21. Mai 2004

Aktion Rotstift: BLLV startet zweite Protestwoche

Das Motto lautet diesmal: "Schulen im Dialog" / Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands Albin Dannhäuser kündigt Streichungen ab dem kommenden Schuljahr an

München – Aufgrund der Sparmaßnahmen hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, heute die zweite Aktionswoche im Rahmen der BLLV- Aktion Rotstift angekündigt. Das Motto lautet diesmal "Schulen im Dialog". Die Protest- und Dialogwoche findet vom 24. bis 28. Mai 2004 statt. "Alle Schulen in Bayern sind aufgefordert, sich daran zu beteiligen." Ziel ist es, gemeinsam mit Eltern zu beraten, welche freiwilligen Leistungen seitens der Schule künftig nicht mehr angeboten werden können. Geplant sind Gespräche mit örtlichen Abgeordneten sowie Informationsveranstaltungen mit Eltern. "Viele Menschen sind mit der Sparpolitik zu Lasten der Schule nicht einverstanden. Deshalb müssen sich Eltern und Lehrerschaft zu Wort melden. Weitere Aktionen sind geplant."

Nach der Entscheidung zur dritten Arbeitszeitverlängerung innerhalb von zehn Jahren stehen Lehrerinnen und Lehrer mit dem Rücken zur Wand. Die Politik zwingt sie, entweder ihre Gesundheit zu gefährden oder ihren Einsatz auf das objektiv Machbare zu reduzieren. Der massive Widerstand der Lehrerschaft zeigt erste Wirkung: Die CSU-Fraktion hat sich inzwischen für flexible Arbeitszeitregelungen für Lehrerinnen und Lehrer ausgesprochen. Auch die Fraktionen von SPD Und Grünen wollen die unterschiedlichen Belastungen von Lehrerinnen und Lehrern an bayerischen Schulen stärker berücksichtigen. Die Ungleichbehandlung der Lehrer gegenüber Beamten ist vom Tisch, ein neues Arbeitszeitmodell im Gespräch. "Das ist ein Teilerfolg", resümierte der BLLV-Präsident, "ändert aber nichts an der Tatsache, dass vom nächsten Schuljahr an die meisten Lehrerinnen und Lehrer länger unterrichten müssen. Besonders hart trifft es die, die an den Schulen bestimmte Funktionen übernommen haben wie z.B Seminarleiter, Praktikumslehrer, Schulpsychologen Schulleiter sowie Lehrer/innen, die in der Fachberatung und -betreuung tätig sind, weil ihre Anrechnungsstunden gekürzt wurden. "Der BLLV befürchtet weitere Qualitätseinbußen."

Die Entscheidung zur Arbeitszeitverlängerung erschüttert das Vertrauen in die Politik nachhaltig. Lehrerinnen und Lehrer sind als einzige Gruppe im Staatsdienst verpflichtet, ein "Arbeitszeitkonto" einzubringen. Bei dessen Einführung war zugesagt worden, dass während dieser Maßnahme die Unterrichtspflichtzeit nicht weiter erhöht würde. "Wer eine solche Zusage bricht, demotiviert alle Lehrerinnen und Lehrer. Die Auswirkungen auf das Schulleben werden pädagogisch tiefgreifend sein", kritisierte der BLLV-Präsident. Es sei nicht vermittelbar, dass von Sparzwängen gesprochen wird, gleichzeitig aber Hunderte von Millionen Euro für die Einführung der 6-stufigen Realschule und die Kürzung des Gymnasiums auf acht Jahrgänge zur Verfügung gestellt werden. Lehrerinnen und Lehrer sehen sich nun leider gezwungen, zusätzliche pädagogische Leistungen zu reduzier


Im Februar hatte der BLLV im Rahmen der Aktion Rotstift seine Mitglieder aufgerufen, eine "pädagogische Inventur" durchzuführen. Sie sollten festhalten, was und wie viel an bayerischen Schulen weit über das Pflichtmaß hinaus freiwillig und zusätzlich geleistet wird und überlegen, auf was bei einer eventuellen Arbeitszeitverlängerung verzichtet werden müsste. Heute fordert der BLLV alle Lehrerinnen und Lehrer dazu auf, mit den Eltern in den Dialog zu treten, um über notwendige Streichungen zu beraten. Zu Beginn des neuen Schuljahrs soll dann gehandelt, die geplanten Streichungen tatsächlich umgesetzt werden. Die Entscheidung darüber, was an den einzelnen Schulen gestrichen wird und was als freiwillige und zusätzliche Angebote weiterhin erhalten bleiben soll, überlässt der BLLV seinen Mitgliedern vor Ort. Fest steht allerdings schon jetzt, dass es künftig deutlich weniger oder gar keine Schulkonzerte, Schulfeste, Projekttage, Abschlussfahrten oder Tage der offenen Tür geben wird. Auch Schulwettbewerbe, Lesenächte, Theaterfahrten, zusätzliche Wanderungen oder Klassenfahrten und außerunterrichtliche Förderangebote stehen zur Diskussion.

Aktion Rotstift


Dateien:
20040521_01.pdf81 K

Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni