Essenspakete kommen an

 

Lateinamerika hat sich weltweit zum Hotspot der Coronainfektion entwickelt. Auch in Peru ist die Situation dramatisch. Die Mitarbeiterinnen des Kinderhauses kämpfen gegen Hunger und Verzweiflung. Unser Spendenaufruf erbrachte über 50.000 €. Mit diesen Spenden wurden in den letzten beiden Wochen 400 Essenspakete in Ayacucho und Lima an bedürftige Familien verteilt.

Gespenstisch mutet es an, wenn die Lieferwagen die Einfahrt des Kinderhauses verlassen vollbepackt mit festen Einkaufstüten und zwei in weißen Schutzanzügen vermummten Mitarbeiterinnen gefolgt von örtlichen Sicherheitskräften. Mehrmals am Tag machen sie sich auf den Weg zu den verzweifelten Familien in den Randgebieten Ayacuchos. Die Not ist groß, die Ohnmacht raubt jegliche Zuversicht. Oft sieht man weiße Tücher vor den Hütten, Zeichen dafür, dass die Familie nichts mehr zu essen hat.

"Seid Ihr gesund?“

Wenn die Sozialpädagogen von CASADENI an die Türen der Familien, deren Kinder das Kinderhaus besuchen, klopfen oder läuten, dauert es oft lange bis die verschüchterten Menschen zur Tür kommen und zaghaft öffnen. Erst wenn sie die Stimmen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von CASADENI wiedererkennen, schöpfen sie Vertrauen zu den weißen Gestalten, deren Gesichter nicht zu erkennen sind. Dem Erschrecken weicht Freude und Dankbarkeit. „Wie geht es? Seid Ihr gesund? Was machen die Kinder?“

Viele der Familien haben außer Bohnen nichts mehr zu essen. Sie fristen ihr Leben, verzweifelt, eingeschüchtert, ohnmächtig, in der Hoffnung, dass irgendwann wieder Normalität einkehrt und sie wieder losziehen können, um ein paar wenige Soles zu verdienen, um wenigstens überleben zu können.

Große Dankbarkeit schlägt den Helfern aus dem BLLV-Kinderhaus entgegen. Voller Glück nehmen die Familien die Essenspakte. Wenigstens für einige Tagen ist das Überleben gesichert und der quälende Hunger vorbei. Immer wieder erzählen die Mitarbeiter des Kinderhauses den Familien von den bayerischen Lehrern, die Geld für sie spenden. Ungläubig hören sie zu und können es kaum glauben, dass Menschen in einem ganz anderen Teil der Welt ihnen in ihren ärmlichen Hütten an den Berghängen weit entfernt in den Anden helfen. Die Vorstellung, dass Menschen in einem ganz anderen Teil der Welt für sie Geld spenden, können die wenigsten wirklich fassen. In einer Welt, in der die Menschen ums blanke Überleben kämpfen, ist so etwas wie Solidarität ein Fremdwort.

Kinderhaus ist Zentrum der Notversorgung

Unterdessen ist das BLLV-Kinderhaus zu einem Zentrum der Notversorgung geworden. Da wo jahrelang Kinder lernten und spielten, sind jetzt die Lager für die Lebensmittel. In großen Säcken lagert Zucker, Reis, Bohnen, Linsen, Quinoa, Mehl, Erbsen, Öl, Salz und Thunfisch, die im Großhandel gekauft werden. Die Mitarbeiter packen sie ab in Essenspakete, die für eine vierköpfige Familie zwei Wochen reichen. Dann werden sie auf die offenen Lieferwägen verladen. Sicherheitskräfte in martialischem Outfit begleiten die Auslieferung, damit nichts gestohlen und die Wägen nicht überfallen werden.

Die Zeichen in Peru stehen nicht auf Entspannung. Gerade erst am 23. Mai hat die peruanische Regierung den Lockdown und den nationalen Notstand das fünfte Mal verlängert – bis Ende Juni.  Peru hat für dreieinhalb Monate eine massive Ausgangsbeschränkung umgesetzt. Peru ist damit eines der Länder mit dem längsten Lockdown mit dramatischen Folgen für Millionen von Menschen ohne Einkommen. Die Migrationsbewegungen von den Städten in die ländlichen Regionen halten an.

Flucht ins Landesinnere

Es wird von verzweifelten Menschen berichtet, die nachts am Straßenrand kampieren und tagsüber stundenlang in der glühenden Hitze zu ihren Familien in den Bergen oder im Regenwald laufen an ihren Händen und auf ihren Rücken weinende und verschüchterte Kinder. Nicht alle erreichen lebend ihr Ziel. Immer wieder sterben Kinder auf dem mühsamen Weg in den kalten Nächten hoch in den unwirtlichen Bergen. Manche der Migranten sind an Covid-19 erkrankt ohne es zu wissen und tragen den Virus ins ganze Land.

Der Schulunterricht in Peru ist seit sechs Wochen ausgesetzt. Nur sehr wenige Kinder und Jugendliche aus wohlsituierten Familien erhalten digitalen Unterricht. Alle anderen verlieren Monate des Lernens. Die Gewalt in den Familien nimmt zu. Und die die Verzweiflung wächst.

Mariela Molinari: „Ihr setzt Zeichen der Menschlichkeit.“

Auch die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses, Mariela Molinari, ist tief bewegt von der Hilfe aus Bayern: „Welch großes Zeichen der Menschlichkeit gebt Ihr, liebe Freunde in Bayern. Ihr könnt Euch die Dankbarkeit der vielen verzweifelten Menschen hier für Eure Hilfe nicht vorstellen. Ihr setzt ein großes Zeichen für eine solidarische Welt und für unseren Beruf als Pädagogen. Danke.“

Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann ist überwältigt von der spontanen Hilfsbereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen: „Es ist einfach großartig, dass wir zusammen Zeichen globaler Solidarität setzen. So schwer die Situation im konkreten Schulalltag ist, so dürfen wir doch auch nicht vergessen, dass wir hier in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern in einem stabilen Land leben und keine existentielle Not leiden müssen. Ich bin froh, dass wir als BLLV unsere Verantwortung auch global wahrnehmen.“     

Weitere Informationen

Alles über das Kinderhaus CASADENI

BLLV-Themenseite: Corona