Wie sieht die beste IT-Lösung für eine Schule aus? Rektor Georg Heinecker berichtet von den Erfahrungen der Comensius-Grundschule in Buchloe.

17.02.2017

Digitale Schule: Welche Technik hilft beim Lernen?

Fachanhörung: Was Experten zur IT-Ausstattung sagen

 

Der Weg in die Zukunft des digitalen Lernens mündet für viele Schulen derzeit im Nebel. Völlig unklar ist etwa die Frage, welche Hard- und Software nötig ist. Die teuerste Lösung muss dabei nicht die beste sein. Was Experten dazu sagen.

 

Die Frage nach der IT-Ausstattung scheint bei vielen Schulleitern zurzeit eher Unbehagen als Vorfreude auf die Zukunft des Lernens auszulösen. „Wir werden im Alltag allein gelassen. Ich weiß nicht, welche Laptops die richtigen sind. Ich brauchen Spezialisten, die mir das sagen.“ Die Leiterin einer Grundschule sprach bei der Fachanhörung „Digitalisierung und Schule: Die Ausstattung“ aus, was wohl viele in ihrer Position denken. 

 

Um den Nebel voller Fragen aufzulösen und Klarheit zu schaffen, hatte der BLLV vier Experten aus Forschung und Praxis eingeladen. Sie sollten aus ihrer Sicht darstellen, welche Technik und Software Schulen brauchen, damit digitale Medien guten Unterricht ermöglichen. Die Experten waren:

  • Dr. Michael Kirch, ehemaliger Lehrer, jetzt akademischer Rat am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Spezialist für Digitales Lernen
  • Dr. Manfred Riederle, stellvertretender Geschäftsführer und Bildungsreferent des Bayerischen Städtetages
  • Georg Schlagbauer, Dozent an der Akademie für Lehrerbildung (ALP) in Dillingen und dort für die informationstechnische Qualifizierung und Beratung zuständig
  • Georg Heinecker, Rektor der Comenius-Grundschule in Buchloe

 

Mit der Fachanhörung startete der BLLV eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Digitalisierung und Schule“, bei der anerkannte Experten Antworten auf wesentlichen Fragen geben sollen. Die gesammelten Erkenntnisse sollen am Ende in BLLV-Positionen fließen.

 

Digitalisierung als Herausforderung und Chance

Der BLLV begreift die Digitalisierung als Herausforderung und Chance zugleich. Digitale Medien helfen Lehrkräften, ihren Unterricht bestmöglich zu gestalten, andererseits bereiten sie die Schüler auf die künftigen Herausforderungen vor. "Was ist der Bildungsauftrag der Zukunft, den Lehrerinnen und Lehrer leisten sollen?" fragte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann eingangs. "Lehrkräfte benötigen angemessene und passgenaue Lösungen, auch was die Ausstattung von digitalen Medien an Schulen angeht", sagte sie weiter.

 

Doch wie sollen diese aussehen?  "Hierzu ist der Dialog zwischen Schulen, Politikern, Wissenschaft und Sachaufwandsträgern von entscheidender Bedeutung. Die Fachanhörungen tragen dazu bei", erklärte Birgit Dittmer-Glaubig, Leiterin der Arbeitsgruppe Digitalisierung und Schule im BLLV.


Gemeinsam die beste Lösung suchen: Ein Zuhörerin skizziert die Diskussion mit.

Und das haben die vier Experten zum Thema „Hard- und Software du ihre Finanzierung“ gesagt:

 

Dr. Michael Kirch:

  • Hard- und Softwareausstattung müssen anforderungsgerecht sein. Die Anforderungen richten sich nach den zu vermittelnden Inhalten, den Eigenschaften der Schüler sowie der Schule und ihrem Konzept. Welche Programme und Geräte benötigt werden, ist somit von Schule zu Schule verschieden.
  • Schulen sollten sich vor der Auswahl fragen: „Was wollen wir damit? Wo wollten wir hin? Welche Anforderungen haben wir?
  • Technische Anforderungen: Die IT soll das Lernen unterstützen und nicht stören. „Alles was den Unterricht unterbricht, minimiert die Qualität.“ Kirch empfiehlt Lösungen, die in einem Gerät möglichst viel integrieren.

    • Folgende Eigenschaften sollten die Medien und Geräte erfüllen: handlich sein, für die Kinder attraktiv sein, zuverlässig funktionieren, an den Lerner anpassbar sein, in jede Unterrichtssituation integrierbar sein, den Schülern persönlich zur Verfügung stehen.

  • Pädagogische Anforderungen: Medien und Geräte sollten raumübergreifend, fachübergreifend undauch zu Hause nutzbar sein, sie sollten alle Unterrichtsprinzipien wie Differenzierung und Veranschaulichung unterstützen.

 

Dr. Manfred Riederle:

  • Die Kommunen rechnen mit enormen Kosten. Der jährliche Aufwand könnte sich nach einer Schätzung der Bertelsmann-Stiftung auf bis zu 600 Millionen Euro pro Jahr für die allgemeinen Schulen belaufen, wenn jedes Schulkind ein Gerät erhält. Bayerns Städte fordern deshalb, dass sich der Freistaat Bayern an den Kosten beteiligt.
  • Es braucht einheitliche Standards für die Hard- und Softwareausstattung von Schulen. Werden dann massenhaft gleiche Geräte und Programme eingekauft, könnten die Anschaffungskosten deutlich sinken.
  • Die Vorgaben sollten sich an dem orientieren, was pädagogisch sinnvoll ist und die Unterrichtsqualität hebt.
  • Zu klären ist auch, welche Aufwendungen im Bereich der Schul-IT die Kommunen als Sachaufwandsträger überhaupt übernehmen müssen. 

 

Georg Schlagbauer:

  • Der erste Schritt hin zum digitalen Lernen wäre das digitale Klassenzimmer: Es sollte mit einer Dokumentenkamera, einem Beamer sowie einen PC ausgestattet sein. Besser wäre es aber, wenn jede Lehrkraft ihren eigenen Laptop mitbringen könnte.
  • Schulen brauchen eine leistungsstarke Internetanbindung. Laut Schlagbauer könnten theoretisch zwei Drittel aller Schulen in Bayern auf Breitbandanschlüsse mit einer Datenübertragungskapazität von 50Mbit/s zugreifen, viele nutzen diese Möglichkeit aber nicht.
  • Schulen brauchen eine bezahlbare, einfach zu handhabende W-LAN-Infrastruktur: Sinnvoll wäre ein Anschluss an eine öffentliches W-LAN wie das Bayern W-LAN. Das könnte man auch auf Schulen ausdehnen.

 

Georg Heinecker:

  • Die Hard- und Software-Lösung sollte informatives Lernen unterstützen, flexibel einsetzbar und zukunftsweisend sein. Sie im Unterricht schnell und unkompliziert zu nutzen sein.
  • Auswahlkriterien der Comenius-Grundschule: Die Medien sollen selbstgesteuertes und selbstkontrolliertes Lernen ermöglichen, kollaboratives Arbeiten unterstützen, die Individualisierung des Unterrichts und damit individuelle Förderung ermöglichen sowie Schüler motivieren.
  • Positive Erfahrungen hat die Comenius-Grundschule mit einer Tablet-Lösung gemacht. Die Geräte sind über W-LAN angebunden und vernetzt. Vorteile: schneller und unkomplizierter Einsatz im Unterricht, wodurch die Lernzeit effizient genutzt werden kann. Zudem sind die Geräte ortsunabhängig einsetzbar.
  • Die Tablets sind mit Apps bestückt: Das ermöglicht Heinecker zufolge eine hohe Flexibilität, zugleich können die Apps sehr gezielt eingesetzt werden. Bestes Beispiel ist eine Schreiblern-App, die eine Sofort-Korrektur ermöglicht.
  • Finanzierung: Der Sachaufwandsträger hat eine Anschubfinanzierung auf die Beine gestellt, der Förderverein gab Zuschüsse. Den Rest stottern die Eltern durch einen Mietkauf mit einer Rate von 11 Euro pro Monat innerhalb von vier Jahren ab.
Fragende Gesichter: Wie digitale Bildung technisch am besten umzusetzen ist, darauf gibt es keine einfachen Antworten.

Schulen brauchen flexibel handhabbare Basis-Standards

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Experten, was Schulen benötigen, um die Herausforderung der Digitalisierung meistern zu können. Sie waren sich einig darin, dass Schulen eine angemessene Ausstattung brauchen, die sich nach einheitlichen Basis-Standards richtet. Diese dürften nicht zu starr sein, damit jede Schule sich die IT-Lösung zulegen kann, die ihren Bedürfnissen am besten gerecht wird.

 

Am Ende des Tage gehe es darum, Lösungen zu haben, mit denen die Lehrerinnen und Lehrer gut arbeiten können, sagte Manfred Riederle vom Städtetag. „Die Frage dazu sollten wir pädagogisch stellen. Was soll der Bildungsauftrag der Zukunft sein und was soll Schule leisten? Daraufhin sollten wir die Antwort finden, wie wir das unter Zuhilfenahme digitaler Medien erreichen können. Die Rahmenbedingungen sind so zu schaffen, dass wir die zentralen Fragen von Bildung und Pädagogik leisten und erfolgreich sein können."  hab/ws


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