Englischunterricht in der Grundschule und dessen Ergebnisse

Richtig machen? Anders machen? Bleiben lassen?

Am Samstag, 25.04.2009, fand in Nürnberg von 9.30 bis 13.00 Uhr die sehr interessante Podiumsdiskussion zum Thema „Englischunterricht in der Grundschule“ statt.

Das hochkarätige Podium setzte sich aus:

  • Prof. Dr. Heiner Böttger von der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt
  • Dr. Johann Aßbeck, Universität Regensburg
  • Rdin Anne Blank, Staatsministerium für Unterricht und Kultus,BY
  • OstR Carsten Böckl, Staatsministerium für Unterricht und Kultus, BY
  • Gabriele Engel, Ministerium für Schule und Weiterbildung, NRW
  • Ina Hesse, Mitglied im Hauptvorstand des Bay. Philologenverbandes
  • Robert Kolb, Mitglied des geschäftsf. Vorstandes des BRLV und
  • Gabriele Krista, FBin, Mitglied eines Arbeitskreises am ISB, FG Fremdsprachen,

zusammen.

 

Jochen Vatter, Rektor und Leiter der FG Fremsprachen im BLLV moderierte die Veranstaltung, zu der auch viele FachberaterInnen für das Fach Englisch, Englischlehrkräfte aus anderen Bundesländern, SeminarrektorInnen, Rektoren, Verlagsmitarbeiter und Multiplikatoren erschienen waren.

Frau Regierungsdirektorin Anne Blank aus dem Staatsministerium erläuterte zu Beginn die Kernidee des Englischunterrichts in der Grundschule:

Als man mit dem EU in der GS anfing, sollten grundlegende Fremdsprachenkenntnisse in Form eines Begegnungskonzeptes vermittelt werden – ohne darauf zu achten, was in den weiterführenden Schulen passiert.

Bald darauf wurde die linguistische Progression gefordert und als Folge entstand die Konkretisierung des Lehrplans, der verbindliche Strukturen, verbindlichen Wortschatz sowie Kenntnisse im Lesen und Schreiben vorgibt. Man gelangte also zu einem mehr ergebnisorientierten EU in der GS, was zur Einschränkung auf Englisch als einziger Angebotssprache und damit auch zu Unmut führte.

Es mussten alle GS-Lehrer nachqualifiziert werden, indem sie Sprachkompetenz und Methodenkompetenz in einem Test nachwiesen. Als Voraussetzung für die universitäre Ausbildung als GS-Lehrer wird nun auch eine gewisse Kenntnis im Bereich Englisch als Zugangsvoraussetzung verlangt. Nicht zuletzt wurden Kleeblätter ins Leben gerufen, die die Schnittstelle von GS zu den weiterführenden Schulen durch gegenseitige Hospitationen schließen helfen sollen.

Gabriele Engel umriss die Entwicklung des EUs in der GS in NRW. Dort wurden ebenso wie in Bayern Lehrer nachqualifiziert. Umfangreiche Tests, in denen Lehrer, Schulleiter und Schüler befragt bzw. getestet wurden, ergaben, dass die Grundschüler eine hohe Kompetenz im rezeptiven Bereich erreichen, im produktiven Bereich aber Schwierigkeiten haben. Diese Problematik, für die es mehrere Ursachen gibt, wird nun mit wissenschaftlicher Begleitung angegangen, wobei die Grundschüler in NRW bereits ab der 1. Klasse EU erhalten und dann ab der 3. Klasse benotet werden.

Die Vertreterin der Philologenverbandes Ina Hesse äußerte, dass Schüler der 5. Jahrgangs-stufe des Gymnasiums in Englisch häufig sehr unterschiedlich vorbereitet aus der Grundschule kämen und somit ein „Angleichungsunterricht“ stattfinden müsse. Sie forderte, dass die gekürzte Deutschstunde, die zugunsten des EU in der GS genommen wurde, zusätzlich zum EU wieder zurückgegeben werden müsse, da Deutsch der Schlüssel zu allen anderen Fächern sei.

Robert Koch, der den Realschullehrerverband vertrat, erklärte, dass die Kinder der 5. Jahrgangsstufe in der Realschule keinerlei Probleme mit dem Übergang von der 4. zur 5. Klasse hätten. Die Realschullehrer bemühten sich, die Übungstypen aus der GS weiterzuführen und die bereits erworbenen Kenntnisse aus der GS zu nutzen. Als Schwierigkeit empfand Robert Koch, dass nicht alle GS-Lehrer adäquat ausgebildet seien und dass dies zu Fehlentwicklungen im Englischlernen führen könne, die später nicht wieder gut zu machen seien.

Carsten Böckl aus der Gymnasialabteilung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus kritisierte, dass die Ausbildung für GS-Lehrer nicht ausreiche und nicht alle Grundschüler einheitlich beschult würden. Er gab aber auch zu bedenken, dass es die KdLP noch nicht lange gäbe und auch die Kleeblätter noch einen weiten Weg vor sich hätten, um auf breiter Basis effektiv zu sein. Er stellte einen Schulversuch vor, der vorsieht, dass an Gymnasien, an denen Englisch nicht die erste Fremdsprache ist, Englisch trotzdem aus der Grundschule fortgeführt wird, um den Bruch zu vermeiden.

Prof. Dr. Heiner Böttger stellte eine Befragung von Lehrern an Realschule und Gymnasium vor, die in der 5. Klasse Englisch unterrichten. Es ergab sich daraus, dass die Lehrer an RS und Gym zum großen Teil den EU in der GS für überflüssig hielten und nicht wüssten, was im EU der GS passiert. Herr Böttger führte dies auf fehlende Information, aber auch auf die unterschiedlichen Erwartungen in der GS und an den weiterführenden Schulen zurück. Er forderte:

    • eine positive Evaluationskultur, die das Ineinandergreifen des Eu in GS und RS oder Gym möglich macht

    • Englisch muss ein Kernfach werden

    • es muss in der GS mehr Wortschatz geben, der mehr Verben und Adjektive beinhaltet

    • strukturelle Probleme, die den EU in der GS hemmen, müssen beseitigt werden

    Dr. Johann Aßbeck von der Universität Regensburg sieht der Entwicklung des EUs in der GS mit Bedenken entgegen. Er betonte, dass die Zahl der Lehramtsstudierenden für GS für das Fach Englisch seit den 90er Jahren nicht angestiegen sei. Dies bedeutet, dass ein großer Teil des EUs in der GS von fachfremden Lehrern unterrichtet werden müsse.

    Damit ist auch klar, dass die „critical period“, der Zeitabschnitt, in dem die Aussprache intuitiv erworben werden kann, bei uns in Bayern nicht effektiv genutzt werde. Somit steht der dringend notwendige Input von GS-Lehrern, der nur mit ausreichend hoher Sprachkompetenz möglich ist, für den Englischlernprozess auf Dauer nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

    Gabriele Krista forderte die Nachbesserung der KdLP, vor allem was die Strukturen betrifft, da diese zu umfangreich für die GS seien. Sie lobte die Effektivität der Kleeblätter und stellte deren Bedeutung für die Kooperation zwischen GS und weiterführenden Schulen heraus. Leider gab es zur Effektivität dieser Einrichtung aber auch negative Erfahrungen aus dem Publikum.

    Zum Abschluss verwies Jochen Vatter auf die Broschüre „Fremdsprachenunterricht als Kontinuum“, in der es Empfehlungen zum Übergang von der GS in die weiterführenden Schulen gibt. Zudem verwies er auf die Bemühungen des BLLV hinsichtlich eines Gesamtkonzeptes Fremdsprachenunterricht. Prof. Dr. Heiner Böttger wies auf die Internetseite www.okay-english-webcoach.de hin, auf der man kurze Videosequenzen zum EU in der GS ansehen und daraus über den EU lernen kann.

    Die sehr gelungene und äußerst interessante Podiumsdiskussion zum Thema Englischunterricht in der Grundschule und dessen Ergebnisse

    Richtig machen? Anders machen? Bleiben lassen?

    führte allgemein zu der Erkenntnis, dass der EU in der GS sicherlich gut und richtig ist, dass aber noch vieles nachgebessert werden und die Bereitschaft voneinander zu lernen noch steigen muss.

     

    Kathrin Wasmeier, Fachgruppe Fremdsprachen