Lernbiographien im Blick - das Konzept

Verständnisintensives Lernen ist ein lerntheoretischer und fortbildungsdidaktischer Ansatz, der die Verstehensprozesse von Schüler/innen wie auch die der Lehrpersonen in den Mittelpunkt stellt. Das Konzept Wesentlich dafür ist die Fähigkeit bewusssten Perspektivenwechseln, zum „Verstehen zweiter Ordnung“.

Dieses schließt neben dem individuellen Verstehen der Lehrperson das individuelle Verstehen der Lernenden und die Wahrnehmung der Unterschiede zwischen beiden ein. So wird das Arrangieren nachhaltiger und verstehenstiefer Lernprozesse ermöglicht. Verständnisintensives Lernen ist nicht reproduktiv und auf die Wiedergabe isolierter Fakten angelegt. Es ist aktiv-konstruktiv, auf Zusammenhänge, Sinnbezüge ausgerichtet.

Diese Qualität ist gemeint, wenn der BLLV fordert, dass Lernen auf Kompetenz – d. h. auf Anwendbarkeit, Problemerkennung und -lösung, eigenständiges Denken – und nicht auf bloße Informationsaufnahme und -wiedergabe ausgerichtet sein muss. Verständnisintensives Lernen verbindet Theorie und Praxis. Die Erkenntnisse, Ansätze und Haltungen werden direkt mit dem eigenen Handeln als Lehrer/in verbunden.

Methodisch geschieht dies auf drei Themenfeldern:

  • Lernbiographie-Arbeit
  • Unterrichtsanalyse und -reflexion
  • Kollegiales Lernen

Die Ausbildung

Inhaltlich und methodisch baut die Ausbildung auf Elementen auf, die in den Programmen „Verstehen lehren“ und „Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität („E.U.LE.“) entwickelt wurden. Der BLLV hat 2012/13 bereits eine erste Staffel mit rund 20 Teilnehmer/innen und den Trainer/innen Ute Waldenburger und Stephan Schnurre durchgeführt.

Lehrer/innen aller Schularten lernen in der Qualifikation, die Perspektive der Lernenden einzunehmen und stärker zu beachten. Sowohl bei der Interaktion im Lernprozess als auch bei dessen Planung schaffen Sie Bedingungen für das individuelle Verstehen. So können Sie Hemmnisse besser erkennen und bearbeiten.

Um die pädagogische Kompetenz, das Verstehen eines anderen zu verstehen, bei Lehrpersonen zu stärken, ist es notwendig, zunächst die eigenen Verstehensprozesse in den Blick zu nehmen. Die eigenen Berufserfahrungen, Routinen und Denkweisen bilden dafür den Ausgangspunkt. In einem Wechsel von Training und Reflexion werden vorhandene Routinen reflektiert und neue aufgebaut. Die Teilnehmer/innen entwickeln gemeinsam Ideen für ihre pädagogische Arbeit, die sie in ihren eigenen Handlungsfeldern auch praktisch ausprobieren.

Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung

  • Verhältnis von Lernen und Verstehen
  • Theorie des Verständnisintensiven Lernens
  • Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns
  • eigene Theorien über Lernen und Schule (subjektive Theorien)
  • Schülerperspektive in Planungsprozessen
  • verständnisintensive Unterrichtsanalyse
  • Übungen und Methoden zum Perspektivwechsel
  • Planung von Lernprozessen
  • Perspektivenvielfalt durch kollegiale Zusammenarbeit

Vil und der BLLV

Seinen Anfang hat ViL in E.U.LE, dem „Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität“, das von Lehrer/innen angestoßen und vom Kultusministerium in Thüringen getragen wurde. Bei E.U.LE arbeitete von 2004 bis 2014 ein Netzwerk von Thüringer Lehrerinnen und Lehrern. Die theoretischen Grundlagen wurden insbesondere von Prof. Dr. Peter Fauser entwickelt.

Parallel dazu wurde das Programm „Verstehen lehren - Unterrichtsentwicklung durch Verständnisintensives Lernen“ von der Robert-Bosch-Stiftung, dem Hauptträger des Deutschen Schulpreises, in enger Zusammenarbeit mit E.U.LE. durchgeführt. Seit dem Abschluss von E.U.LE führt der Verein Verständnisintensives Lernen e.V. die Weiterentwicklung von Theorie und Praxis fort.

Der BLLV war bei der Gründung des Vereins beteiligt, stellt zahlreiche Mitglieder und ist im Vorstand vertreten (www.verstehenlernen.de).

2015 ist das Handbuch zum Verständnisintensiven Lernen erschienen, an dem auch Teilnehmer der 1. Staffel der ViL-Ausbildung als Autor/innen mitwirkten.