20.09.2017

Der friedliche Mensch als Vorbild

Ich unterstütze das Manifest: HALTUNG ZÄHLT, weil …

… sich an unserem konkreten Umgang mit unseren Mitmenschen entscheidet, ob unsere Welt die Chance hat, sich zu einer Welt zu entwickeln, in der nicht mehr physische und psychische Gewalt dominiert, sondern ein Verhalten, das den Maßstäben der Menschenrechte entspricht, eine Welt, in der die Menschen wissen, dass wir alle auf einem winzigen Staubkorn durch diesen Kosmos treiben und eigentlich friedlich zusammenrücken müssten, statt uns das Leben durch harte Auseinandersetzungen zu erschweren.

 

Aber das Manifest des BLLV ist nicht der erste Aufruf dieser Art. Was hier verlangt wird, war auch ein Thema in der Bergpredigt. Die Aufklärung mit ihrem Aufruf und ihrer Hoffnung, dass „alle Menschen Brüder werden“ sollen, wollte ebenso nichts anderes. In der Menschenrechtserklärung von 1948 und der UN-Kinderrechtskonvention vom 1989 verpflichten sich die meisten Staaten dieser Welt in klaren Formulierungen zu diesen Formen des Verhaltens. Es ist ein Thema, das auch mich persönlich seit Ende des 2. Weltkrieges tief bewegt. Warum ist das, wozu da aufgerufen wird, nicht längst selbstverständlich?

 

In evolutionärer Sicht steht außer Frage, dass das dominierende Mittel, Ziele zu erreichen oder Konflikte zu lösen physische Gewalt war und weiterhin ist. Die Auseinandersetzungen in der gesamten Natur laufen so. In der Rivalität zwischen Mensch und umgebender Natur ist die physische Gewalt bis heute selbstverständlich und im Grundsatz wohl unveränderbar das dominierende Mittel, Ansprüche durchzusetzen. Aber auch im Umgang unter Menschen ist diese Form der Konfliktlösung angelegt. Man braucht da nicht nur an die entsetzliche Geschichte von Kriegen und Terror zu denken. Auch in der Geschichte der Erziehung war Gewalt beständige Begleiterin. In der gesamten Geschichte der Menschheit vor 1900 hat es wohl kaum einen Menschen gegeben, der in Kindheit (und Jugend) keine körperliche Züchtigung und keine grobe Zurechtweisung durch Eltern (oder Lehrer) erfahren hätte.

 

Aber auch in der Ontogenese des Menschen sind Formen der Gewalt konstitutiv gegeben. Bei jedem Säugling und jedem Kleinkind lässt sich erleben, dass zwar eine ganze Anzahl gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien vorhanden sind, wie etwa das Lächeln, die sanfte Anrede, freundliche Gesten und Geschenkangebote. Doch im ernsteren Konfliktfall schlagen Strategien der Freundlichkeit oft schnell um in gewaltsame Lösungsversuche, auch gegen Eltern und Spielfreunde. Auch das sonst kontrollierte Verhalten eines Erwachsenen kann sich in realen oder vermeintlichen Notsituationen schnell wieder in physische oder psychische Gewalt verwandeln.

 

Haben wir keine Chance gegen die Gewalt und gegen physischen und psychischen Terror? Doch, haben wir! Selbst wenn ein Verhalten genetisch disponiert sein sollte. Die Umwelt kann immer Einfluss nehmen, kann verstärken, kann dämpfen. Es gibt kein umweltloses Gen. Aber solche Erziehungs- und Lernprozesse benötigen lange Wege. Aus dem Kindergartenkind, das oft noch schreiend, schlagend oder sonst wie gewalttätig seine Ansprüche durchzusetzen versucht, wird nur durch geduldige, durch tausendfache Erinnerung und durch die Wirkung eines immer wieder erlebten Vorbildes ein friedlicher Mensch, der über Sprache und über rechtliche Wege seine gesellschaftlichen Konflikte zu lösen versucht. Nicht anders beim Heranwachsenden. Aber es bleibt für jede Generation eine wiederkehrende und lebenslange Aufgabe.

 

 

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