Warum Reformen so schwierig sind

Das G8 wurde im Hauruckverfahren eingeführt – ohne die dringend notwendige Diskussion um eine gleichzeitige inhaltliche Reform. Im Gegenteil: Fragen der Reform des Fächerkanons und der Unterrichtsmethoden wurden zugunsten quantitativer Detailfragen unterdrückt.

Statt die Stundentafel mit dem Rechenschieber hin- und her zu drehen und über das Streichen einzelner Lehrplaninhalte Grundsatzdebatten zu führen, muss ein neues Konzept gymnasialer Bildung erstellt werden, das modernen Anforderungen und den lernpsychologischen Erkenntnissen des 21. Jahrhundert Rechnung trägt.

Das Gymnasium der Gegenwart leidet unter dem Spagat zwischen dem Festhalten an überkommenen und veralteten Strukturen und Traditionen einerseits und einer halbherzigen und meist nur oberflächlich postulierten Öffnung für das unvermeidlich Neue andererseits:

 

  • So sollen die Gymnasien einerseits immer noch einen klaren Ausleseauftrag erfüllen, diesen andererseits aber ignorieren, indem sie viele Schüler trotz schlechter Leistungen vorrücken lassen und an der Schule behalten.

  • So sind Gymnasien einerseits immer noch streng nach dem Fächerprinzip organisiert, sollen andererseits aber immer neue fächerübergreifende Anliegen verfolgen.

  • So bestimmen einerseits die prall gefüllten Lehrpläne und eng getakteten Prüfungsintervalle den Unterricht, andererseits sollen aber möglichst viele außerunterrichtliche Angebote wie Praktika, Exkursionen, Projekte usw. während der Unterrichtszeit durchgeführt werden.

  • So legt der Stundenplan einerseits einen in 45-Minuteneinheiten zerhackten Tagesrhythmus fest und liegen die Schülerzahlen pro Klasse oft über 30, andererseits soll der Unterricht weg von der starren Lehrerzentrierung und hin zu offenen Unterrichtsformen.

  • So bilden die Intensivierungsstunden einerseits angeblich das „Herzstück des G8“, andererseits werden diese Stunden in der Regel zur Verfügungsmasse bei der Stundenplanerstellung. Immer noch fehlt es vielerorts an Materialien, Fortbildungen und Konzepten, die dieses an sich sinnvolle Instrument wirksam werden lassen.

  • So ist das Gymnasium einerseits für viele Lehrer und Schüler mittlerweile de facto zu einer Ganztagsschule geworden, andererseits hat dies nicht zu spürbaren Konsequenzen geführt. Es fehlen nicht zuletzt aufgrund der Budgetierung oft außerunterrichtliche Angebote sowie Personal und Räume für eine ganztägige Betreuung und Rückzugsmöglichkeiten.

  • So ist der Unterricht einerseits immer noch auf Leistungserhebungen zur Notengewinnung fokussiert, andererseits werden zusätzliche Leistungstests mit großem Aufwand durchgeführt, die in der Realität weder ausreichend an den curricularen Unterricht angebunden sind, noch tatsächliche Auswirkungen auf den individuellen Lernfortschritt der Schüler haben.

Diese Widersprüche müssen aufgelöst werden. Dabei steht das Gymnasium vor einer äußerst schwierigen Herausforderung. Einerseits brauchen wir dringend eine neue Vision des Gymnasiums und darauf aufbauend konkrete Neuerungen, andererseits ist nach der überhasteten Einführung des G8 die Bereitschaft für weitere Reformen bei Lehrkräften, Eltern und Schülern verständlicherweise sehr gering. Demotivation, Frustration und Enttäuschung über den überstürzten Reformprozess überwiegen immer noch bei vielen Kolleginnen und Kollegen.

 

Wenn sich das Gymnasium aber erfolgreich den Herausforderungen einer gewandelten Gesellschaft, eines daraus resultierend neuen Auftrags und der modernen Lern- und Leistungskultur erfolgreich stellen will, müssen tiefgreifende Konsequenzen für seine innere Verfassung und seine Ausstattung gezogen werden.

 

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