Beeindruckendes Ergebnis der Realschüler bei English Zertifikat PET

Minister Spaenle würdigte den Sprachunterricht an Bayerns Realschulen - 3.300 Schüler bayerischer Realschulen nahmen an internationalen Cambridge Prüfungen in Englisch teil

 

"Realschüler aus Bayern sehr erfolgreich bei internationalen Cambridge Prüfungen"

 

MÜNCHEN. Die bayerischen Realschüler haben beim "Preliminary English Test" (PET) in diesem Schuljahr hervorragend abgeschnitten. 3.300 Schülerinnen und Schüler aus den 9. Jahrgangsstufen der Realschulen hatten an dem internationalen Cambridge Examen teilgenommen. Über 85% von ihnen haben die Prüfung bestanden, 21% sogar mit Auszeichnung. Und fast 9% haben sogar das höchste Niveau erreicht. Dieses liegt deutlich über den Bildungsstandards zum mittleren Bildungsabschluss.

"Die Realschule ist eine ausgesprochen leistungsfähige Schulart. Auch in diesem Jahr haben die Schülerinnen und Schüler wieder bewiesen, dass sie in der Realschule Fremdsprachenkenntnisse auf sehr hohem Niveau erwerben. Dies lässt sich auch an der Wahlpflichtfächergruppe IIIa mit Französisch ablesen", so Bildungsminister Dr. Ludwig Spaenle. Ergänzend betonte der Minister: "Ich bin den Lehrkräften an unseren Realschulen sehr dankbar, dass sie unsere jungen Menschen nachhaltig zum Erlernen und Anwenden von Englisch motivieren und ihnen so viele Möglichkeiten und Chancen für eine qualifizierte Berufsausbildung oder für einen weiteren schulischen Weg eröffnen." Die Ergebnisse beim PET belegen die hohe Qualität des Englischunterrichts an den Realschulen und die erfolgreiche Arbeit der Realschullehrkräfte.

Das Cambridge Zertifikat ist ein weltweit anerkanntes Sprachdiplom. Es umfasst alle Fertigkeitsbereiche, von der mündlichen über die schriftliche Ausdrucksfähigkeit, bis hin zum Hörverstehen. Der Test liefert damit aussagekräftige Ergebnisse über die Fremdsprachen-Kompetenz der Teilnehmer. PET wird von vielen Unternehmen als wertvolle Zusatzqualifikation anerkannt. Es eröffnet den bayerischen Realschülerinnen und Realschülern somit zusätzliche Chancen auf dem Ausbildungsmarkt - ein wichtiger Aspekt für Schülerinnen und Schüler.
(Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vom 9.5.2016)

 

Auch die Fachgruppe Fremdsprachen gratuliert den Kolleg/innen der Realschulen, denen durch den Minister ein großes Lob ausgesprochen wurde.

Ein Lob gebührt aber auch dem Minister und der Staatsregierung, die durch die Einführung des Schulversuchs „Lernen in zwei Sprachen“ einen weiteren Baustein für die Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts und des bilingualen Lernens platziert haben. Dazu darf gerne stolz gesagt werden, dass Anstöße dazu aus der Fachgruppe und dem BLLV kamen.

Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass bald auch die Kolleginnen und Kollegen in den Grundschulen ein Lob für ihre Arbeit im Englischunterricht erhalten werden.

Trotzdem hat die LDV des BLLV im letzten Jahr einen umfangreichen Beschluss zum Schulversuch und zum bilingualen Lernen und dessen Weiterentwicklung gefasst. Er sei den Verantwortlichen ans Herz gelegt.

 

F 58 Schulversuch „Lernen in zwei Sprachen – Bilinguale Grundschule Englisch“

Antrag: Der BLLV möge sich dafür einsetzen, dass bei der Einführung des Schulversuchs „Lernen in zwei Sprachen – Bilinguale Grundschule Englisch“ folgende inhaltliche Vorgaben berücksichtigt werden:

  1. Bilingualen Unterricht nur auf die sogenannten weichen Fächer (Musik, Kunst, Sport) zu beschränken, ist eine gravierende Fehldisposition, erzeugt das Gefühl von Minderwertigkeit des Vorhabens. Bilingualer Unterricht ist primär kommunikativ ausgerichtet und sollte zumindest auch den Sachfachbereich und auch Mathematik einbeziehen. Auch sprachliche Inhalte eignen sich hervorragend für zweisprachig ausgelegtes Lernen.

    Kritisch zu hinterfragen ist auch die vor der Realisation vorgesehene Entwicklung von Unterrichtskonzepten bzw. von Unterrichtseinheiten. Solche Vorgaben können den unterschiedlichen Profilen beteiligter Projektschulen bzw. der Individualität des Unterrichtshandelns beteiligter Lehrkräfte nicht gerecht werden. Die Heterogenität von Lehr- und Lernprozessen und wie damit in Schulen umgegangen wird, verbietet im Grunde die Uniformität wie sie im Eckpunktepapier vorgegeben ist.

    An die Stelle vorformulierter und vorgedachter Konzepte und Unterrichtseinheiten könnten zu entwickelnde didaktische, methodische, mediengestützte und auf bilinguales Lehren und Lernen abgestimmte Handlungsstrategien treten, die unabhängig von Lerngruppenstrukturen, Schulprofilen, Individualität der Lehrenden modifiziert auf geeignete Themenbereiche entwickelt werden. Praktikable Hilfen bietet diesbezüglich der Europäische Referenzrahmen für Sprachen an und auch das Erfahrungspotential aus bereits bestehenden Bili-Grundschulen.


  2. Die Niveaustufe A1 als Zielvorgabe für Bilingualen Unterricht ist zu niedrig angesiedelt. Diese Festlegung verkennt die Sprachlernfähigkeiten von Grundschulkindern und stellt im Grunde die mit dem Bilingualen Lernen zu erwartenden und einzufordernden Sprachlernzuwächse von vorneherein in Frage.


  3. Die Zielgruppe für die Teilnahme am zweisprachigen Unterricht sind „sprachlich begabte und interessierte Schülerinnen und Schüler.“

    In dieser Formulierung steckt nicht zu unterschätzendes Problem- und Konfliktpotential, das durch nachfolgende Fragen transparent gemacht wird:

    • Mit welchen sprachrelevanten Parametern will man bei Schulanfängern sprachliche Begabung bzw. sprachliches Interesse feststellen?

    • Ist den künftigen Bili-Schulen bewusst, welche Schlüsselqualifikationen für eine erfolgreiche Teilnahme am zweisprachigen Unterricht als günstig eingestuft werden?

    • Liegt eine in sich schlüssige Argumentationslinie vor, die Eltern von der Sinnhaftigkeit des zweisprachigen Unterrichts ab Jgst. 1 überzeugen kann und die, positiv gedacht, die Entscheidung der Eltern beim Anmeldeverhalten beeinflusst?

    • Wer trifft in der Bili-Schule die Entscheidung, ob ein für die Bili-Klasse angemeldetes Kind aufgenommen wird oder nicht?

    • Können Eltern einen Rechtsanspruch auf die Teilnahme am Bili-Unterricht geltend machen?

    • Wie ist zu verfahren, wenn die Anmeldungen für die Bili-Klasse im Ungleichgewicht zur Parallel-Klasse stehen?


  4. Die geforderte fremdsprachliche Qualifikation von mindestens einer Lehrkraft verkennt schulische Realitäten. Bilinguales Lernen ist in keinem Fall eine „Ein Mann/Frau“-Angelegenheit, sondern ein sehr komplexes Gefüge, das nur dann Erfolg zeigen kann und wird, wenn in der jeweiligen Klasse unterrichtende Lehrkräfte in kontinuierlicher Kommunikation miteinander stehen bzw. sich mit dem bilingualen Lernen auch identifizieren.

    Als Faustregel für Personalressourcen sollte gelten, dass je Bili-Klasse mindestens zwei entsprechend kompetente Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

    Die Realisierung dieses Ansatzes muss unbedingt von Anfang an verfolgt werden. In Frage kommende Schulen werden mit entsprechenden Lehrkräften versorgt bzw. interessierte Lehrkräfte werden ab sofort ausgebildet.

    Erfolgreiches bilinguales Lehr- und Lernhandeln in den einzelnen Schulen stellt sich nur dann ein, wenn die Schulen/Lehrkräfte nicht auf sich allein gestellt sind. Das heißt konkret: Es müssen auf Dauer Netzwerke eingerichtet werden, die regelmäßig und in nicht allzu großen zeitlichen Abständen ermöglichen …

    • … den Austausch und Dokumentation bilingualer Unterrichtserfahrungen

    • … die Weiterentwicklung individueller Handlungsstrategien

    • … den Ausbau der fachlichen individuellen Bili-Kompetenzen durch Experten

    • … den Umgang mit Schwierigkeiten und Problemen

    • … die Entwicklung geeigneter Informationsstrukturen zur Eltern- und

    • … Öffentlichkeitsarbeit

    • … die Weiterentwicklung des schulischen Bili-Profils

    • … Hospitationen von Bili-Unterricht

    So wichtig die Vorbereitungsphase für den Bilingualen Unterricht auch ist, primär erfolgs- und zielrelevant ist die Effizienz der einschlägigen Netzwerkarbeit.


  5. Die einer Bili-Schule in Aussicht gestellten zwei Anrechnungsstunden verkennen den mit der Umsetzung des Projekts verbundenen zeitlichen Mehraufwand für Schule und Lehrkräfte. Mindestens 2 Anrechnungsstunden sollten für jede Bili-Klasse bereitgestellt werden, zusätzlich eine weitere Anrechnungsstunde für die Schulleitung.

    Die Rechtmäßigkeit dieses Anspruchs vereinfacht ausgedrückt und auf einen Nenner gebracht:

    • Auf die Schulleitung kommen mehr Verwaltungs- bzw. auch Steuerungsaufgaben zu.

    • Die Vorbereitung des bilingualen Unterrichts zusammen mit der institutionalisierten Kommunikation erfordert für Lehrkräfte im Vergleich zum herkömmlichen Unterricht mehr Zeit.

    Zudem wäre für die Jahrgangsstufen 1 und 2 eine weitere „Sprachenstunde“ in der Stundentafel machbar. Im Rahmen einer verlässlichen Halbtags- oder Ganztagsgrundschule sollte keine Klasse vor 13 Uhr nach Hause gehen (müssen). Während dieser Stunde könnten in der Bili-Klasse fremdsprachliche Inhalte eingebracht/vertieft werden.

 

(Jochen Vatter für die FG Fremdsprachen)