Innovative Lehrerbildung

BLLV prämiert Projekt zur Lehrerbildung der Uni Regensburg

Der BLLV hat erstmals seinen neuen Pädagogikpreis vergeben. Das Siegerprojekt „NWT – Naturwissenschaft – Technik“ der Universität Regensburg überzeugte durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Lehrerbildung. Beim "Tag der innovationen Lehrerbildung" von BLLV und dem Münchner Zentrum für Lehrerbildung der Ludwig-Maximilians-Universität wurde die Auszeichnung übergeben.

Ziel des NWT-Studiums ist es, Grund- und Mittelschullehrer fächerübergreifend auszubilden und einen engen Praxisbezug zur späteren Tätigkeit herzustellen. Damit will man einerseits dem Mangel an MINT-Lehrern begegnen. Andererseits werden die Lehramtsstudenten schon im Studium optimal auf das spätere Berufsfeld vorbereitet.

Im NWT-Studium lernen die Studenten, ihren Unterricht fächerübergreifend und handlungsorientiert zu gestalten. Als Lehrkräfte sprechen sie nicht nur über naturwissenschaftliche Phänomene, sondern machen diese beispielsweise mit Hilfe von Experimenten erlebbar.

Fachwissen und Fachdidaktik sind im Studium eng mit der Unterrichtspraxis verzahnt. Im Rahmen des Projekts arbeiten die Studenten in einem sogenannten Lernlabor. Dort gestalten sie unter Anleitung Unterrichtstage mit Schulklassen. So sammeln Studierende Praxiserfahrungen, die sie anschließend reflektieren. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Anja Göhring überzeugte die Jury, weil es auf diese Art die Studierenden optimal auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet.

Forscher fordern engere Zusammenarbeit von Uni und Schule

Beim die Preisverleihung begleitenden Marktplatz der innovativen Lehrerbildung stellten sich weitere fünf Bewerber für den Pädagogikpreis mit ihren Projekten vor. Zwischen den geladenen Gästen und den Wissenschaftlern entspann sich ein reger Austausch. Unter anderem drehten sich die Gespräche darum, wie Lehrerbildung in der Zukunft aussehen muss.

Klar ist, dass die Ausbildung einen stärkeren Berufsfeldbezug braucht. Allen Teilnehmern des Wettbewerbs ging es deshalb mit ihren Projekten darum, die drei Phasen der Lehrerbildung besser zu vernetzen. Die Verzahnung von theoretischem und empirischen Lernen sei immens wichtig für Lehramtsstudenten, meinten Prof. Dr. Ulrike Ohl und Dr. Christoph Klebel von der Universität Augsburg. Deshalb müssten Universitäten und Schulen stärker kooperieren. Dr. Julia Lutz von der Ludwig-Maximilians-Universität München hält es für sehr wichtig, dass vor allem Grundschullehramtsstudenten weniger fächerspezifisch lernen, da sie später fächerübergreifend unterrichten müssten.

Die Projekte der Bewerber

Bayerische Universitäten haben sich mit einer Vielzahl interessanter Projekten um den Bayerischen Pädagogikpreis beworben. Hier stellen wir auf Wunsch der Bewerber eine Auswahl der Projekte vor.

Global Citizenship Education

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Heiner Böttger

Im Rahmen des Buchprojekts "Global Citizenship Education" beleuchten Studierende Aspekte der anstehenden Herausforderungen beim Auf- und Ausbau einer möglichen Friedenskultur in Artikeln eines mehrsprachigen Herausgeberbandes.

Die aus aller Herren Länder stammenden Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen sollten anstatt nur zu rezipieren selbst schreiben und verstehen. Eines der Ziele war es, kompetenzorientiertes und verständnisintensives Lernen zu fördern. Die Autorenarbeit geschah in den Seminarsitzungen und im Lektürekurs, die gleichzeitig Brainpool und Redaktionssitzungen waren.

Die Seminarteilnehmer erwarben auch praktisches alltagsbezogenes Wissen. Sie bekamen unter anderem Einblicke, wie man mit einem Verlag zusammenarbeitet und wie ein Buch vermarktet wird.

Didaktik der Englischen Sprache und Literatur an der KU Eichstätt

Fördern, Forschen, Lernen

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, Prof. Dr. Thomas Eberle

Das Projektmodul „Fördern, Forschen, Lernen“ ist ein zweisemestriges Pflichtmodul des Studiengangs „Lehramt an Mittelschulen“ an der FAU. Studierende absolvieren dabei zwei herausfordernde Aufgaben, die universitäre Lehre mit schulischer Realität verknüpfen.

Die erste Aufgabe besteht in der Konzeption, Organisation, Durchführung und Reflexion einer das gesamte Schuljahr dauernden Arbeitsgemeinschaft an ihrer Kooperationsschule. Je zwei Studierende sind über sieben Wochen hinweg für die AG selbstständig verantwortlich. Sie sammeln dabei Erfahrungen im Umgang mit einer Gruppe von MittelschülerInnen, und arbeiten herausfordernden Situationen mit den universitären und schulischen Ansprechpartnern.

Der zweite Teilbereich des Projektmoduls widmet sich der Entwicklung eines professionellen pädagogischen Handelns in der Einzelarbeit mit einem/r MittelschülerIn. Dies soll erreicht werden durch gezielte Beobachtung eines Schülers, die Erstellung eines Handlungsplans, die begleitete Umsetzung dieses Plans sowie eine abschließende Reflexion der gemeinsamen Projektzeit.

Website des Lehrstuhls

Modellversuch Naturwissenschaft und Technik (NWT) (Preisträger 2014)

Universität Regensburg, Prof. Dr. Anja Göhring

Kinder und Jugendliche nehmen ihre Umwelt ganzheitlich war. Naturwissenschaftlicher Unterricht im Fächerverbund begegnet diesem Bedürfnis und erleichtert das Wahrnehmen von Zusammenhängen, vernetztes Denken und Handeln. In Bayern sind naturwissenschaftliche Fächerverbünde durchgängig für die Grund- und Mittelschule in den Lehrplänen verankert.

Im Rahmen des Modellversuchs NWT werden an der Universität Regensburg Grund- und MittelschullehrerInnen deshalb naturwissenschaftlich integriert ausgebildet. Leitlinien des NWT-Konzepts sind die eng verzahnte Erarbeitung von fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Inhalten mit Fokus auf Schule und Unterricht sowie der Handlungs- und Anwendungsbezug als zentrale didaktische Grundlagen.

Um Erfahrungen beim Experimentieren mit Schülern zu sammeln, förderdiagnostische Kompetenzen aufzubauen und Lernschwierigkeiten adäquat begegnen zu können, arbeiten Studierende verpflichtend mit Schulklassen im NWT-Lernlabor.

Projektwebsite

UNI-Klassen - Videolabors an Schulen

Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Michael Kirsch, Kai Nitsche

Studierende bemängeln häufig die Überfrachtung des Lehramtsstudiums mit theoretischen Inhalten. Auch Bildungsforscher fordern eine stärkere Berufsfeldorientierung. Ein Weg, um dieses Ziel zu erreichen, führt über reflexive Prozesse, in denen beobachtete Unterrichtspraxis und Wissen in Beziehung gesetzt werden. Im Projekt UNI-Klassen werden derartige Prozesse gefördert.

UNI-Klassen sind speziell ausgestattete Klassenräume an drei Münchner Schulen. Studierende können im Rahmen ihrer Seminare Unterricht entwickeln, erproben und evaluieren. Durch ferngesteuerte Kameras und Mikrofone können andere Studierende, Lehrpersonen oder Unterrichtsforscher im Nebenraum sitzen und dabei das Unterrichtsgeschehen auf einer Leinwand verfolgen, ohne den Unterricht zu stören.

Im Anschluss wird der Unterricht auf der Grundlage des Fachwissens der Studierenden reflektiert. Das Feedback unter den Studierenden unterstützt diesen Prozess. Derzeit können 600 bis 800 Lehramtsstudierende pro Semester Seminare in den drei UNI-Klassen besuchen.

Projektwebsite

ENSIGA: Planspiele in der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Universität Augsburg, Dr. Christoph Klebel

Wie wirkt sich menschliches Handeln auf Umwelt, Ökonomie und Soziales aus? In Planspielen lernen Schüler, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen und ihr Tun nach sich ziehen. Die Universität Augsburg entwickelt dafür didaktische Konzepte. Im Rahmen des ENSIGA-Qualifizierungsprogramms – ENSIGA steht für Environmental Simulation and Gaming - lernen Lehrkräfte die Planspielmethode kennen und bilden sich zu Spielleitern und Spieldesignern weiter.

Inhalte des ENSIGA Qualifizierungsprogramms sind Themen des globalen Wandels, die fachübergreifend anschließbar sind und interdisziplinäres Wissen vermitteln. Das betrifft Bereiche wie zum Beispiel Ressourcennutzung, Globalisierung, Ernährung, Entwicklungspolitik, Klimawandel, zukunftsfähige Energieversorgung und nachhaltiges Wirtschaften.

Um komplexen Zusammenhänge zu vermitteln und erfahrbar zu machen, werden Computersimulationsspiele, Brettspiele, Rollenspiele, haptische Spiele sowie ein vielfältiges Set an Methoden für Briefing, Spielphase und Debriefing eingesetzt.

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Netzwerk Musikunterricht

Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Julia Lutz

Die Vernetzung von Studium, Referendariat und ein hoher Berufsfeldbezug nehmen bei diesem Projekt zur Lehrerbildung im Fach Musik besonderen Stellenwert ein. Es richtet sich an Studierende des Lehramts Grundschule, Lehramtsanwärter und Lehrer und bietet diesen im Rahmen des Seminars "Netzwerk Musikunterricht" und der Übung "Basisqualifikation Musik" verschiedene Möglichkeiten zur Kooperation.

Im Zentrum steht die Planung von Unterrichtsstunden in kleinen Teams, die in den Klassen der teilnehmenden Lehramtsanwärter bzw. Lehrer durchgeführt, reflektiert und im Plenum diskutiert werden. Grundlegende Aspekte zur Didaktik und Methodik des Musikunterrichts in der Grundschule sowie themenbezogene praktische Anregungen für den Unterricht sind fester Bestandteil der Lehrveranstaltungen. Bei der inhaltlichen und methodischen Gestaltung der Seminartermine bringen sich die Teilnehmer auf verschiedenste Art und Weise aktiv ein.

Sie nehmen wechselnde Rollen als Lernende und als Lehrende ein, tauschen Erfahrungen und Materialien aus und diskutieren musikpädagogische Konzeptionen und praktische Beispiele für den Unterricht.

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Selbstreguliertes Lernen

Universität Regensburg, Prof. Dr. Heidrun Stöger

Ziel des Projektes „Selbstreguliertes Lernen“ (SRL) ist es, die Kompetenz des selbstregulierten Lernens bei Lehramtsstudierenden, Lehrkräften und SchülerInnen zu fördern. Es ist in fünf Bausteine gegliedert: Baustein 1 „Lehrveranstaltungen für Studierende“, Baustein 2 „Abschlussarbeiten im Rahmen von Praxisprojekten“, Baustein 3 „Praxisworkshops für Lehrkräfte und Studierende“, Baustein 4 „Trainingsprogramme an Schulen“ und Baustein 5 „Praxisvorträge für (zukünftige) Lehrkräfte, Eltern und BildungspolitikerInnen“.

Das Projekt fördert sowohl den Aufbau deklarativen Wissens als auch eine praxisnahe, verständnistiefe und reflektierte Anwendung. Auf diese Weise sollen Studierende und Lehrkräfte lernen, wie SRL erfolgreich im Klassenzimmer vermittelt und umgesetzt werden kann.

Website des Lehrstuhls

Big Breaks! - HipHop meets BigBand

Universität Augsburg, Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard

„Big Breaks“ ist ein besonders erfolgreiches Projekt der Uni Big Band Augsburg, das auf der künstlerisch-pädagogischen Zusammenarbeit mit Augsburger Jugendlichen aus der lokalen HipHop-Szene beruht. Zu den Zielen des Projekts gehörten neben der innovativen künstlerischen Fusion von Big Band-Sound und Musik der populärsten Jugendkultur unserer Zeit Beiträge zur sozialen Inklusion, interkulturelle und interinstitutionelle Begegnung sowie Förderung von Toleranz in der „Migrationsstadt“ Augsburg. Die Verschränkung der akademischen Lebenswelten der Lehramtsstudierenden mit der Staßenkultur HipHop ermöglichte den angehenden Musiklehrern tiefe Einblicke in die Lebensweisen und Gedankenwelten heutiger Jugendlicher. Das Projekt wurde von der Kinderjury für den „Junge Ohren Preis 2013“ des Netzwerks Neue Musik nominiert.

Projektwebsite