesten Gutachten von Prof. Dr. Rosenbusch fühlt sich der überwiegende Teil der Schulleiter im Stich gelassen. Wir leisten Tag für Tag eine Arbeit, von der viele außerhalb der Schule sagen: "Ich könnte das nicht!" Wenn jetzt das Kultusministerium für freiwillige Mehrarbeit wirbt, so ist das eine originelle Idee.

Unlängst habe ich zufällig ein Gespräch zwischen zwei Mädchen mit angehört. Es ging ums Heiraten und ob nicht ein Lehrer infrage käme. Da wehrte das eine Mädchen energisch ab und sagte: "Ich heirate einmal keinen Lehrer. Die sind fix und fertig, wenn sie nach der Schule heim-
kommen …"

 

3.5 Das Bildungswesen ist unterfinanziert

Die folgenden Zahlen hören vor allem Haushälter gar nicht gern. Aber es gibt nichts zu beschönigen: Das gesamte Bildungswesen ist unterfinanziert. 2003 investierten die OECD-Staaten durchschnittlich 0,6 % ihres Brutto-Inlandsprodukts mehr in Bildung als die öffentliche Hand in Deutschland. Damit fehlen uns dem deutschen Bildungssystem 12,8 Mrd. Euro. Nach Untersuchungen der OECD wendet Deutschland für ein Grundschulkind 800 US Dollar weniger auf als im Mittel der OECD-Länder und liegt damit an 20. Stelle von 28 untersuchten Staaten.

Wer über die besondere Bedeutung der frühen Förderung unserer Kinder spricht, sollte diese Zahl künftig nicht vertraulich behandeln. Selbst wer die Mittel für Bildung ausschließlich unter volkswirtschaftlichen Aspekten analysiert, weiß: Bildung hat einen entscheidenden Effekt auf das Wirtschaftswachstum. Bildung rechnet sich aber nicht nur ökonomisch, sondern zahlt sich auch für das Sozialwesen aus.

 

4. Unser Ziel heißt: Bessere Bildung für alle!

Hier in Würzburg richten wir von dieser Versammlung an die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft den Appell: Setzen Sie sich ein für bessere Bildung für alle! Bessere Bildung für alle, damit meinen wir: Qualitätsvolle Bildung unabhängig davon, ob Kinder aus Akademikerfamilien kommen oder aus Arbeiterfamilien, ob sie in wohlhabenden oder prekären Verhältnissen leben, ob sie deutscher oder ausländischer Herkunft sind, ob sie in einer Großstadt leben oder auf dem Land. Bessere Bildung für alle Kinder - das ist unser kategorischer Imperativ, vor allem an alle Verantwortlichen in Politik und definitionsmächtigen Institutionen. Damit meinen wir: Setzen Sie sich für die Bildung und Erziehung eines jeden Kindes so ein, als wäre es Ihr eigenes!

Mit unserer Forderung: Bessere Bildung für alle! führen wir bruchlos die Forderungen fort, die sich bereits 1863 in der Denkschrift des BLLV finden. Unsere Gründer riefen damals eindringlich dazu auf: "Die Leistungen der (Volks-)Schule möglichst zu steigern, ist eine kaum zu überhörende Forderung der Zeit". Diese Forderung "wurzelt ... in der Einsicht, dass geschäftliche Tüchtigkeit und Rührigkeit, welche die Konkurrenz der Nachbarstaaten aufzunehmen vermag, wesentlich durch den Grad der erlangten Bildung bedingt werde."

Bildung ist für den einzelnen jungen Menschen eine Lebensfrage. Nur Bildung befähigt ihn, am kulturellen, ökonomischen und sozialen Leben teilzuhaben und teilzunehmen. Bildung ist für unsere Gesellschaft eine Überlebensfrage. Nur bestmöglich gebildete und ausgebildete Menschen, sind in der Lage, den globalen Wettbewerb zu bestehen, den Generationenvertrag zwischen Alt und Jung einzulösen und das Zusammenleben menschenwürdig und friedlich zu gestalten.

 

5. Konsequenzen für die Bildungs- und Berufspolitik

Wir Pädagogen stellen prinzipiell die Frage: Was ist zu tun? Aber natürlich auch: Ist der eingeschlagene Weg richtig?

 

5.1 Bessere Bildung für alle heißt: Die Bildungsqualität muss sichergestellt sein

Unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten PISA-Studie (2000) wurden in allen Bundesländern Maßnahmen eingeleitet, um die Qualität der Schulen zu verbessern. Einige Reformen zeigen erste Wirkung. Dazu gehörte u.a. die Vorlage eines "Bayerischen Erziehungs- und Bildungsplans", die Verzahnung von Kindergarten und Grundschule, die Sprachförderung, der Ausbau von Ganztagsangeboten. Inzwischen wurden weitere Reformansätze konkretisiert. Bildungsstandards, Qualitätsagenturen, externe und interne Evaluation. Diese Instrumente dienen der Steuerung der einzelnen Schule. Inzwischen gehört "Evaluation" zum festen Bestandteil der Schulentwicklung. Schulen sollen ihre Qualität durch Wettbewerb steigern. Die "Philosophie", die dahinter steht, ist eine neoliberale Effizienzorientierung.

Zugegeben: Für die Entwicklung der Schulqualität ist es wesentlich, dass nicht nur die Unterrichtsmethoden, sondern auch die Unterrichtsergebnisse ermittelt werden. Allerdings, viele von uns spreizen sich intuitiv dagegen. Denn die Maßstäbe der Pädagogik sind nicht die Maßstäbe der Wirtschaft. Was wir meinen, lässt sich knapp zusammenfassen: Erstens: Evaluation ja - aber bitte dann auch Beratung und Zeit zur Qualitätsentwicklung! Zweitens: Qualitätsverbesserung selbstverständlich! Aber Schul-Ranking - nein danke! Drittens warnen wir vor einer Testomanie. Unsere Schule wird geradezu erdrückt durch noch mehr Kontrolle und noch mehr Tests. Bei aller Qualitätsorientierung darf es nicht so weit kommen, dass in unseren Schulen nur noch zählt, was gezählt werden kann. Wo nur das Ergebnis zählt, hat Bildung schon verloren!

Wir wissen wovon wir reden. Das Lernen in unseren Schulen dreht sich nicht in erster Linie um Bildung, sondern um Abschlüsse. Unsere Schüler haben ihre Lektion längst verinnerlicht. Sie lernen vor allem für Tests, Punkte, Noten und Zeugnisse. Sie kalkulieren knallhart wie die Buchhalter auf zwei Stellen hinter dem Komma, ob es sich lohnt, für die nächste Schulaufgabe noch etwas zu tun oder nicht. Vor diesem Hintergrund wirken die Präambeln von Lehrplänen wie weltfremde Texte aus der pädagogischen Romantik. Das Wichtigste, was wir jungen Menschen mit auf den Weg geben müssen, ist die Motivation für lebenslanges Lernen und das Vertrauen in die eigenen Kräfte.

Bildung ist mehr als die PISA-Studien ermitteln. Bildung ist ein Prozess, der die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit zum Ziel hat, der also auch die musisch-sportliche und künstlerisch-praktische Bildung umfasst. Wie verstehen Bildung als einen Prozess, in dem es gelingt, das Wissen und Können einzuordnen in Wertebezüge. Bildung soll junge Menschen dazu befähigen, für die eigene Entscheidung Verantwortung zu übernehmen und von einem ethisch begründeten Standort aus zu handeln. Wissen ohne Werte ist wertlos.

 

5.2 Bessere Bildung für alle heißt: Keine Bildungsstufe darf vernachlässigt werden

Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Daraus folgt: Bildungspolitik muss das Recht auf Bildung für alle Kinder und Jugendlichen einlösen. Bildung steht dem einen nicht mehr zu und dem anderen weniger, dem einen nicht früher oder dem anderen später, dem einen nicht besser und dem anderen schlechter. Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Dr. Ludwig Eckinger hat es auf den Punkt gebracht: "Die Bildung eines jeden liegt im Interesse aller".

Angesichts des Qualifikationsbedarfs in der globalisierten Welt gilt es, alle Begabungspotentiale zu fördern. Deshalb darf keine Bildungsstufe vernachlässigt werden. Das gilt für den Kindergarten, für die Grundschule, für die Sekundarstufe I und II.

In einer besonders schwierigen Lage ist derzeit die Hauptschule. Erst hat man ihr das Wasser abgegraben. Jetzt muss sie künstlich bewässert werden. Viele reden von der "letzten Chance".

Sehr geehrter Herr Staatsminister, Sie haben die bildungspolitische und gesellschaftliche Brisanz der Hauptschulentwicklung erkannt und zu Ihrem zentralen Thema gemacht. Dazu gehört Mut, denn nicht wenige haben diese Schulart bereits abgeschrieben. Wir ordnen Ihre Ansätze sehr pragmatisch ein. Deshalb habe ich Ihnen mehrfach zugesichert, das didaktische und pädagogische Konzept zu unterstützen: Die Modularisierung von Inhalten, das theoriegeleitete praktische Lernen, die enge Abstimmung mit der lokalen Wirtschaft, das bedarfsgerechte Angebot der rhythmisierten Ganztagsschule. - Einiges trägt ja auch die Handschrift des BLLV.

Aus unserer Sicht hängt der Erfolg von bestimmten strukturellen, personellen und finanziellen Bedingungen ab. Das haben wir besprochen und das habe ich Ihnen bereits vor einigen Wochen schriftlich gegeben: Wichtig ist auch, dass dem Mittleren Abschluss an der Hauptschule nicht der Geruch der Zweitrangigkeit anhaftet. Die Mittleren Abschlüsse aller Schularten müssen gleichwertig sein. Ohne Wenn und Aber!

Jetzt geht es um richtig viel Geld. Sie haben ja den Beschluss des Kabinetts für mehr Ganztagsschulen und mehr Lehrerstellen. 1.300 sollen es sein. SPD und Grüne haben Ihnen vorgehalten, das sei Heuchelei, weil soeben erst 1.660 Stellen umgeschichtet wurden. Für Eingeweihte sind solche Geschenkformen nicht neu.

Mich erinnert das an meine Kindheit in der Nachkriegszeit. Wenige Wochen vor Weihnachten wurde mir mein Holzspielauto weggenommen und versteckt. Es wurde neu angestrichen und an Weihnachten wieder unter den Christbaum gestellt. Da habe ich mich natürlich gefreut! - Es hatte aber nach wie vor vier Räder. Beim Vergleich mit den Stellen würde - im übertragenen Sinn - ein Rad fehlen …

Entscheidend ist jetzt, dass schnell und überzeugend gehandelt wird. Hauptschüler brauchen eine faire Chance. Sie betonen zu Recht "kein Abschluss ohne Anschluss". Für viele Hauptschüler ist dies bislang leider nur ein Wunschtraum. Die Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen brauchen für ihre Unterrichts- und Erziehungsarbeit endlich spürbare pädagogische Hilfe und deutlich mehr Zeit.

Der BLLV ist außerordentlich besorgt über das grassierende Wegbrechen von Schulstandorten. Fast 700 Hauptschulen sind bereits von der Landkarte verschwunden. Momentan sind gerade noch 1.000 da. Der Ministerpräsident hat an uns geschrieben, es handele sich nicht um "Schulschließungen", sondern um die "Zusammenführung der Teilhauptschulen", um "die Schulart Hauptschule insgesamt zu stärken". (12. Februar 2007).

Die Fusion von schwächelnden Filialen mag ein Sanierungsrezept aus der Sicht der Betrietswirtschaft sein - bei Schulen haben wir unsere Zweifel. Denn Gemeinden ohne Schule verlieren ihre Jugend und ihre kulturelle Mitte. Gemeinden laufen Gefahr, dass sie zu seelenlosen Schlafdörfern verkümmern.

Herr Staatsminister, Sie haben das schulpolitische Handlungsprinzip "loslassen und zulassen". Damit gibt es neue inhaltliche und organisatorische Gestaltungsmöglichkeiten. Durch mehr Entscheidungskompetenzen vor Ort lassen sich eine Reihe offener Fragen konstruktiv und passgenau beantworten, insbesondere der Erhalt von Schulstandorten. Der Bayerische Landtag müsste lediglich an die Regionen die Kompetenz delegieren, dass sie äußere Angelegenheiten ihrer Schulen so weit wie möglich selbst regeln können.

 

5.3 Bessere Bildungschancen für alle heißt: Förderung statt Auslese

Unsere pragmatische Hauptschulpolitik ist kein Widerspruch zu unserer prinzipiellen pädagogischen Position, die hinreichend bekannt ist. Nach unserer Überzeugung erfolgt die Auslese nach vier Grundschuljahren zu früh. Der BLLV tritt bereits seit 1920 für eine längere gemeinsame Schule ein - und er hat diese Position 1947 bekräftigt. Wir können also heute ein Jubiläum feiern.

Wir wollen, dass Kinder in Ruhe ihre Leistungsfähigkeit und Neigungen entwickeln - ohne schädlichen Auslesedruck. Wir wollen nicht, dass die Schule bereits für 10-jährige Kinder als soziales Rüttelsieb fungiert. Was sich derzeit in den Grundschulen abspielt, geht sowohl uns Lehrern als auch den Eltern unter die Haut. Kinder stehen unter Druck. Sie fälschen die Korrektur, um eine bessere Note herauszuholen, sie weinen, wenn sie nur die Note 3 erreichen. 20 % der Grundschulkinder werden durch privaten Nachhilfeunterricht über die Übertrittshürde gehievt. Das kostet die Eltern viel, viel Geld. Unsere Junglehrer in der ABJ haben unlängst beklagt, dass es inzwischen einen "regelrechten Übertrittskrieg" gibt.

Wir denken vom Kind aus, wir stellen vor allem pädagogische Fragen: Ist die frühe Auslese für die kindliche Lernentwicklung eher ein Nutzen oder ein Schaden? Ist das Lernen in homogenen Leistungsgruppen effektiver als in leistungsheterogenen? Werden durch einen längeren gemeinsamen Unterricht die Leistungsstärkeren nachweisbar benachteiligt? Momentan propagiert das Kultusministerium "jahrgangsgemischte Klassen".

Es wird völlig zu Recht festgestellt: "Lern- und Wissensvorsprünge von Schülern werden zur Förderung von schwächeren Kindern genutzt, wobei lehrende und lernende Schüler eine Bereicherung erfahren. Individualisierung und Differenzierung sind die wesentlichen Vorzüge des Konzepts jahrgangsübergreifenden Unterrichts …"
Diese Vorzüge verlieren allerdings in der 5. Jahrgangsstufe schlagartig ihre Gültigkeit. Jetzt stellen wir uns die einfache Frage: "Warum?" Angesichts der kulturellen, ethnischen und religiösen Vielfalt unserer Gesellschaft müssen wir leider auch festhalten: Die frühe Auslese ist kein Beitrag zur Integration, sie ist kein Beitrag zur Entwicklung von solidarischem Bewusstsein und kein Beitrag zur Sicherung der sozialen Balance.

 

5.4 Bessere Bildung für alle braucht professionelle und anerkannte Pädagogen

Der Lehrer- und Erzieherberuf ist einer der wichtigsten, den die Gesellschaft zu vergeben hat. Daraus leiten wir unsere berufspolitischen Ansprüche ab.

  1. Der Lehrer- und Erzieherberuf bedarf einer exzellenten theorie- und berufsbezogenen Professionalisierung. Deshalb kämpfen wir für eine weitere Verbesserung der Aus- und Fortbildung. Dieses Ziel verfolgt der BLLV seit 146 Jahren konsequent. In unserer Denkschrift heißt es dazu: "Die Umgestaltung der Lehrerbildung muss … als Kern- und Angelpunkt der gesamten Schulfrage geklärt werden."
  2. Wir fordern für alle Lehrämter nicht nur eine angemessene Alimentation, sondern auch ein Beförderungsamt. Einige Lehrergruppen haben bislang keine Chance während ihres gesamten Berufslebens wenigstens einmal befördert zu werden. Das ist eine Missachtung des Leistungsprinzips und das ist eine berufspolitische Abwertung. Für Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Aussicht gestellt. Mit der Föderalismusreform hat sich die Zuständigkeit in der Beamtenbesoldung geändert. Seit Jahrzehnten wird uns ein Beförderungsamt versprochen. Jetzt kann die Bayerische Staatsregierung handeln - jetzt muss die Staatsregierung Wort halten! Wir fordern eine exzellente Aus- und Fortbildung. Wir fordern dienstliche und berufspolitische Anerkennung. Wir tun dies mit großem Selbstbewusstsein.

Der Lehrer- und Erzieherinnenberuf ist ein gesellschaftlicher Schlüsselberuf. Wir befähigen junge Menschen am beruflichen, sozialen kulturellen Leben teilzunehmen. Wir legen das Fundament für wirtschaftliche Stabilität und Prosperität. Wir leisten einen wesentlichen Beitrag zur Integration und zur sozialen Balance. Wir vermitteln grundlegende Werte, die unser Gemeinwesen zusammenhalten. Wir geben jungen Menschen eine Grundausstattung mit auf den Weg, damit sie in einer Gesellschaft, die sich dramatisch verändert, lebens- und überlebensfähig sind. Im Mittelpunkt unserer Verantwortung steht das Wohl und Werden der uns anvertrauten Kinder und jungen Menschen. Es entspricht unserem pädagogischen Ethos, sie bestmöglich zu bilden, ihre Anlagen, Neigungen und Interessen zu fördern, eventuelle Benachteiligungen auszugleichen. Von uns hängt es wesentlich ab, ob ein Kind Selbstvertrauen gewinnt oder unsicher wird, ob es in seinem Selbstwertgefühl gestärkt oder gebrochen wird, ob es ich selbst etwas zutraut oder ob es resigniert. Entscheidend dafür ist eine Mut machende Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Jede und jeder von uns hat diese Mut machende Beziehung zu seinen Lehrern erfahren dürfen.

Es ist für mich eine ganz besondere Freude, dies heute meiner eigenen Lehrerin aus der Grundschule sagen zu dürfen. Sie ist hier. Frau Antonie Baumann war eine Lehrerin, mit großem pädagogischem, methodischem Geschick. Bei ihr wussten wir: Sie will, dass wir etwas lernen und dass wir uns anstrengen. Bei ihr spürte ich, sie ist gerecht. Ich kann ihr vertrauen. Sie mag mich. Diese Erfahrung war für mich entscheidend. Dafür kann ich Ihnen, liebe Frau Baumann, gar nicht genug danken!

Wir Lehrerinnen und Lehrer spielen eine wichtigere Rolle als wir selbst wissen. Wir sind unseren Schülern Beispiel, wir geben ihnen Orientierung und Zuversicht.
Je mehr die Wertvorstellungen in der Gesellschaft auseinanderdriften, desto entschiedener versuchen wir, sie in der Schule zusammenzuhalten. Je mehr traditionelle Institutionen sich von ihrer originären Erziehungsaufgabe abmelden, desto mehr sind wir in unseren Schulen gefordert. Wir weichen nicht aus. Wir stellen uns. Wir erfüllen leider eine schwierige Aufgabe, aus der sich viele bereits abgemeldet haben.

Wir haben keinen Grund, dass wir uns verstecken, verleugnen oder sogar klein machen. Im Gegenteil. Wir müssen wissen und deutlich machen, welche enorme Bedeutung wir für jedes einzelne Kind und für die Gesellschaft insgesamt haben. Bundespräsident Horst Köhler hat uns Lehrer geadelt als "Helden des Alltags".
Wir haben allen Grund zu großem Selbstbewusstsein. Wir haben allen Grund zum aufrechten Gang. Wir haben allen Grund stolz zu sein. Wir Lehrer und Erzieher kämpfen für eine mächtige Idee: Bessere Bildung für alle!

 

6. Dank und Persönliches Schlusswort

Heute gebe ich mein Amt zurück. Ich schulde Unzähligen großen Dank. Ihnen, Herr Staatsminister Siegfried Schneider und Herr Staatssekretär Karl Freller und Ihren Vorgängern. Vielen Persönlichkeiten in Politik und Verwaltung für die fruchtbare Zusammenarbeit, für die Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe, für das Verständnis meines Mandats als Sprecher eines selbstbewussten und unabhängigen Verbandes.

Ich bedanke mich bei den Institutionen, die uns in den Anliegen von Bildung und Erziehung verbunden sind: den Kirchen, den kommunalen Spitzenverbänden, den Universitäten, Bildungsinitiativen und Organisationen für alle Unterstützung und Anregungen - auch den konkurrierenden Organisationen, die akzeptieren, dass es unterschiedliche Sichtweisen und Interessen gibt - und dass man trotzdem anständig miteinander umgehen kann.

Ich danke den Vertretern der Medien, die unsere Arbeit wohlwollend begleiten.

Ich danke unseren Partnerorganisationen - dem schweizerischen Lehrerinnen und Lehrerverband und der Pennsylvania State Education Association für viele gewinnbringende Begegnungen. Zu danken habe ich den Verbündeten im Forum Bildungspolitik in Bayern, im Deutschen und Bayerischen Beamtenbund und allen Freunden im Verband Bildung und Erziehung. Sie sind alle hier. Nennen darf ich besonders die Landesverbände Thüringen und Sachsen, die mich zum Ehrenmitglied ernannt haben. Uns hat in der Wende tatsächlich der "Mantel der Geschichte" gestreift. Wir hatten die Chance, in der Wende die Bildungspolitik mit zu gestalten. Das waren kollegial tiefe und menschlich reiche Erfahrungen. Ich danke meinem wissenschaftlichen Mentor Prof. Dr. Heinz Vogelsang, der den Anstoß gab, dass mir die Universität Koblenz-Landau die Würde eines Dr. h.c. verlieh.

Größten Dank schulde ich meinem BLLV und seinen mehr als 3.000 ehrenamtlichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene. Ihr Engagement ist eindrucksvoll und ermutigend, Ihr kreatives Potential ist ein unschätzbarer Gewinn! Herzlich sage ich Dank den heute Älteren, die mich angenommen und gefördert haben - und ebenso den Jungen in der Studentenschaft und in der ABJ, die mich vor wenigen Wochen zum "Junglehrer auf Lebenszeit" ernannt haben.

Ich danke unseren hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie haben mich nach besten Kräften professionell unterstützt und menschlich wohltuend begleitet.
Mein Dank gilt meiner Familie für ihre Geduld und Nachsicht, die sie von jetzt an nicht mehr in diesem Übermaß aufbringen müssen…

Ich stand 23 Jahre an der Spitze der größten Landeslehrerorganisation in Deutschland. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich dazu beitragen konnte, dieser mächtigen Idee von Bildung und Erziehung eine Stimme zu geben und Anwalt der Lehrer und Erzieher im BLLV zu sein. Unsere Vision ist es, die Bildung und Erziehung aller jungen Menschen zu verbessern, die pädagogischen Professionen zu stärken und ihre Würde zu schützen. Der BLLV hat mir das Vertrauen geschenkt, an vorderster Stelle diese historische Vision weiterzutragen. Dieser Auftrag war für mich sinnstiftend und menschlich erfüllend.

Ich wünsche dem BLLV von Herzen eine große und erfolgreiche Zukunft. Ihnen allen wünsche ich Glück, Erfüllung, Gesundheit und reichen Segen.

 

Quellen

  • BLLV- Geschäftsbericht 1984, S. 7f.
  • Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Pressedienst vom 3.6.1987
  • Landeselternvereinigung an Gymnasien, 25. 4. 2007
  • PISA 2003, S. 105
  • ISB-Bildungsberichterstattung, 2006, S. 121
  • Statistisches Bundesamt 2006
  • Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus 2007
  • dpa v. 19. 04. 2007
  • Vester, M.: Bildungsmodernisierung und soziale Ungleichheit. In: Vorgänge, Heft 3 September 2003, S. 4 -14
  • Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung: Bildungsberichterstattung 2006, S. 95 f
  • PISA 2000 / 2002 S. 166)
  • Arbeiterwohlfahrt: Pressemitteilung v. 30. 1. 2006
  • Münchner Merkur Nr. 259 v. 10.11.2006, S. 18
  • Bauer, J., dpa 14. Juli 2006
  • OECD: Bildung auf einen Blick 2006, S. 231
  • OECD, 2006
  • Apel, H.J.: Die Denkschrift des Bayerischen Lehrervereins. Bad Heilbrunn 1993, S. 121
  • ISB Homepage
  • Apel, a.a.O., S. 104

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