Vom Straßenkind zur Unternehmerin

BLLV-Präsidentin besucht Kinderhaus in Peru

In den Herbstferien besuchte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann das Kinderhaus CASADENI in Peru. Auf der Baustelle des Berufsbildungszentrums CETPRO konnte sie sehen, wie die Zukunft des Peru-Projekts der BLLV-Kinderhilfe Gestalt annimmt. Im Interview erzählt sie von ihren Eindrücken.

Warum haben Sie sich auf den weiten Weg nach Peru gemacht?

Simone Fleischmann: Ich habe schon viel von unserem Kinderhaus in Peru gehört und habe dann gemerkt, dass es doch gut ist, ein so zentrales Projekt des BLLV persönlich kennen zu lernen. Als neue Präsidentin ist es mir wichtig, mir selbst einen Eindruck von den wichtigen Projekten und Aktivitäten des BLLV zu machen. Mitreden kann ich nur, wenn ich selbst eine authentische Erfahrung gemacht habe. Dies war in Peru nun der Fall!

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Die Welt in Peru tickt anders: Kinder und Jugendliche, die in unseren Projekten in Ayacucho betreut werden, wachsen in extremer Armut auf und sind oft auch Opfer von Gewalt. Sie brauchen ganz viel Zuwendung und pädagogische Kompetenz. Dies bekommen sie in CASADENI und CETPRO in ganz besonderer Weise. Ich habe spüren können, dass alle Kinder sich hier wohl und angenommen fühlen. Die Pädagogen und Lehrer kümmern sich sehr intensiv um die Kinder und der Eindruck einer großen Familie ist überall zu spüren. Das hat mich sehr berührt.

 

Wie leben denn Kinder und Jugendliche in Ayacucho?

Wir konnten mehrere Familien besuchen und ganz nah erleben, wie diese Menschen leben. Sie sind arm, sie haben nur sich und sind auf die Angebote in unserem Kinderhaus angewiesen. Besonders Gewalt und Missbrauch spielen oft eine Rolle. Hier sind die Sozialarbeiter unserer Einrichtung sehr sensibel und bieten präventive und interventive Maßnahmen für die Familien an. An einem Elternabend habe ich live erlebt, wie im Rahmen von Szenarienarbeit Hilfe angeboten wird.

 

Welche Rolle spielt die Berufsausbildung im CETPRO?

Mir ist aufgefallen, dass es nicht nur um das Erreichen von fachspezifischen Kompetenzen, wie z.B. dem Nähen, dem Umgang mit Computern, dem Backen oder dem Vermarkten von Produkten, wie Blumen am Friedhof, Gebackenes aus der Bäckerei geht. Es geht um viel mehr. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden fit gemacht, ihre Kompetenzen in ganz konkreten kleinen Firmen umzusetzen. Sie bekommen Hilfen, wie sie kleine Unternehmen aufbauen und sich so selbst über Wasser halten können.

Ich war sehr beeindruckt, als ich zwei Näherinnen, eine Konditorin und eine Bäckerin in ihrem eigenen kleinen Laden besuchen konnte. Mit welcher Motivation und Lust diese Absolventinnen von CETPRO nun ihr Leben selbst finanzieren können, macht mich glücklich.

 

Wie ist ihr Eindruck vom Kollegium der Einrichtung?

Im Projekt arbeiten ca. 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind Psychologen, Pädagogen, Lehrer, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Sie zeichnen sich alle darin aus, dass sie neben ihrer Fachkompetenz eine ganz besonders ausgeprägte emotionale und soziale Bindung zu den Kindern mitbringen. In zahlreichen Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen wurde mir klar, dass es sich hier um eine „Familie“ der besonderen Art handelt. Die Konzeption der Einrichtung ist nicht nur sehr professionell ausgearbeitet, sondern wird auch äußerst intensiv umgesetzt. Dabei spielen die beiden Leitungspersönlichkeiten Mariela Molinari und Nancy Galvez eine ganz entscheidende Rolle. Beide leben für das BLLV-Projekt.

 

 

Wie geht’s eigentlich weiter mit CASADENI und CETPRO?

Ich konnte die Baustelle besichtigen und mit den Ingenieuren und Arbeitern sprechen. Dabei habe ich gemerkt, dass alle hier auf einem guten Weg sind. Bis Januar soll das neue Haus fertig sein und dann kann der Umzug beginnen. In der Karwoche wird das Zentrum offiziell eingeweiht: ich freue mich dabei sein zu können. Hier entsteht ein wirklich tolles Haus, das den Kindern und Jugendlichen eine neue Heimat geben wird.

Können Sie in einem Satz zusammenfassen was Sie erlebt haben?

Der BLLV ist ein starker Lehrerverband; er ist aber auch ein starker sozialer Verband. Das tut gut und darauf bin ich jetzt noch mehr stolz als vorher!

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