51. Landesdelegiertenversammlung, 17. - 19. Mai 2007, Würzburg

Öffentlicher Abend

Zitate aus der Festansprache von Dr. h.c. Albin Dannhäuser

über das Kienbaum-Gutachten:

Kienbaum empfahl ein Sparrezept der einfachsten Hausmannskost, allerdings auf Diät, das uns noch heute im Magen liegt. Das Rezept: Weniger Stunden, größere Klassen, längere Arbeitszeit.
Kosten der Expertise: ca. 2 Millionen DM. Auf solche eine schlichte Strichrechnung im Zahlenraum von 1 bis 35 wären wir in fünf Minuten gekommen. Aber in der Politik ist ja nichts zu teuer, wenn es ums Sparen geht oder wenn es darum geht, bestimmte Ausreden wissenchaftlich zu begründen.

Zum Modellversuch R6

Die R6 wurde als Ob-Versuch eingeführt. Das hieß: Die R6 wird kommen, ob ihr's wollt, oder nicht.

über Selbstzweifel der Staatregierung

Trotz handwerklicher Fehler sind die handelnden Personen in der Staatsregierung über alle Selbstzweifel erhaben. Sie verhalten sich nach dem Grundsatz der amerikanischen Überzeugungsrhetorik: "You may be wrong, but never in doubt!"

über den Ausbau der Stellen für Sozialpädagogen

Wenn der Ausbau in diesem Tempo weitergeht, dann wird es wohl noch 120 Jahre dauern, bis jede Schule einen Sozialpädagogen hat. Es kann sein, dass die Staatsregierung ihr Ziel schneller erreicht, schon allein dadurch, dass sie Schulen auflöst.

über das Scheitern von Schülern

Eigentlich können wir das nicht verstehen. Bei uns in Bayern werden die Kinder so früh ausgelesen und in Schularten sortiert, dass man sich fragen muss: Wieso scheitern dann so viele, wenn sie doch dort sind, wo sie hingehören?

über Bildungsgerechtigkeit

Von 100 Kindern, die im Kindergarten als arm gelten oder galten, schaffen lediglich vier den Sprung aufs Gymnasium. Solche Befunde sind beschämend. Wenn die Bildungschancen eines Kindes ganz überwiegend von seiner Herkunft abhängen: Das ist in einem demokratischen, in einem sozialen Staat ein Skandal.

über die Kategorisierung

Nichts gegen die Beobachtung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens. Das war schon immer so. Aber der gesamte Aufwand ist so sinnlos, weil pädagogische Hilfen fehlen. Er stiehlt wertvolle Zeit, die für die Förderung der Kinder fehlt. Es kann doch nicht sein, dass wir mehr berichten als unterrichten!

über die Arbeitsbelastung von Schulleitern

Im Schulalltag sind sie nicht Zugpferde, sondern Lastesel.

über die Arbeitsbelastung von Lehrkräften

Wir Lehrkräfte und Erzieherinnen leisten Tag für Tag eine schwere Arbeit, von der viele außerhalb der Schule sagen: "Wenn ich ehrlich bin: Ich könnte das nicht!" Jetzt werben Sie ja vom Kultusministerium für freiwillige Mehrarbeit. Das ist eine sehr originelle Idee.

über die Arbeitsbelastung von Lehrkräften

Unlängst habe ich zufällig ein Gespräch zweier fast erwachsener Mädchen mit angehört. Es ging ums Heiraten. Da hat die eine gefragt, ob nicht auch ein Lehrer in Frage käme. Das andere Mädchen wehrte entschieden ab:"Ich heirate auf keinen Fall einen Lehrer. Wenn die nach der Schule heimkommen, sind sie fix und fertig."

Bessere Bildung für alle

Bessere Bildung für alle Kinder - das ist unser kategorischer Imperativ. Damit meinen wir: Setzen Sie sich für die Bildung und Erziehung eines jeden Kindes so ein, als wäre es Ihr eigenes!

über die Schließung von Hauptschulen

Die Fusion von schwächelnden Filialen mag ein Sanierungsrezept aus der Sicht der Betriebswirtschaft sein - bei Schulen haben wir unsere Zweifel. Denn Gemeinden ohne Schule verlieren ihre Jugend und ihre kulturelle Mitte. Gemeinden laufen Gefahr, dass sie zu seelenlosen Schlafdörfern verkümmern.

über das Festhalten der Staatsregierung am dreigliedrigen Schulsystem

Fahren Sie nicht geradeaus. Wer die Kurve nicht rechtzeitig kriegt, fährt an die Wand.

aus der Ansprache von Staatsminister Siegfried Schneider

über Bildungsgerechtigkeit

Das ist die Aufgabe aller Mitglieder im Bayerischen Landtag, dass Bildungschancen für junge Menschen bestmöglich gegeben sind.

Kurze Beine - kurze Wege

Es ist mir eine Herzensangeelgenheit, dass wir die Grundschule vor Ort lassen, dass wir an jedem Standort die Grundschule erhalten.

über die Kategorisierung

Wir werden die Grundschulezeugnisse evaluieren und es wird Modifikationen geben. Diese modifizierten Zeugnisse werden dann auch an allen weiterführenden Schulen eingeführt.

über den mittleren Bildungsabschluss an der Hauptschule

Ich möchte, dass noch mehr Schüler als jetzt an der Hauptschule die mittlere Reife absolvieren.

Beförderungsamt

Wir werden dafür kämpfen, dass es für Hauptschullehrer Beförderungsmöglichkeiten gibt und - wenn die Kasse stimmt - auch für Grundschul- und Realschullehrer.

Bildungspolitischer Abend - Politische Runde

Vertreter der drei Landtagsparteien

  • Franz Maget, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag
  • Margarete Bause, Vorsitzende der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen im Bayerischen Landtag
  • Prof. Dr. Gerhard Waschler, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport im Bayerischen Landtag

Moderation: Julio Segador

Zitate

Viele Lehrer neigen aus intrinischer Motivation dazu, unter Tarif zu arbeiten. Allerdings führt dies zu gesundheitlichen Schäden. aus dem Grußwort von Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH)

Ich glaube, dass das katholische Mädchen vom Lande heute schlechtere Chancen hat als vor 30 Jahren.
Margarete Bause

Sie haben Recht: Mit der Einführung der R6 wurden gewisse Prozesse beschleunigt.
Das ist nicht wegzudiskutieren.
Prof. Dr. Gerhard Waschler (zum Hauptschulsterben)

Seit 20 Jahren wird den Hauptschulehrern gesagt: "Wir stärken die Hauptschule."
Und was ist geschehen? Die Hauptschule ist doch nicht gestärkt, sondern geschwächt worden.
Margarete Bause

Man kann über viele Dinge diskutieren, aber das dreigliedrige Schulsystem hat sich in Bayern bewährt.
Prof. Dr. Gerhard Waschler

Ich werde um jede einzelne Stelle kämpfen, die eigentlich vom Finanzminister wegen der zurückgehenden Schülerzahlen gestrichen werden müsste.
Prof. Dr. Gerhard Waschler

Das Traurige ist, dass die Partei von Prof. Waschler im Bayerischen Landtag die Mehrheit hat.
Insofern ist die Perspektive für die Hauptschule schwierig.
Franz Maget

Wir müssen offen sein für Diskussionen über die Schulstruktur. Eine längere gemeinsame Schule ist das Gebot der Stunde. Es widerspricht ja auch schon fast kein Pädagoge mehr dieser Idee.
Franz Maget

Wie verstehen unter 'mehr Lehrerinnen und Lehrer' eben 'mehr Lehrerinnen und Lehrern', also echte Menschen, und nicht Lehreräquivalente.
Franz Maget

Solange man sagen kann, dass Kinder an der falschen Schule sind, dann ist etwas falsch mit der Schule.
Margarete Bause

Heute ist nicht mehr das katholische Mädchen vom Land benachteiligt, sondern es sind die Mädchen und vor allem die Jungen aus Familien mit Migrationshintergrund. Denen zu helfen ist die Schule überfordert, weil sie nicht die entsprechenden Ressourcen hat.
Franz Maget

Anmerkung: Die Zitate wurden während der Veranstaltung mitgeschrieben. Es kann keine Garantie für eine wortwörtliche Korrektheit übernommen werden. Roland Kirschner

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