11. Juni 2015

Schluss mit Bürokratisierung und Verrechtlichung

BLLV-Präsidentin Fleischmann: „Pädagogik kommt angesichts der Fülle an Aufgaben zu kurz / Bayerns Schulleitungen und Lehrkräfte brauchen Entlastung

München - Monitoring, Statistik, Befragung, Controlling, Personalführung oder Dienstrecht -  Bayerns Lehrer und Schulleiter stöhnen angesichts der extremen Bürokratisierung und Verrechtlichung von Schule. „Die Fülle an zusätzlichen Aufgaben ist mittlerweile so vielfältig und umfassend, dass die Pädagogik immer mehr in den Hintergrund rückt - obwohl doch gerade sie im Mittelpunkt stehen müsste“, kritisierte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, heute in München. Sie forderte den Abbau von Bürokratie und Verrechtlichung von Schule. Das Problem: Aufgaben, die moderne Steuerungsprozesse von Schulen mit sich bringen, prallen auf alte Strukturen. Das führt zu Kollisionen und massivem Mehraufwand. Man könne nicht moderne Schulen wollen und entsprechende Aufgaben delegieren, gleichzeitig aber an althergebrachten Verfahrensweisen festhalten. Lehrkräfte und Schulleiter müssten angesichts der Überregulierung kapitulieren. Fleischmann: „Schulen brauchen mehr Freiheit, mehr Raum, die Beteiligten mehr Zeit.“ Sie appellierte an das Kultusministerium, die Fülle von Maßnahmen zu überdenken und auf das Notwenige zu reduzieren. Langfristiges Ziel müsse eine ökonomische und effiziente Verwaltung sowie die Stärkung der Eigenverantwortung von Schule sein.

 

Ein Beispiel: Schulleiter, die Befragungen durchführen und unzählige Statistiken erstellen müssen, sind vielfach gezwungen, die ermittelten Daten händisch und zusätzlich am Computer einzugeben. Ein weiteres Beispiel: pro Woche gehen durchschnittlich zwei kultusministerielle Schreiben an die Schulen mit klaren Arbeitsaufträgen, die erfüllt werden müssen.

 

Der BLLV wendet sich nicht gegen Steuerung von Schule, im Gegenteil: Evaluierung durchzuführen und Rechenschaft ablegen zu müssen, ist im Rahmen moderner Schulentwicklungs- und Schulmanagementprozesse sinnvoll und notwendig. „Wir wehren uns aber dagegen, alles doppelt und dreifach erledigen zu müssen und angesichts der Verdichtung der Aufgaben zerrieben zu werden“, stellte Fleischmann klar. Die zentrale Voraussetzung für die Verwirklichung eines pädagogischen Profils einer Schule seien moderne und zeitgemäße Organisationsformen und Verwaltungsstrukturen. „Überbordende Bürokratie ist hinderlich, genauso wie  Regelflut, die die Innovations- und Gestaltungsfreiheit behindert.“ Der BLLV verlangt daher für Schulleitungen und Lehrerkonferenzen mehr Freiheiten und Eigenverantwortlichkeit, insbesondere bei pädagogischen Entscheidungen. Schulleiter/innen müssten zudem intensiv auf die komplexen und vielfältigen Aufgaben vorbereitet werden. Neben vielen pädagogischen Aspekten geht es hier z.B. um Inhalte, die die Personalführung oder das Schul-, und Verwaltungs- und Dienstrecht betreffen. Überfällig sei es, ihre Unterrichtspflichtzeit zu reduzieren.

 

Um die Arbeit zu erleichtern, sei es sinnvoll, den Schulleitern/innen und Schulämtern einen uneingeschränkten Zugang zum Bayerischen  Behördennetz zu ermöglichen. Hilfreich seien darüber hinaus einheitliche Bürostrukturen an allen Schulen sowie eine effiziente Verwaltung mit entsprechend ausgebildetem Personal.

 

Verbesserungen sind auch im Bereich der Datenverwaltung dringend erforderlich: „Schulen brauchen eine verlässliche, funktionierende und vor allen einheitliche Datenverwaltung“, so Fleischmann. Sie regte an, eine Datenbank zu erstellen, die die für die Schulen wichtigsten und gültigen Inhalte zusammenfasst und jeweils auf die Gültigkeitsdauer dieser Publikationen verweist. Installiert werden müsse dafür ein verbraucherfreundliches Suchsystem.

 

Andrea Schwarz, BLLV-Pressereferentin M.A. Tel: 089/ 72 100 129, presse (at) bllv.de

 

 


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