Fachtagung Fremdsprachen 2008 ein voller Erfolg

Zur diesjährigen Landesfachtagung der Fachgruppe Fremdsprachen im BLLV konnte Fachgruppenleiter Jochen Vatter insgesamt 125 Interessierte begrüßen, die an den 15 Fachveranstaltungen für Lehrkräfte aller Schularten teilnahmen.

Drei Fortbildungsverantwortliche waren sogar aus Rheinland-Pfalz und aus Nordrhein-Westfalen angereist.

Es war auch schön zu sehen, wie Schüler der Hauptschule Parsberg bereit waren am Samstag in die Schule zu kommen und die Gäste freundlich und höflich mit selbst zubereiteten Speisen bedienten und verwöhnten.

Auf großes Interesse stieß die Podiumsveranstaltung zu Beginn der Tagung am Freitag Nachmittag, die den programmatischen und kämpferischen Titel „Und sie können doch etwas!“ trug. Eine sehr kompetente und harmonische Zusammensetzung des „Podiums“ mit Lehrkräften aus Grund- und Hauptschule, Realschule und Gymnasium war Grundlage für eine insgesamt sehr positive Stimmung und befriedigende Diskussion, die Kollegin Gabriele Krista souverän leitete.

Grund für das Thema der Veranstaltung war die Tatsache, dass immer wieder und immer noch Leistungen der Grundschüler nach zwei Jahren Englischunterricht in der dritten und in der vierten Klasse von den weiterführenden Schulen (Gym, RS, HS) nicht zur Kenntnis genommen oder als nicht ausreichend beschrieben werden. Eigentlich kann es ja nicht sein, dass gerade die guten Grundschüler, die ans Gymnasium und an die Realschule wechseln, schlechtes sprachliches Können aufweisen.

Woran liegt es dann, dass gerade Lehrkräfte dieser Schularten eine negative Meinung vom Englischunterricht in der Grundschule haben? Die Teilnehmer kamen zu dem Schluss, dass die Kinder, die in der Grundschule in Englisch unterrichtet werden, bereits sehr viel können. „Sie können etwas!“, wurde der programmatische Titel der Podiumsdiskussion unterstrichen. Es werden die Grundlagen gelegt, die Aussprache der fremden Wörter wird gesichert. Viele Lehrer der weiterführenden Schulen meinen, sie müssten in Englisch bei Null anfangen, so Sonja Sonnauer, doch dem ist nicht so. Die Kinder werden bereits in der Grundschule an die fremde Sprache herangeführt und sind mit Freude und höchster Konzentration bei der Sache. Diese gilt es für die Lehrer der fünften Klassen auszunutzen und darauf aufzubauen und nicht bereits zu Schuljahresanfang mit einer Stofffülle und einem Notendruck wieder zunichte zu machen. Das lexikalische Wissen dürfe in den unteren Klassen nicht sofort in den Mittelpunkt gestellt werden, die Vorarbeit, die in der Grundschule geleistet wird, muss von den Kollegen gesehen und wertgeschätzt werden.

Es wurde bedauert, dass es trotz der von den Regierungen eingerichteten „Kleeblätter“ zum größten Teil an der Kommunikation zwischen den vier Schularten mangelt, so dass in dieser Hinsicht teilweise zu eindimensional gedacht wird.

Darin setzen sich vier Lehrer aus jeweils einer Schulart zusammen, tauschen sich aus, besuchen sich gegenseitig im Unterricht und erarbeiten gemeinsam Grundlagen und stellen Kompetenzprofile auf, die beinhalten, was die Grundschüler nach der vierten Klasse tatsächlich können. Und das ist ganz schön viel!

Ziel der Diskussion war es, die Basis für eine verständnisvolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften aller Schularten zu bereiten, verstärken und auszubauen, wovon sich die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer gerne überzeugen ließen.

Als Botschaft aus der Veranstaltung ergab sich vor allem, dass die Grundschule die Konkretisierung des Lehrplans konsequent umsetzen muss, denn die weiterführenden Schulen sind wirklich auf diese Vorleistung angewiesen, die sie aber auch zur Kenntnis nehmen und würdigen müssen. Und die Botschaft an die GS-Lehrkräfte muss sein, dem Fach Englisch die Bedeutung zukommen zu lassen, die ihm zukommen muss.

Des Weiteren kamen aus dem Plenum positive Rückmeldungen aus bereits stattgefundenen Kooperationsveranstaltungen, obwohl auch von einem Fehlstart des „Kleeblatts“ berichtet wurde, bezüglich dessen noch großer Fortbildungsbedarf angemeldet wurde.

Nach Ende der Veranstaltung interessierten sich noch etliche Kolleginnen für Detailinformationen zur Kooperation zwischen den Schularten.

Der Vertreter des Gymnasiums und Fachgruppenleiter Moderne Fremdsprachen im Philologenverbandes, StD Wolfgang Judenmann aus Regensburg, bestärkte die positiven Erfahrungen mit dem Können, das die Kinder aus der Grundschule mitbringen, er begrüßte die Podiumsdiskussion und freute sich über die interessanten und Gewinn bringenden Gespräche davor und danach. Mit dem Fachgruppenleiter verbindet ihn eine schon länger dauernde Zusammenarbeit im Interesse des Faches und der Schüler.

Zur perfekten Durchführung der Tagung, den bereitgestellten Unterlagen und dem angenehmen Ambiente gratulierte er ganz besonders.

Vor allem mache es Spaß mitzuwirken und einen Beitrag zu leisten, der irgendwie denen zugute kommt, für die wir eigentlich alle arbeiten, für unsere Schüler, unsere Kinder und Jugendlichen.

Als Novum bot Fachgruppenleiter Vatter zeitgleich eine Gesprächsrunde mit Erzieherinnen an, die über ihre Erfahrungen mit Englisch in Kindertagesstätten berichteten. Obwohl die Runde nur klein war, konnten interessante Ergebnisse der vielfältigen Ausprägungen der Englischvermittlung in den Kitas diskutiert werden. Besonderes Interesse wurde seitens der Erzieherinnen hinsichtlich Fortbildungs-maßnahmen signalisiert.

Es ist sicher Ziel führend und wünschenswert den Kontakt mit dieser neuen Gruppe der Fremdsprachen Unterrichtenden aufrecht zu erhalten, denn

der Bayerische Bildungsplan für die Kindertagesstätten sieht auch den Bereich „Fremdsprachen“ vor. Dessen Verwirklichung wird von den Einrichtungen völlig unterschiedlich gehandhabt. Nach 200 ausgesandten Anfragen erhielt der Fachgruppenleiter 20 Rückmeldungen mit kurzen Erfahrungsberichten.

Die Veranstaltung verstand sich als Informations-, Erfahrungs- und Meinungsaustausch zur Ermittlung wünschenswerter Aktivitäten und Maßnahmen u.a. bezüglich Personal und Ausbildung.

 

Im Hauptreferat am Samstag sprach Herr Prof. Dr. Heiner Böttger zum Thema

 

Der Paradigmenwechsel – eine kritische Würdigung des Status quo

Der Paradigmenwechsel ist seit langem ein englischdidaktischer Konsens in Wissenschaft und Unterrichtspraxis - und viele Schritte sind schon in diese Richtung gewagt worden. Die Rede ist von der radikalen Änderung des in negativem Sinne „verschulten“ Englischunterrichts hin zur kommunikativen, schülerorientierten Ausrichtung.
Aber wie weit ist der gewünschte Prozess in den letzten Jahrzehnten denn eigentlich wirklich gediehen?

Nach Ansicht des Vortragenden deuten viele Zeichen eher darauf hin, dass überkommene und scheinbar überwundene Aspekte wieder heimlich und unter anderem Namen en vogue werden, dass trotz Europäischen Referenzrahmens weiterhin ein Unterricht stattfindet, der nicht oder nur bedingt zu anwendbaren fremdsprachlichen Fähigkeiten führt.
Welche Paradigmen sind es nun genau, an denen angesetzt werden muss?
Was genau muss endlich geändert werden, woran müssen alle für Englischunterricht Verantwortlichen gemeinsam arbeiten?
Unter anderen sprach der Referent folgende Aspekte an:

Lehrerbildung:
Fundierte Ausbildung von Fachleuten mit guter sprachlicher Kompetenz, möglichst Förderung von Personen mit Hauptfach Englisch bzw. Fortbildungen anbieten, die sprachliche Kompetenz fördern.

Fehler:
Obwohl eigentlich schon lange bekannt, bedarf es einer neuen Einstellung gegenüber Fehlern. Fehler sind eigentlich unser aller Freunde, denn sie zeigen an wo Förderbedarf besteht, sind also ein Instrument zur Hilfe.

Medien:
Rolle der Medien im EU hat sich verändert und muss berücksichtigt werden.

Input:
Ein schülergerechter Input muss das Ziel sein, denn vielfach interessieren Figuren oder Geschichten im Schülerbuch den Schüler nicht mehr.

Das sich anschließende Referat: "What's correct English?" von Mr Robert Parr eröffnete eine interessante Sichtweise, die vielen Zuhörern aus dem Herzen sprach und die alle sicher im Hinterkopf behalten werden. Wie und ob sich das in die Abschlussprüfungen integrieren lässt, haben andere in der Hand. Dr. Parr machte klar, dass "native speaker" nicht automatisch bedeutet, dass jemand gutes Englisch spricht. Auch fehlendes "Queen's English" sollte Lernende nicht entmutigen. Englisch sollte vielmehr als Lingua Franca angesehen werden, wobei es keine Rolle spielt, wenn z.B. das 3. Person "s" permanent vergessen wird - es tut der Kommunikation keinen Abbruch. Schwerwiegender sind oft Wortschatzfehler und oft ist auch die Betonung innerhalb eines Satzes wichtiger, um die Absicht wiederzugeben. Da ja die Kommunikation im Unterricht Vorrang haben sollte, gäbe es eigentlich viel seltener Anlass zu "heart attacks in classes"!

Haben Rocksongs etwas in einem Klassenzimmer zu suchen?

Ja, haben sie. Spätestens nach der Veranstaltung des Iren Killen McNeill (Fachberater in Mfr) wurden die Lehrer und Lehrerinnen überzeugt, auch in ihrem Englischunterricht mit modernen Rock-Pop- und Folk-Songs zu arbeiten.

Zunächst kann man die Schülerinnen und Schüler über die Melodie und den Bekanntheitsgrad der Songs und Gruppen erreichen. Im Anschluss daran werden Hörverständnis, Grammatik, Texterstellung, Landeskunde, und Rechtschreiben geschult. Für Spaß und Motivation sorgten Beispiele mit Limp Bizkit, den Cranberries, Snow Patrol, Coldplay, Rod Stewart, The Cure und anderen.

McNeill zeigte eindrucksvoll mit welchen Methoden sich die Lieder und Texte im Unterricht einsetzen lassen.

Der Referent fühlte sich von der Organisation in Parsberg sehr gut betreut und konnte eine lebhafte und auch für ihn selbst gewinnbringende Veranstaltung durchführen.

Eine Plattform für die Weitergabe der bisher gewonnenen Ergebnisse aus dem Schulversuch zur Modularisierung im Fach Englisch der Hauptschule bot die Tagung der Referentin am ISB, Hella Tinis-Faur.

Das Interesse an der Thematik war groß. Die Teilnehmer hörten dem Vortrag bis zum Ende der Veranstaltung sehr konzentriert und aufmerksam, geht es doch darum, das Gehörte in Bälde selbst umsetzen zu müssen.

Der Referentin schien es, dass die Teilnehmer die Idee des Unterrichts in Modulen bzw. der dreigliedrigen Organisationsstruktur für eine individuelle Förderung begrüßen und eine kompetenz(outcome)orientierte Ausrichtung des Unterrichts willkommen heißen.

In Sachen kompetenzorientierten Unterrichts muss aber fortbildungsmäß einiges laufen, da die Sorge, das Lehrwerk wegen der Modulphasen nicht komplett durcharbeiten zu können, des Öfteren geäußert wurde.

Einzelne Fragen haben gezeigt, dass auch im Hinblick auf die organisatorische Umsetzung, Bedenken herrschen. Einzelgespräche und Rückmeldungen zeigten aber auch, dass die Hauptbotschaft verstanden worden war: Der Schulversuch wird nicht mit fertigen Rezepten aufwarten können, vielmehr muss er verschiedene Modelle von Umsetzungsmöglichkeiten vorstellen, die interessierte Schulen dann entsprechend der Gegebenheiten vor Ort auf ihre Situation übertragen bzw. anpassen können.

"Mit Herz" (Sie hatte ein Herz als Feedbackmöglichkeit dabei) hat Emma Niklas das Konzept von Howard Gardner, einem Neurologen aus den USA, nahe gebracht. Die "seven ways of teaching" führen zur Kommunikation im Englischunterricht der Hauptschule. Dies belegte sie mit vielen praktischen Beispielen aus ihrem Unterricht. Mit ihrem Anspruch, dass der Englischunterricht über die Grammatik hinausgehen und Kommunikation stattfinden muss, hat sie direkt ins Schwarze getroffen.

Auch die weiteren Referate und Workshops erfreuten sich eines guten Zuspruchs und wurden von den Teilnehmern positiv bewertet, so dass die Fachgruppe erfolgreich und zufrieden den Weg heim nach Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz antreten konnte.

Auf ein Neues?