Bilingual in Frankenthal

Die Fachgruppe Fremdsprachen des BLLV war auf Einladung der dortigen „Friedrich - Ebert -Grundschule“ in Frankenthal ( Rheinland-Pfalz ) zu einer Hospitation gekommen. Viele Begegnungen bei zahlreichen Fachtagungen in der BRD unter Leitung des Fachgruppenleiters Jochen Vatter mit dem Team aus der Pfalz, dem Hans-Josef Dormann aus dem Bildungsministerium vorstand, führten zu diesem eindrucksvollen Besuch an einer offenen und geräumigen Schule.

Vorwiegend in Ganztagesklassen der beteiligten Grundschulen wird bilingual in 8 Wochenstunden der Jahrgänge 1-4 unterrichtet. Das Interesse ist auch bei den Eltern groß, dieses Schuljahr konnten drei erste Klassen gebildet werden, in denen jeweils eine Lehrkraft für Deutsch und Englisch tätig ist.

Viele Themen des Sachunterrichts werden dabei in angemessener Weise in der Fremdsprache behandelt. Ganz natürlich und in hervorragender Aussprache kommunizierten die Schüler dann über naturwissenschaftliche Inhalte (From Tadpole to Frog) und bewiesen, dass eine sachliche Ausrichtung des Englischunterrichts in der Grundschule für Kinder dieser Altersklasse leicht umsetzbar ist. Die Teilnehmer konnten vor Ort erleben, wie Kinder in der 2. Jahrgangsstufe Merkmale von Tieren, aber auch Monstern beschrieben, sie malten und wieder als Rätsel für ihre Mitschüler gestalteten. Faszinierend mit welcher Selbstverständlichkeit schon Zweitklässler mit dem Wortbild und grammatikalischen Phänomen umgingen und kleine Beschreibungen verfassten.

Mit einer bewundernswerten Sprechfreudigkeit und einer hohen Sprechkompetenz brachten sich die Schüler in natürlichen Situationen in variativen Unterrichts- und Sozialformen ein. Durch Spiele und Lieder ist der Unterricht ritualisiert und strukturiert. Dass manchmal mehrere Lehrkräfte im Klassenzimmer sind, hilft bei der Differenzierung und bei der Unterstützung der schwächeren Schüler und beim Fördern der Stärkeren.

Für die Gäste äußerst beeindruckend konnten Querverbindungen in den Bereichen Deutsch – Englisch auch im grammatischen Bereich (a – following consonant, an – following vowel) erkundet werden. In einem 3.Jahrgang gelang es den Kindern spielerisch, die Entstehungsgeschichte von Fröschen mit Textbausteinen und Bildern nachzuvollziehen. Mit einer erstaunlichen Routine gelang eine Synthese der Elemente in der Reflexionsphase. Die Schüler machten einen zufriedenen, ehrgeizigen Eindruck und arbeiteten gut mit, der Unterricht war so anschaulich gestaltet, dass die Schüler nicht überfordert waren. Interessant war der Heimat- und Sachunterricht auf Englisch, den die Schüler problemlos mitgestalteten und sich beteiligten als wäre es Deutschunterricht. Die gezeigten Beispiele konnten den Besuchern deutlich dokumentieren, dass Bayern in Sachen Bilingualität noch einen gehörigen Entwicklungsbedarf hat.

Die Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft im BLLV, Simone Fleischmann und der Leiter der FG Fremdsprachen, Jochen Vatter, sprachen der stellvertretenden Schulleiterin, Marion Duda, eine hohe Anerkennung für ihre tägliche Arbeit mit den Kindern aus. Ein freundliches und zielorientiertes Schulleiterteam sowie höchst engagierte und kompetente Lehrkräfte beeindruckten die Gäste aus Bayern. „I am super happy“ grüßten die Schülerinnen und Schüler der bilingualen Schule in Frankenthal, und super happy traten die Fachgruppenmitglieder wieder den Heimweg an.

Die Presseschau des besuchten Bundeslandes lieferte in der folgenden Woche ein Kuriosum: Dort fordern die verantwortlichen Politiker eine deutliche Erhöhung der Zahl von bilingualen Grundschulklassen, um die sozialen Chancen der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen. Insgesamt erlebte die Besuchergruppe einen sehr gelungenen Tag an der Schule, der Mut zur Nachahmung macht und Unverständnis hervorruft, wieso gerade im Bildungsland Bayern das bilinguale Konzept in der Grundschule bis auf eine Grundschule in Augsburg nicht bedacht wird. Natürlich sind Ressourcen bezüglich Personal, Ausbildung und Ausstattung notwendig, natürlich werden hierfür kompetente und gut ausgebildete Lehrkräfte und Unterrichtszeit benötigt. Aber das Konzept in Rheinland-Pfalz lässt doch hoffen und Erfolge erwarten.

Fazit: Englisch in der Grundschule und sogar Bilingualer Unterricht stellen keine Überforderung dar.