Was kann der Fremdsprachenunterricht leisten und was kann er nicht?

Diese provokative Fragestellung mit weiteren Untertiteln war der Ansatzpunkt des Referats von Professor Dr. Thorsten Piske bei der diesjährigen Landesfachtagung der BLLV-Fachgruppe Fremdsprachen in Nürnberg.

Nach einer kurzen Begrüßung der vielen interessierten Teilnehmer aus allen Schularten mit Fremdsprachenunterricht, sowie von mehreren Hochschulen durch den designierten Nachfolger für die Fachgruppenleitung, Herrn Dr. Christoph Vatter überbrachte Frau Sandra Schäfer als NLLV-Vorsitzende Willkommensgrüße des lokalen städtischen Lehrerverbands in mehreren an ihrer ehemaligen Schule gesprochenen Muttersprachen. Ebenfalls war BLLV-Vizepräsident Tomi Neckov zur Veranstaltung angereist.

Professor Piske, der seit Ende der 90er Jahre zum Bilingualen Unterricht in der Grundschule forschte, stellte neueste Erkenntnisse aus der Forschung zum Spracherwerb und zum bilingualen Sachfachunterricht an Schulen vor.

Als Inhaber des Lehrstuhls Fremdsprachendidaktik an der FAU Erlangen-Nürnberg mit dem Schwerpunkt „Didaktik des Englischen“ konnte er sowohl eigene, als auch nationale und internationale Forschungsergebnisse vorstellen und diskutieren.

Mit einer beeindruckenden Szene aus einem Unterrichtsmitschnitt konnte er die Leistungsfähigkeit von Schülern in einem bilingualen Sachfachunterricht in einem 2.Jahrgang einer Hamburger Grundschule verdeutlichen.

Dem Verhältnis von Fremdsprachenunterricht und Spracherwerbsforschung ging er besonders auf den Grund. Ebenfalls beleuchtete er wichtige Faktoren, die den Erwerb einer Zweitsprache wesentlich beeinflussen (Lernalter, Geschlecht und besonders Leistungen von Schülern mit Migrationshintergrund).

Der Fragestellung, ob Fehler im Fremdsprachenunterricht vermeidbar sind, maß er ebenfalls große Bedeutung zu und erläuterte sowohl die Behandlung von Ursachen als auch Typen von Fehlern im Fachunterricht.

Sein Fazit nach routiniert belegten Forschungsergebnissen fiel deutlich aus:

Grundschulkinder können schnell größere Fortschritte beim Fremdsprachenlernen erreichen, wenn Qualität, Häufigkeit und Unterstützung beim Unterricht ihnen zu Teil werden. Bilingualer Sachfachunterricht – vom Schulanfang bis zum Abschluss der Sekundarstufe sollte kontinuierlich und intensiv erfolgen – dann sind auch keine Leistungsunterschiede bei Schülern mit Migrationshintergrund festzustellen.

 

Mit großer Zustimmung und langem Beifall wurde der Vortrag von Professor Dr. Piske beendet.

In der folgenden Frage- und Diskussionsrunde wurde oft der Wunsch geäußert, dass der in Mittelfranken gestartete Schulversuch zum bilingualen Unterricht ab der ersten Klasse unbedingt weiter geführt, evaluiert und auf alle Grundschulen Bayerns ausgeweitet werden sollte. Für die Kinder mit Französisch als erste Fremdsprache wurde von den dort unterrichtenden Lehrkräften gefordert, doch endlich auch einen Lehrstuhl für den Frühbeginn mit Französisch einzurichten, am besten an der FAU Erlangen Nürnberg , weil hier die besten Voraussetzungen für eine Fortbildungsoffensive bestehen.

In der anschließenden Sitzung der Fachgruppe nahm Vizepräsident Neckov die Ehrung des bisherigen FG-Leiters Jochen Vatter vor, der sein Amt seit 1988 über drei Jahrzehnte lang inne hatte.

Während ständig veränderten Schullandschaften hatte er es geschafft, seine Fremdsprachenkollegen immer auf dem neuesten Stand zu halten mit Rundmails, Informationen zu Fachveranstaltungen, Einladungen zu jährlichen Landesfachtagungen an wechselnden Orten mit mehreren aktuellen Referenten und häufigen Befragungen zu Veränderungsnotwendigkeiten des Fachunterrichts. So konnte er sicherstellen, dass nach mehreren Schulversuchen und mit dem neuen Europagedanken in der Bildungspolitik seine KollegInnen immer am Puls der Zeit waren.

Das war für ihn auch der wichtige Anlass, die Umbenennung von FG Englisch(nur für Englisch Hauptschule) in FG Fremdsprachen für Fremdsprachenlehrer aller Schularten zu initiieren.

Nachdem viele KollegInnen anfangs ohne authentisches Lehrmaterial alleine gelassen wurden, war es wiederum Jochen Vatter, der in Zusammenarbeit mit dem Domino Verlag eine didaktisch methodische Fachzeitschrift (Fremdsprachenfrühbeginn für Englisch, Französisch, Italienisch und Tschechisch) und eine Schülerzeitschrift (Okay für Schüler mit Frühbeginn Englisch) herausgab. Parallel dazu wirkte er lange Zeit als Fachreferent und –autor, als Berater und Mitherausgeber von zahlreichen Englischlehrwerken beim Klett Verlag.

Ein sehr stimmiges und durchdachtes Fremdsprachenkonzept für Bayern hatte er mit seinen FachkollegInnen entwickelt und mit dem BLLV beim Kultusministerium eingereicht.

Mit einem Geschenk der Fachgruppe und lang anhaltendem Beifall wurde der sehr engagierte und beliebte FG-Leiter gefeiert.

Manuela Rosner